Samstag, 2. November 2013

Bayern in Hoffenheim: Erst Kroos bringt die Dominanz

Das das Spiel heute wirklich aus taktischer Sicht hochinteressant war und ich bereits seit einiger Zeit nichts mehr hier verschriftlicht habe, gibt es heute einmal eine sehr taktiklastige Analyse des Spiels gegen 1899 (– in der Hoffnung, dass Erik Meijer das liest).

Anhand der Statistiken beider Teams war von den Zuschauern ein torreiches Spiel erwartet worden. Hoffenheim war immerhin vor dem Spieltag die Mannschaft mit den meisten geschossenen (24) und kassierten Toren (24), die Bayern dagegen in den letzten Wochen nicht immer sattelfest und anfällig für konterstarke Mannschaften wie 1899. 

Dass es letztlich nicht zu einer großen Zahl an Chancen kam, war der interessanten taktischen Herangehensweise der Hoffenheimer und einigen Rochaden (zuviel) im Bayernspiel zuzuschreiben.

Unterschiedliche Pressingansätze

Schon zu Beginn waren die unterschiedlichen Pressingansätze beider Teams zu erkennen. Hoffenheim ließ den Bayern viel Raum beim Aufbau über die beiden Innenverteidiger Dante und Boateng, die je nach Situation relativ nah zueinander standen oder weiter auseinanderrückten, um Martinez Platz zu gewähren. 

Modeste bildete erst auf Höhe der Mittellinie die Keilspitze der Hoffenheimer Defensive, die sich vorrangig darauf konzentrierte, zentrale Anspiele in den Raum ca. 30 Meter vor dem eigenen Tor zu verhindern. Dies gelang lange Zeit sehr gut.
 
Wirklich intensives Pressing bis zu Neuer führten die Gastgeber nur situativ und sporadisch aus, wenn sich der ballführende Bayernspieler mit dem Gesicht zum eigenen Tor befand. Durch die ballsicheren Bayern blieben jedoch auch diese Situation meist ertraglos aus Sicht von Gisdols Team. Lediglich kurz vor der Pause entstanden so einige wenige Ballgewinne.

Bayern presste dagegen schon früh in des Gegners Hälfte, was besonders in der ersten halben Stunde zu zahlreichen langen Bällen und folgend Ballverlusten der Hoffenheimer führte. Spielmacher Firmino war besonders in der ersten Halbzeit dadurch völlig vom Spiel abgeschnitten und die meist Modeste suchenden langen Anspiele blieben unpräzise. Gerade Mandzukic verrichtete in diesen Situationen viel Laufarbeit und erzwang einige Rückpässe in Richtung Casteels, der selten durch präzise Zuspiele glänzte.

Hoffenheim zwingt Bayern nach außen

Durch die gute Raumaufteilung und Staffelung der Hoffenheimer im zentralen Mittelfeld blieb den Bayern häufig nur der Weg über die Außenspieler – was in dieser Saison bisher durchaus ungewöhnlich war und ein wenig an die Herangehensweise des BVB in den letzten Duellen gegen die Münchener erinnerte. Nach außen treiben, isolieren und dann schnell kontern.

Durch dieses gute Stellungsspiel der Hoffenheimer erwies sich auch Guardiolas Reaktion auf die Abwesenheit von Kroos zunächst als wirkungslos. Ribery rückte gerade in der ersten Halbzeit sehr häufig weit in die Mitte ein und sollte vermutlich gemeinsam mit Götze die ballsichere Zentrale vor dem eher defensiven Martinez bilden.

Schweinsteiger wich dadurch häufig auf die linke Außenbahn aus, wo er sich am Aufbauspiel beteiligte. Alaba gab dagegen einen sehr offensiven Außenverteidiger und übernahm praktisch die Rolle von Ribery mit. 

Ebenso variabel präsentierten sich die beiden anderen Offensivakteure Müller und Mandzukic. Der Kroate wich häufig auf einen der Flügel aus und versuchte verstärkt am Kombinationsspiel zu partizipieren, wobei seine Flanken aber in der Mitte nur selten ihr Ziel fanden.

Schlechte Abstimmung der Laufwege

Generell waren die häufigen Missverständnisse und die teils schlechte Abstimmung der Laufwege im Bayernspiel auffällig. Besonders Müller und Mandzukic wählten einige Male denselben Laufweg. Auch  Schweinsteiger wurde bei seinem Schussversuch von Mandzukic behindert. 

