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Sonntag, 26. Mai 2013

Bayern krönt sich gegen Dortmund oder Das Schicksal ist konsequent

Der FC Bayern hat seine bis hierhin perfekte Saison gekrönt und ist Champions-League-Sieger 2013. Noch beschissener kann man diesen Blogbeitrag nicht beginnen, aber es fehlen mir schlicht die Worte, das gestern Erlebte adäquat einzuleiten.

Ich habe das große Glück, Fan einer Mannschaft zu sein, die in dieser Saison die Fähigkeiten und den Willen hat, ihre Beobachter wieder und wieder in Staunen zu versetzen. Der Triumph einer Mannschaft hat sich wohl selten so deutlich angekündigt wie dieser.

Borussia Dortmund hat es uns aber nicht leicht gemacht im Finale. Die erste halbe Stunde war es die schwarzgelbe Borussia, die uns mit ihrem mittlerweile berühmten Pressing den Wind aus den Segeln nahm und durchaus hätte in Führung gehen können. Taten sie aber nicht.

Wir befreiten uns und profitierten sicherlich davon, dass den BVB nach und nach die Kräfte verliesen. Nach 30 Minuten war die größte Drangphase vorbei, waren wir im Spiel. Nach der Halbzeit waren wir dann so dominant, wie ich es mir bereits vor dem Finale erhofft hatte.

Ich muss zugeben, ich habe den BVB unterschätzt. Es stimmt, dass es derzeit wohl keine andere Mannschaft auf der Welt schafft, uns an den Rande einer Niederlage zu bringen. Die erste halbe Stunde in Wembley war keine schlechte Leistung unsererseits, es war eine Konsequenz aus dem starken Spiel Dortmunds.

Und trotzdem sind wir am Ende der hochverdiente Sieger. Es war kein Glück, es war anhand des Spiels der wahrscheinlichste Ausgang.

Ja, es ist korrekt, Dante hätte bei seinem klaren Foul an Reus auch vom Platz fliegen können. Es ist aber auch Teil der Wahrheit, dass die erste Verwarnung für den Brasilianer nicht wirklich zwingend notwendig war.

Rizzoli bewies in dieser Situation Fingerspitzengefühl, wollte die vielzitierte "doppelte Bestrafung" in einem derart wichtigen Spiel nicht zu einem entscheidenden Faktor machen. Was ich nachvollziehbar und richtig finde, ebenso jedoch objektiv genug bin, zu erkennen, dass dies möglicherweise meiner rotweißen Vereinsbrille geschuldet ist.

Letztlich kann ich in diesem Spiel die Aufregung um den Schiedsrichter nicht nachvollziehen. Rizzoli hat für mich das getan, was der Leitsatz eines jeden Schiedsrichters in einem derart wichtigen Spiel sein sollte: das Spiel sauber halten, das ahnden, was geahndet werden muss und ansonsten zu versuchen, das Spielgeschehen nicht maßgeblich durch die eigenen Entscheidungen zu beeinflussen. Mit seiner ruhigen und guten Körpersprache trug er dazu bei, das Spiel ganz ohne viel Zutun unter Kontrolle zu halten.

Deshalb war es aus meiner Sicht auch richtig, Ribery nicht vom Platz zu stellen, wenngleich sich der Franzose mit seiner Dummheit gegen Lewandowski wieder einmal beinahe um den verdienten Lohn der in dieser Saison verrichteten Arbeit gebracht hätte.

Auf einer Skala von Losreißen bis Ellenbogenschlag verorte ich die Bewegung jedoch eher bei Ersterem und so sah es wohl Rizolli auch.

Apropos Lewandowski: Was sich unser (vielleicht) zukünftiger Stürmer gegen Boateng leistete, war für mich die hässlichste Szene des Abends (dahinter folgen Ribery und Boateng mit seiner Racheaktion gegen Subotic). Rizzoli und seine Assistenten haben die Szene wohl nicht gesehen, für die Bewertung des Tritts hätte es sonst keinen Spielraum gegeben.