Zwar kamen die Bayern einige Male an die Grundlinie, so etwa Lahm (15.) oder Alaba (19.), fanden aber dann keine Anspielstation, weil eben die Laufwege der Mitspieler schlecht getimed waren. Lücken fanden die Bayern vor allem immer wieder in der Schnittstelle zwischen den beiden Innerverteidigern und den Außenverteidigern.

Hoffenheimer schaffte es überraschend ohne wirklich harte Zweikampfführung, die Bayern aus der gefährlichen Zone fernzuhalten. Ausnahme war das gelbwürdige Einsteigen von Abraham gegen Ribery (24.), in dessen Folge Martinez das 1:0 auf dem Oberschenkel hatte (24.).

Götze & Schweinsteiger kaum Faktoren

Ein Grund dafür war sicherlich, dass sowohl Schweinsteiger als auch Götze lange Zeit kaum Faktoren waren und Martinez durch das gute Anlaufen von Modeste auch selten einen zentralen Pass in die Tiefe spielen konnte. Stattdessen zwang Hoffenheim die beiden Innenverteidiger mangels Anspielstationen mehrmals in riskante Dribblings, die jeweils in überhasteten Abspielen (Boateng) oder Ballverlusten (Dante) mündeten.

Torchancen waren also Mangelware, weswegen beide Treffer konsequenterweise aus Standards fielen. Dem 1:0 ging dabei ein klarer Patzer von Manuel Neuer voraus, der sich für die vermeintlich riskantere Variante entschied, den Ball zu fangen und ihn fallenließ (34.). 

Einer kurzen Phase der Münchener Verunsicherung, in der Hoffenheim durch Volland zweimal die Chance hatte, die Führung zu erhöhen (34.&36.), folgte der glückliche Ausgleich durch Mandzukic (39.).

In der hektischen Phase vor der Pause war es gleich mehrmals Martinez zu verdanken, der mit seiner außerordentlichen Zweikampfstärke einige Male vielversprechende Hoffenheimer Konter unterbinden konnte (40./42./44./47./61.), dass die Gastgeber aus der Unordnung im Bayernspiel kein weiteres Kapital schlugen. 

Der von Kommentator Roland Evers durchaus kritisch gesehene Spanier glänzte zwar offensiv nicht sonderlich, was sicher auch an Hoffenheims Ausrichtung lag, erwies sich aber als wertvoller Balancespieler und bester Zweikämpfer. Also genau das, was man von einem Sechser erwartet.

Mit Kroos kommt die Dominanz

Guardiola reagierte zur Pause mit einigen taktischen Umstellungen. Er forderte nun gut sichtbar ein Überspielen der ersten Mittelfeldreihe, wodurch die erste Pressingwelle der Hoffenheimer umgangen werden sollte. Zudem schickte er Ribery wieder auf den Flügel. Besonders diese Umstellung zeigte sofort Wirkung. 

Durch die Achse Ribery-Alaba gewann das Bayernspiel sofort an Dynamik. Müller hätte nach einer Ribery-Flanke bereits die Führung erzielen können (57.). Hoffenheim hatte seinerseits durch Volland kurz zuvor die große Chance auf die erneute Führung, als es Firmino einmal gelang, Martinez mit einem Tunnel zu überspielen (55.).

Der zweite und entscheidende Knackpunkt war dann die Einwechslung von Kroos für Mandzukic nach einer Stunde. Dadurch gewann Bayern nicht nur die Hoheit und Ballsicherheit in der Zentrale zurück, Kroos sorgte ebenso für die bis dato kaum verwendeten Spielverlagerungen, wodurch die Hoffenheimer weite Wege gehen mussten und zunehmend müde wirkten.

Dreieck Kroos-Ribery-Alaba glänzt

Besonders das Dreieck Ribery – Alaba – Kroos kreierte in der Schlussphase Chance um Chance (66./67.). Trotzdem musste erneut der Zufall, beziehungsweise zwei kurz aufeinanderfolgende Fehler der Hoffenheimer (in Person von Beck und dem ansonsten starken Süle) für Müllers Siegtreffer herhalten (75.). In der letzten Viertelstunde spielte Bayern seine technische Überlegenheit aus und hätte durch Müller noch ein Tor mehr erzielen müssen (86.).

Fazit: Ein taktisch interessantes Spiel, das von Seiten der Münchener erst nach der Hereinnahme von Kroos dominiert wurde. Hoffenheim mit einigen interessanten Pressingansätzen aber im Abschluss weitgehend harmlos. Bezeichnend, dass jeweils zwei der drei Tore durch Standards oder krasse individuelle Fehler begünstigt wurden.  

Bayern: Neuer (4,5) – Lahm (3), Boateng (3,5), Dante (3,5), Alaba (3) – Martinez (2,5), Schweinsteiger (3,5), Götze (4), Ribery (2,5), Müller (3,5) – Mandzukic (3,5) Eingewechselt: Kroos (2), Rafinha (-)

Montag, 7. Oktober 2013

Podcast (10) - Perfekte Wochen und ewige Loser

Im aktuellen Podcast sprechen wir über die tollen Spiele gegen Manchester City und Bayer Leverkusen und beschäftigen uns mit der verschobenen Wahrnehmung auf allen Ebenen. 0.01 Begrüßung 1.22 Manchester shitty? 3.28 Das Haar in der Suppe 8.19 Fehleranalyse und Buttslap-Gif's 21.08 Gala gegen Leverkusen 22.15 Das Haar in der Suppe II 28.48 Die Causa Lahm 31.20 Neuer und der Patzer, der keiner war 34.05 Weltklasse Leno? DAFUQ??? 36.18 Niemand mag Loser 46.30 Toni Kroos: Fußballgott! 47.39 Quatsch und Verabschiedung

Donnerstag, 18. Juli 2013

SoM Podcast (8) - Speckmuffins, blaue Augen und Thiago-Fieber

Content: 00.01 Quatsch 02.37 Intro 03.56 CL-Finalerinnerungen: Speckmuffins und blaue Augen 09:31 Mario Gomez - Abschied mit Fragen 34:10 Neuzugänge 65:05 Mögliche Aufstellungen 81:21 Abschied mit jeder Menge Weisheiten

Dienstag, 2. Juli 2013

Machs gut Mario!

Ein Gastbeitrag von meinem geschätzten Podcast-Kollegen Andreas zum bevorstehenden Abschied von Mario Gomez:


Noch ist nichts bestätigt, aber die Anzeichen verdichten sich: Mario Gomez wird den FC Bayern verlassen. Allem Anschein nach Richtung Florenzer AC. Jedoch, so richtig Wehmut will sich bei der bayrischen Anhängerschaft irgendwie nicht auftun – Schade eigentlich.
  
Der FC Bayern und Mario Gomez - so eine richtig innige Liebesbeziehung  war das nie, obwohl die Bedingungen dafür durchaus dagewesen wären: Er macht Tore (gar nicht mal so wenige), der Arbeitgeber holt Titel – woanders reicht das als Grundlage schon aus, dass man den eigenen Namen zur umgedichteten Melodie eines allseits bekannten Gassenhauers um die Ohren geschmettert bekommt.

Warum das beim Schwabenbomber mit dem semispanischen Migrationshintergrund nicht der Fall ist, möchte ich im Folgenden zu ergründen versuchen.

Der erste Punkt ist – so platt das zunächst einmal auch klingen möge – sein Aussehen. Auch die Haare. Vielleicht besonders die Haare. Dazu der adonishafte Körper (wobei das adonishafte gelegentlich dazu neigt, sich proportional umgekehrt mit dem Näherkommen des Spielgerätes zu verflüchtigen). 

An sich ist gutes Aussehen für einen Fußballer ja nicht zwingend schädlich. Man bekommt Werbeangebote, darf die eigene, grinsende Visage in Modezeitschriften, das beschmuckte Handgelenk im Lifestyle-Magazin der Wochenzeitung und das Gemächt, verpackt in Designerschlüppern, an der Litfaßsäule bewundern. Dazu gibt’s nen Riesenhaufen Groupies, denen man auch noch den letzten Dreck verkaufen kann, solange nur der eigene Name draufsteht. 

 Dass die altersmäßig in der Regel eher am Anfang der Geschlechtsreife stehen – zweitrangig. Bleibt eben mehr Ernte für den Karriereherbst. 