Beide Mannschaften taten dem Italiener den Gefallen, sich vorrangig auf ihre spielerischen Mittel zu verlassen. Die Partie war umkämpft und höchst intensiv, dabei jedoch zu keinem Zeitpunkt überhart oder gar unfair (,die bereits angesprochenen Blackouts ausgenommen). Wann hat man das zum letzten Mal beispielweise in einem Clasico gesehen.

Dies ist sicher auch ein Verdienst der beiden Trainer und ein Ausdruck des Respekts, den beide Teams und deren Spieler voreinander haben. Jede Seite erkennt das vom Anderen Geleistete an und versucht den Vergleich sportlich zu entscheiden. Das kann man nicht hoch genug bewerten, wenn man bedenkt, was in diesem Finale alles auf dem Spiel stand.

Beste Bayern waren für mich Neuer, Martinez und Boateng. Dazu Robben in Hälfte zwei. Boateng gewann fast alle seine Zweikämpfe und war Hauptverantwortlicher auf Seiten der Bayern dafür, dass Lewandowski bis auf zwei Situationen in der ersten Halbzeit praktisch nicht stattfand. (Mir ist schleierhaft, wie man die Leistung des Nationalspielers als ernsthaftes Sportsportal mit einer 4 bewerten kann. Erklären kann ich mir das nur mit grundlegenden Ressentiments gegen die Spielweise Boatengs.) An diesem Tag war er gegenüber Dante der deutlich bessere Innenverteidiger.

Es ist schwer Enttäuschungen zu benennen an diesem Tag. Ich lehne mich jedoch, so denke ich, nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich den Herren Lahm, Schweinsteiger und Müller nicht gerade ihren besten Tag attestiere.

Auch Mario Mandzukic wirkte trotz seines Tores lange Zeit wie ein Fremdkörper im Spiel der Bayern. Lahm fiel vor allem in der dominanten Dortmunder Anfangsphase durch eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Fehlpässen auf, die in zwei Fällen jeweils Großchancen des BVB ermöglichten.

Schweinsteiger war, ebenso wie Bender auf der anderen Seite, lange Zeit praktisch unsichtbar. Da ist es von Vorteil, dass wir mittlerweile noch einen defensiven Mittelfeldspieler von absoluter Weltklasse in unseren Reihen haben. Javi Martinez war es, der nach 25 Minuten begann, das Zepter im Mittelfeld an sich zu reissen.

Wenn der Spanier weiter solche Spiele abliefert, müssen sich nicht nur die Gegner der Bayern warm anziehen. Auch Xabi Alonso und Sergio Busquets dürften am Samstag eine unruhige Nacht gehabt haben, nachdem sie gesehen hatten, wie ihr Konkurrent in der Nationalmannschaft die Dortmunder Offensivspieler reihenweise abkochte.

Sicherlich ein Highlight, wie Martinez in der 36. Minute zuerst Marco Reus am eigenen Strafraum den Ball abluchste und anschließend von Reus und Kuba bedrängt, mit einem Hackentrick die beiden Dortmunder ins Leere laufen ließ. Dass Martinez dann mit einem Pass auf Schweinsteiger  auch noch einen vielversprechenden Konter einleitete, war das Sahnehäubchen der in Sekunden komprimiert präsentierten Genialität des Spaniers.

Manuel Neuer natürlich nicht zu vergessen! Während seine Kollegen eine gute halbe Stunde benötigten, um sich in dieses Finale hineinzuspielen, hatte Neuer bereits mit 37 verschiedenen Körperteilen den Rückstand verhindert. Ob per Fußreflex gegen Kuba, im Eins gegen Eins mit vollem Körpereinsatz gegen Lewandowski oder klassisch per Hand gegen Bender und Reus. Bezeichnend, dass ein Elfmeter herhalten musste, um den besten Torwart an diesem Abend zu überwinden.