 Mario Gomez‘ Problem an dieser Stelle ist, dass er für sein Aussehen nicht ignorant genug ist. Wo ein David Beckham und Cristiano Ronaldo es als Selbstverständlichkeit empfinden, beim Klopapier kaufen von 20 Papparazzi begleitet zu werden, um am nächsten Tag eine Lobeshymne über das passende, weil ebenfalls 4-lagige, Outfit zu lesen, ist einem Mario Gomez diese mediale Schlagzeilenmaschinerie suspekt. 

 Das hat er sich vor allem durch die legendär vergebene Chance bei der EM 08 und während seines ersten Jahres bei den Bayern angeeignet, als alle darauf versessen waren, den neuen Rekordtransfer der Bundesliga scheitern zu sehen. Seither pflegt dieser Mario Gomez einen unprätentiösen, distanzierten und bisweilen auch herablassend-ironischen Umgang mit den Medienvertretern. 

 Als er in seinem zweiten Jahr, am achten Spieltag gegen Hannover aus dem Stand einen Dreierpack erzielt, wollen alle Journalisten die Phoenix-aus-der-Asche-Story, die Wiederauferstehung des Totgesagten. Nur Mario Gomez wollte das nicht. Darum zuckte er lieber mit den Schultern, sprach in zurückhaltender Lautstärke und lächelte in sich hinein, anstatt sich auf die angebotene Heldenverehrung einzulassen. Zu frisch waren die Erinnerung an seine öffentliche Degradierung („Gomez ist bei mir Stürmer Nr. 4“, Louis van Gaal vor der Saison).
  
Wenn man sich nicht vom Antlitz des Posterboys blenden lässt, sondern ihm einfach nur zuhört, merkt man relativ bald, dass da ein junger Mann spricht, der eigentlich zu reflektiert für den kurzsichtigen, superlativ-fixierten Medienbetrieb ist. Der, nachdem er wieder mal 3 Tore in 12 Minuten geschossen hat, absichtlich die Luft in Interviews rausnimmt, weil er ganz genau weiß, dass wenn er im nächsten Spiel die Quote nicht hält, sofort die Formkrisen-Schlagzeile ausgepackt wird – egal welche Sprache die objektiven Leistungsdaten sprechen.

 Nun kommt jedoch eine strukturelle Komponente ins Spiel, die diese eigentlich sympathische Eigenschaft des Mario G. ins Gegenteil verkehrt. Diejenigen, die Mario Gomez bei seinen Interviews nach dem Spiel so milde belächelt, sind die Typen, die ihm das Mikro unter die Nase halten und Fragen stellen, die an Banalität kaum zu überbieten sind. Diejenigen, bei denen das aber ankommt, sitzen Zuhause vor dem Fernseher. Was der ZuschauerIN (*generisches Femininum für unsere Leipziger Leser) sieht, ist der gelangweilte Gesichtsausdruck eines ansonsten ziemlich gutaussehenden Jungmillionärs. Und dazu kann ihn nicht mal so ne affige Frise entstellen!
  
An dieser Stelle gleitet die zur Schau gestellte Gelassenheit ganz schnell in eine wahrgenommene Arroganz um. Von der Immunität gegen überbordende Lobhudelei bis zur antizipierten Überheblichkeit ist es nur ein ganz kleiner Schritt. Und in einem Medium, in dem Beiträge mit mehr als 30 Sekunden Länge schon als Zumutung für das Publikum empfunden werden, ist diese Unterscheidung auch nicht immer leicht zu treffen.
  
 So kommt es, dass Mario Gomez vor allem deswegen nicht so gut mit den Fans kann, weil er mit den Medien nicht so recht möchte, auch wenn diese ob seines gut vermarktbaren Äußeren gerne würden. Es gibt keine Homestory in Wohnzimmeratmosphäre, kein Schunkeln mit dem Tegernseer Fandelegierten auf dem Oktoberfest, ja nicht mal ausgelassene Jubelbilder in der Fankurve nach einem erzielten Tor, sondern höchstens diesen unspektakulären Torero-Move. 
  
Mario Gomez zweiter Fehler ist, dass er wahrscheinlich irgendeinen aufgemotzten Audi fährt, anstatt sich endlich mal einen Delorean zuzulegen. Was in anderen Zusammenhängen als Gnade ausgelegt wird, ist bei Mario Gomez das Pech der späten Geburt. Seit sich der europäische Spitzenfußball dazu entschlossen hat, flächendeckend nur noch das katalanische 4-5-1 nachzuspielen, sind Knipser seines Formats nicht mehr gefragt. Stürmer sollen die Bälle nicht mehr unbarmherzig verwandeln, sondern halten, ablegen, verteilen und im Extremfall sogar noch erobern! 