Und dieser Titel war nicht leicht zu erringen, da auch sein Gegenüber, Roman Weidenfeller, mehrmals seine Klasse auf der Linie demonstrieren durfte.

Letztlich endete das Spiel, wie es sich Arjen Robben wohl seit einem Jahr jeden Abend vor dem Einschlafen herbeigeredet hatte. Der Mann für die großen Spiele entschied wieder einmal ein großes Spiel, vielleicht das größte überhaupt in seiner Karriere. Wie gegen Manchester, wie gegen Neapel 2010, aber eben auch wie gegen Borussia Dortmund und den FC Chelsea 2012 war es eine Aktion Robbens, die am Ende über Sieg oder Niederlage entschied.

Das Schicksal ist eben konsequent.



Sonntag, 23. September 2012

Auf dem Teppich bleiben! Bayern besiegt Schalke

Den Angriff von Eintracht Frankfurt abgewehrt, das erste „Spitzenspiel“ der Saison gewonnen, von allen Seiten regnet es Lob für die „sehr souveräne“ Leistung des FC Bayern. Bei genauerer Betrachtung  - und das ist übertrieben, denn eigentlich musste man nicht einmal sehr genau hinsehen – war es der bisher schwächste Auftritt der Bayern in dieser Saison.

Was im Nachhinein als Souveränität verkauft wird, war in Wirklichkeit die simple Addition zweier Geniestreiche von Toni Kroos und Thomas Müller und die Tatsache, dass der FC Schalke noch unkonzentrierter zu Werke ging als die Bayern und sich nach dem 0:2 kampflos in sein Schicksal ergab.

Schalke und Bayern hinten chaotisch, vorne harmlos

Speziell in der ersten Hälfte sahen die Zuschauer ein an Höhepunkten armes Spiel und das obwohl beide Teams in der Offensive teilweise erschreckend viel Platz, sogar im gegnerischen Strafraum, hatten.

Es war ein Spiel mit offenem Visier, das jedoch paradoxerweise dank der Harmlosigkeit der Sturmreihen kaum Highlights hervorbrachte. Die Topstürmer Klaas-Jan Huntelaar und Mario Mandzukic spielten beide unglücklich und konnten dem Spiel ihrer Mannschaften keine Akzente geben.

Kroos und Müller genial, Boateng, Lahm und Badstuber haarsträubend

Nach der Pause dann der Doppelschlag durch Müller und Kroos und die Messe war gelesen.  Vor allem im zentralen Mittelfeld dominierte der FCB spätestens nach der Führung beinahe nach Belieben. Das Dreieck Bastian Schweinsteiger, Luiz Gustavo und Kroos gehörte erneut zu den Besten auf Seiten des FC Bayern.

Trotzdem leistete sich die Defensive des FC Bayern teils haarsträubende Fehler. Der schlampige Pass von Philipp Lahm zu Jerome Boateng und dessen missglückter Absatztrick im Anschluss, sowie der beinahe zum Anschluss führende Ballverlust von Holger Badstuber kurz vor dem Abpfiff seien hier nur exemplarisch genannt.

Rotator Heynckes mag keine Wechsel?
 
Es zeigte sich in diesem Spiel auch wieder, dass Jupp Heynckes kein Freund von frühen Wechseln ist. Trotz schwacher Leistungen von Müller und Mandzukic und namhaften Alternativen wie Xherdan Shaqiri oder Claudio Pizarro wechselte Heynckes erneut sehr spät. Auch einen verletzungsanfälligen Spieler wie Arjen Robben hätte man früher auswechseln und dadurch vor eventuellen Frustfouls schützen können.

Letztlich ging alles gut und die ehrlichen Aussagen von Müller nach dem Spiel sind positiv und möglicherweise ein Zeichen für die neue Demut beim FC Bayern.