Vor ein paar Jahren, als man das gute alte 4-4-2 noch spielen konnte, ohne sich schlagartig zum Gespött der Fachwelt zu machen, sind Torjäger für ihre unorthodoxen Abschlussqualitäten gelobt worden. Ulf Kirsten hat ein Tor mit dem Arsch gemacht, Gerd Müller unzählige in jeder erdenklichen Position – und kaum eins davon war schön herausgespielt. Aber wenn Mario Gomez ein Tor mit dem Penis erzielt, kichern alle nur anstatt ehrfurchtsvoll inne zu halten. Was eine ungerechte Welt!

 In der Bundesliga hat Mario Gomez 75 Tore in 115 Spielen für den FC Bayern geschossen, in 39 Champions League Spielen waren es 23 – eine stattliche Quote. Aber immer musste er sich für die Art und Weise rechtfertigen (was, um nochmal auf die oben aufgeführte Medienkiste zu verweisen, nicht unbedingt eine Stärke von ihm ist). 

Wahrscheinlich hat Mario Gomez mit wirklich jedem ihm zur Verfügung stehenden Körperteil (bis auf den Spann) schon irgendwie eingenetzt. Man könnte das, wenn man will, problemlos als Vielseitigkeit, Killerinstinkt, unbedingten Willen auslegen. Wenn man nicht will, macht man daraus eben Tollpatschigkeit.
  
Mario Gomez ist der wahrscheinlich mit Abstand beste und effizienteste Torjäger der letzten 15 bis 20 Jahre, nur erkennt man das nicht, weil die spielsystemischen Anforderungen andere Maßstäbe setzen. Und die Spielanlage der Bayern war in den letzten Jahren erst recht keine, die seine Stärken zum Vorschein gebracht hätte. Die starke Verlagerung auf die Außen bringt einem dynamischen Stürmer wenig, wenn durch die ständigen Hereingaben von der Seite eher Wuseligkeit auf kleinem Raum und Spritzigkeit gefragt sind. 

 Dazu sei erwähnt, dass ich schon Schwierigkeiten habe, mich überhaupt an Hereingaben von der Robben-Seite zu erinnern – von ‚erfolgreichen‘ ganz zu schweigen! In Anbetracht solcher Umstände sollte die Bilanz des Mario Gomez vielleicht sogar in noch hellerem Lichte erstrahlen.
  
Alles in allem fällt es nicht schwer, Mario Gomez‘ Beweggründe für einen Wechsel nachzuvollziehen. In den 2 Jahren, in denen er beim FC Bayern in der Spitze gesetzt war, hat er jeweils deutlich über 20 Ligatore erzielt – und musste sich ständig dafür rechtfertigen. In den 2 Jahren, in denen er nicht gesetzt war, lag die Trefferanzahl immer noch im zweistelligen Bereich – aber die Abgesänge auf ihn waren ungemein heftiger. 
Und nicht mal für das Standing in der Nationalmannschaft war die Anstellung beim Ligaprimus noch nützlich – Miroslav Klose brauchte nur fit zu sein, um vom Bundestrainer vorgezogen zu werden. 
  
Wer hätte da nicht Sehnsucht nach der alten Stuttgarter Zeit, in der das Publikum einem bedingungslos zujubelt und es der Trainer ist, der sich rechtfertigen muss, wenn der eigene Name in der Startaufstellung fehlt?! Insofern nimmt man für das bisschen Liebe vielleicht auch den vorübergehenden Abstieg zu einem Euro-Ligisten in Kauf, denn wer hat gesagt, dass Florenz Gomez‘ letzte Station bleiben müsse?
  