Donnerstag, 16. August 2012

Bad Hair Day und ein Panzer auf dem Abstellgleis. Die Verlierer der Vorbereitung

Weil der Sport auf einem binären Kode basiert, muss es dort, wo es Gewinner gibt, auch immer Verlierer geben. Mit Dante, Emre Can und Xherdan Shaqiri sind die Gewinner der Bayern-Vorbereitung bereits gefunden (siehe hier). Für andere lief die Vorbereitung, aufgrund von Verletzungen oder anderen Umständen, nicht optimal. Sie sind die Verlierer der Vorbereitung:

Mario Gomez - Der fleischgewordene Bad Hair Day

Nehmen wir uns mal spaßeshalber die Zeit und studieren ein paar Zahlen. 26. So viele Tore erzielte Mario Gomez vergangene Saison in der Bundesliga. 12. Seine Trefferzahl in der Champions League. 3. Die Treffer, die er als zweitbester Torschütze der EM erzielte. Beeindruckende Zahlen und trotzdem taucht Gomez in dieser Liste auf. Woran liegt das? Zum einen sicher daran, dass der FC Bayern mit Mario Mandzukic in diesem Jahr eine echte Alternative zu Gomez eingekauft hat. Zum anderen daran, dass Gomez trotz seiner unbestreitbaren Torquote (127 Tore in 217 Bundesliga-Spielen) derzeit so sehr in der Kritik steht wie kaum ein anderer. Und das nicht wegen seiner Haare.

Während der EM gab es eine (gutgemeinte?) Watschen von Mehmet Scholl und während der Vorbereitung legte Präsident Uli Hoeneß (gutgemeint?) nochmals gegen Gomez nach. Es ist zu spüren, dass die Kritik an dem sensiblen Gomez nicht spurlos vorübergeht. Zu allem Überfluss verletzte er sich in der Vorbereitung und fällt die ersten Spiele der Saison aus.

Jerome Boateng – No home Jerome

Noch vor wenigen Wochen sah alles rosig aus für Jerome Boateng. Gerade eben hatte er im Eröffnungsspiel der EM Cristiano Ronaldo beinahe über die komplette Spielzeit an die Kette gelegt, ihn nicht zur Entfaltung kommen lassen. Dafür gab es viel Lob und Anerkennung.

Wenige Wochen später droht dem sanften Riesen in der FCB-Verteidigung ein Stammplatz auf der Bank. Holger Badstuber ist gesetzt und im Vergleich zu Boateng überzeugte Neuzugang Dante mit konzentrierten und fehlerfreien Vorstellungen. Damit hat er im Moment klar die Nase vor Boateng, der auch vergangenes Jahr schon zu unbeständig in seinen Leistungen war, sich zu viele unnötige Fouls leistete und oftmals phlegmatisch wirkt.

Boatengs Vorteil ist zwar, dass er notfalls auch auf der rechten Abwehrseite spielen kann, aber dort ist bis auf weiteres Kapitän Philipp Lahm gesetzt. Kein Platz also für Jerome - es könnte eine frustrierende Saison werden für Boateng.


Anatolij Tymoschtschuk – Panzer auf dem Abstellgleis

Ob Javi Martinez nun kommt oder nicht, Anatolij Tymoschtschuk ist derzeit in der Rangliste der defensiven Mittelfeldspieler höchstens die Nummer drei. Weil Jupp Heynckes Luis Gustavo nach der Verletzung David Alabas kurzzeitig auf der linken Abwehrseite spielen ließ, keimte Hoffnung auf bei Tymoschtschuk, weil dadurch der defensive Part der Doppelsechs für ihn frei war. Nun plant Heynckes aber scheinbar doch mit Emre Can als Alaba-Ersatz.

Für Tymoschtschuk bedeutet das, dass er nach den starken Leistungen Gustavos von einem Stammplatz derzeit so weit entfernt ist, wie die Ukraine vom WM-Finale. Sollte der FC Bayern Javi Martinez tatsächlich noch verpflichten, wonach es im Moment aussieht, ist sogar ein Abschied von Tymoschtschuk aus München möglich. Das liegt vor allem daran, dass er im Vergleich zu seinen Konkurrenten spielerisch zu wenig anzubieten hat.