Auch ich kann mich nicht freimachen von so manchem Fluch, Lacher oder Wutausbruch über verstolperte Bälle, missglückte Annahmen und unnötige Schienbeinpässe. Aber als Typ mochte ich Mario Gomez immer gerne. Darum, mach‘s gut, Junge! Viel Glück mit den Florentiner Fans und in der Serie A – um die Tore müssen wir uns ja glücklicherweise keine Sorgen machen… 



Andreas Zielke

Sonntag, 26. Mai 2013

Bayern krönt sich gegen Dortmund oder Das Schicksal ist konsequent

Der FC Bayern hat seine bis hierhin perfekte Saison gekrönt und ist Champions-League-Sieger 2013. Noch beschissener kann man diesen Blogbeitrag nicht beginnen, aber es fehlen mir schlicht die Worte, das gestern Erlebte adäquat einzuleiten.

Ich habe das große Glück, Fan einer Mannschaft zu sein, die in dieser Saison die Fähigkeiten und den Willen hat, ihre Beobachter wieder und wieder in Staunen zu versetzen. Der Triumph einer Mannschaft hat sich wohl selten so deutlich angekündigt wie dieser.

Borussia Dortmund hat es uns aber nicht leicht gemacht im Finale. Die erste halbe Stunde war es die schwarzgelbe Borussia, die uns mit ihrem mittlerweile berühmten Pressing den Wind aus den Segeln nahm und durchaus hätte in Führung gehen können. Taten sie aber nicht.

Wir befreiten uns und profitierten sicherlich davon, dass den BVB nach und nach die Kräfte verliesen. Nach 30 Minuten war die größte Drangphase vorbei, waren wir im Spiel. Nach der Halbzeit waren wir dann so dominant, wie ich es mir bereits vor dem Finale erhofft hatte.

Ich muss zugeben, ich habe den BVB unterschätzt. Es stimmt, dass es derzeit wohl keine andere Mannschaft auf der Welt schafft, uns an den Rande einer Niederlage zu bringen. Die erste halbe Stunde in Wembley war keine schlechte Leistung unsererseits, es war eine Konsequenz aus dem starken Spiel Dortmunds.

Und trotzdem sind wir am Ende der hochverdiente Sieger. Es war kein Glück, es war anhand des Spiels der wahrscheinlichste Ausgang.

Ja, es ist korrekt, Dante hätte bei seinem klaren Foul an Reus auch vom Platz fliegen können. Es ist aber auch Teil der Wahrheit, dass die erste Verwarnung für den Brasilianer nicht wirklich zwingend notwendig war.

Rizzoli bewies in dieser Situation Fingerspitzengefühl, wollte die vielzitierte "doppelte Bestrafung" in einem derart wichtigen Spiel nicht zu einem entscheidenden Faktor machen. Was ich nachvollziehbar und richtig finde, ebenso jedoch objektiv genug bin, zu erkennen, dass dies möglicherweise meiner rotweißen Vereinsbrille geschuldet ist.

Letztlich kann ich in diesem Spiel die Aufregung um den Schiedsrichter nicht nachvollziehen. Rizzoli hat für mich das getan, was der Leitsatz eines jeden Schiedsrichters in einem derart wichtigen Spiel sein sollte: das Spiel sauber halten, das ahnden, was geahndet werden muss und ansonsten zu versuchen, das Spielgeschehen nicht maßgeblich durch die eigenen Entscheidungen zu beeinflussen. Mit seiner ruhigen und guten Körpersprache trug er dazu bei, das Spiel ganz ohne viel Zutun unter Kontrolle zu halten.

Deshalb war es aus meiner Sicht auch richtig, Ribery nicht vom Platz zu stellen, wenngleich sich der Franzose mit seiner Dummheit gegen Lewandowski wieder einmal beinahe um den verdienten Lohn der in dieser Saison verrichteten Arbeit gebracht hätte.

Auf einer Skala von Losreißen bis Ellenbogenschlag verorte ich die Bewegung jedoch eher bei Ersterem und so sah es wohl Rizolli auch.

Apropos Lewandowski: Was sich unser (vielleicht) zukünftiger Stürmer gegen Boateng leistete, war für mich die hässlichste Szene des Abends (dahinter folgen Ribery und Boateng mit seiner Racheaktion gegen Subotic). Rizzoli und seine Assistenten haben die Szene wohl nicht gesehen, für die Bewertung des Tritts hätte es sonst keinen Spielraum gegeben.

Beide Mannschaften taten dem Italiener den Gefallen, sich vorrangig auf ihre spielerischen Mittel zu verlassen. Die Partie war umkämpft und höchst intensiv, dabei jedoch zu keinem Zeitpunkt überhart oder gar unfair (,die bereits angesprochenen Blackouts ausgenommen). Wann hat man das zum letzten Mal beispielweise in einem Clasico gesehen.