Seine Defensivqualitäten sind unbestritten, aber im auf Dominanz ausgelegten System des FC Bayern genügt es eben nicht den Ball zu erobern. Hier haben Gustavo und Martinez die Nase eindeutig vor dem oft unbeweglich wirkenden Ukrainer.


Ausblick: Javi Martinez und der FCB 2012/2013

Das waren die Verlierer der Vorbereitung. Sobald der Transfer von Javi Martinez in den nächsten Tagen als perfekt gemeldet wird, gibts einen genauen Blick auf die Personalie und den Kader des FCB in der kommenden Saison.



Michael Stricz

Montag, 24. Oktober 2011

Bayern gegen Hannover: Eine Verkettung unglücklicher Umstände

Eins vorneweg: Ich entschuldige mich bei allen treuen Lesern („Hallo Philipp.“) für die mehrwöchige Blog-Abstinenz, hatte viel um die Ohren die letzten Wochen und in der Konsequenz wenig Zeit und noch weniger Motivation zu bloggen.
Aber über was hätte man auch groß schreiben sollen. Der Boulevard hat das Thema Arjen Robben ja bereits totgeritten, Breno geht’s inzwischen auch wieder besser und rein sportlich gesehen war beim FC Bayern ja sowieso alles in bester Ordnung. Selbst die Konkurrenz ergab sich in Demut der Überlegenheit der grossen Bayern. Eine Anerkennung der bisherigen Leistungen oder doch nur ein perfider Plan die Münchener in ihrem Gefühl der Überlegenheit einzulullen?
Was auch immer der Grund dafür war: Die Bayern haben nachgelassen.
Und sobald sich eine Krise andeutet – da kann man sich sicher sein – kommen die Ratten wieder aus ihren Löchern gekrochen, kommen längst vergessene Kritiker mit erhobenem Zeigefinger aus der Versenkung hervor, um darauf hinzuweisen, dass sie es ja schon immer gesagt haben, kommen die abgewracktesten Blogger zurück aus dem Vorruhestand und verteilen ihre Weisheiten unter dem Volk. Hier bin ich also wieder.


Aber der Reihe nach. Ich ärger mich eigentlich nicht sehr über die Niederlage. Für mich war schon vorher klar, dass es ein ganz schweres Spiel werden würde. Hannover ist eine taktisch hervorragend eingestellte Mannschaft, die praktisch keine Schwachstellen hat und sehr unangenehm zu spielen ist. Vor allem für ballbesitzorientierte Mannschaften, wie wir es sind, ist Hannover aufgrund des hervorragenden Umschaltverhaltens eine latente Gefahr. Nun kam es also wie es kommen musste. Die Bayern erwischten nicht ihren besten Tag, allen voran die Nationalspieler Lahm, Gomez, Müller, und so verlor man nicht nur Jerome Boateng, sondern auch das zweite Pflichtspiel in dieser Saison. Wie gesagt, die Niederlage an sich finde ich nicht weiter dramatisch. Vielleicht ist jedoch das gerade die Gefahr für die Münchener.


Das Spiel hatte gleich mehrere Schlüsselszenen, die leider alle nicht sonderlich gut für uns abliefen. Die erste davon war gleichzeitig die ärgerlichste. Phillip Lahm verursachte mit amateurhaftem Abwehrverhalten den Elfmeter gegen Cherundolo, nachdem er zunächst viel zu spät mit in die Mitte gerückt war. Eine Szene wie man sie vom Kapitän sehr selten sieht, nichtsdestotrotz zeigt die Formkurve von Lahm in den letzten Spielen klar nach unten. Gegen Neapel leitete er mit einem Stellungsfehler den Ausgleich ein und auch gegen Hannover war der Elfmeter mitentscheidend für die Niederlage. Umso ärgerlicher war die Szene, weil Cherundolo mit dem Rücken zum Tor zudem von Badstuber und Ribery flankiert wurde und die Szene ohne Lahms Einschreiten wahrscheinlich niemals gefährlich geworden wäre. Beim Elfmeter von Abdellaoue war Manuel Neuer dann machtlos und der Gegentorrekord war dahin. Finde ich persönlich nicht weiter tragisch, irgendwann musste es eben passieren und Manuel Neuer hat noch lange genug Zeit auf des Titans Spuren zu wandeln.