Dies ist sicher auch ein Verdienst der beiden Trainer und ein Ausdruck des Respekts, den beide Teams und deren Spieler voreinander haben. Jede Seite erkennt das vom Anderen Geleistete an und versucht den Vergleich sportlich zu entscheiden. Das kann man nicht hoch genug bewerten, wenn man bedenkt, was in diesem Finale alles auf dem Spiel stand.

Beste Bayern waren für mich Neuer, Martinez und Boateng. Dazu Robben in Hälfte zwei. Boateng gewann fast alle seine Zweikämpfe und war Hauptverantwortlicher auf Seiten der Bayern dafür, dass Lewandowski bis auf zwei Situationen in der ersten Halbzeit praktisch nicht stattfand. (Mir ist schleierhaft, wie man die Leistung des Nationalspielers als ernsthaftes Sportsportal mit einer 4 bewerten kann. Erklären kann ich mir das nur mit grundlegenden Ressentiments gegen die Spielweise Boatengs.) An diesem Tag war er gegenüber Dante der deutlich bessere Innenverteidiger.

Es ist schwer Enttäuschungen zu benennen an diesem Tag. Ich lehne mich jedoch, so denke ich, nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich den Herren Lahm, Schweinsteiger und Müller nicht gerade ihren besten Tag attestiere.

Auch Mario Mandzukic wirkte trotz seines Tores lange Zeit wie ein Fremdkörper im Spiel der Bayern. Lahm fiel vor allem in der dominanten Dortmunder Anfangsphase durch eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Fehlpässen auf, die in zwei Fällen jeweils Großchancen des BVB ermöglichten.

Schweinsteiger war, ebenso wie Bender auf der anderen Seite, lange Zeit praktisch unsichtbar. Da ist es von Vorteil, dass wir mittlerweile noch einen defensiven Mittelfeldspieler von absoluter Weltklasse in unseren Reihen haben. Javi Martinez war es, der nach 25 Minuten begann, das Zepter im Mittelfeld an sich zu reissen.

Wenn der Spanier weiter solche Spiele abliefert, müssen sich nicht nur die Gegner der Bayern warm anziehen. Auch Xabi Alonso und Sergio Busquets dürften am Samstag eine unruhige Nacht gehabt haben, nachdem sie gesehen hatten, wie ihr Konkurrent in der Nationalmannschaft die Dortmunder Offensivspieler reihenweise abkochte.

Sicherlich ein Highlight, wie Martinez in der 36. Minute zuerst Marco Reus am eigenen Strafraum den Ball abluchste und anschließend von Reus und Kuba bedrängt, mit einem Hackentrick die beiden Dortmunder ins Leere laufen ließ. Dass Martinez dann mit einem Pass auf Schweinsteiger  auch noch einen vielversprechenden Konter einleitete, war das Sahnehäubchen der in Sekunden komprimiert präsentierten Genialität des Spaniers.

Manuel Neuer natürlich nicht zu vergessen! Während seine Kollegen eine gute halbe Stunde benötigten, um sich in dieses Finale hineinzuspielen, hatte Neuer bereits mit 37 verschiedenen Körperteilen den Rückstand verhindert. Ob per Fußreflex gegen Kuba, im Eins gegen Eins mit vollem Körpereinsatz gegen Lewandowski oder klassisch per Hand gegen Bender und Reus. Bezeichnend, dass ein Elfmeter herhalten musste, um den besten Torwart an diesem Abend zu überwinden.

Und dieser Titel war nicht leicht zu erringen, da auch sein Gegenüber, Roman Weidenfeller, mehrmals seine Klasse auf der Linie demonstrieren durfte.

Letztlich endete das Spiel, wie es sich Arjen Robben wohl seit einem Jahr jeden Abend vor dem Einschlafen herbeigeredet hatte. Der Mann für die großen Spiele entschied wieder einmal ein großes Spiel, vielleicht das größte überhaupt in seiner Karriere. Wie gegen Manchester, wie gegen Neapel 2010, aber eben auch wie gegen Borussia Dortmund und den FC Chelsea 2012 war es eine Aktion Robbens, die am Ende über Sieg oder Niederlage entschied.

Das Schicksal ist eben konsequent.