Bis zu diesem Zeitpunkt lieferten sich beide Teams einen offenen Schlagabtausch. Abdellaoue scheiterte freistehend vor Neuer am Pfosten. Mario Gomez Kopfball wurde von Zieler weltklasse pariert und Toni Kroos Schuss aus gut 20 Metern landete an der Latte des Hannover Tores.


Kurze Zeit folgte dann die Szene, die heute und nach dem Spiel die Berichterstattung beherrschen sollte. Zunächst ein neutraler Blick auf den Ablauf der Szene: Rafinha kommt gegen Pinto an der Seitenauslinie einen Schritt zu spät und trifft ihn (Ja, er trifft ihn.) leicht (Ja, leicht.) am Fuß. Pinto liegt hinter der Auslinie und die Vereinsärzte wollen ihn behandeln. Toni Kroos geht zu Pinto und sagt ihm dann noch ein paar Nettigkeiten. Ich vermute etwas in die Richtung: „Stell dich nicht so an, so schlimm war‘s nicht.“ Ein weiterer Arzt/ Sanitäter kommt hinzu und stößt Toni Kroos leicht weg, dieser revanchiert sich ebenfalls mit einem leichten Schubser. Dann kommt Christian Schulz hinzu der Toni Kroos energisch wegstößt, sodass dieser mit dem hinter ihm stehenden Jerome Boateng zusammenstößt. Jerome Boateng stößt daraufhin heftig gegen die Brust von Christian Schulz. Rudelbildung. Alle dabei.


Für mich gibt es jetzt mehrere Blickwinkel auf diese Szene. Erstens möchte ich sagen, wie sehr mich das Verhalten von Toni Kroos oder Jerome Boateng aus Gründen der Fairness auf die Palme bringt. Ja, das Verhalten von Pinto war theatralisch und diente einzig dem Zweck das Foul schlimmer aussehen zu lassen als es war, damit Rafinha eine gelbe Karte bekommt. Ja, ich bin auch Sportler und weiß wie einen sowas manchmal auf die Palme bringen kann, aber („for fucks sake!!!“) da bleib ich als souveräner Tabellenführer dann eben einfach mal weg, akzeptiere die gelbe Karte und spiele mein Spiel weiter. So wäre es nämlich zu dieser ganzen Eskalation nicht gekommen. Genauso muss man allerdings sehen, dass Toni Kroos sowohl zuerst vom Arzt der Hannoveraner gestoßen wurde, als auch danach der Körperkontakt zunächst von Schulz und dann von Boateng ausging. Ich möchte hier noch Mirko Slomka ausdrücklich lobend erwähnen, der sich allem Anschein nach darum bemühte, dass der Schiedsrichter in dieser unübersichtlichen Szene auf Sanktionen verzichtet und das Spiel einfach weiterlaufen lässt.

Es kam jedoch anders. Der vierte Offizielle machte Jerome Boateng als Hauptschuldigen aus und zeigte ihm Rot, während Christian Schulz mit Gelb davonkam. Kann man bemängeln, aber im ersten Moment war das auch für mich die richtige Entscheidung. Je öfter ich die Szene jedoch betrachte, desto mehr setzt sich der Eindruck durch, dass es mit zweimal Gelb auch getan gewesen wäre. Boateng hat Schulz nicht geschlagen – wie es in Teilen der Sportpresse dargestellt wurde – noch war Rot die „einzig richtige“ oder „absolut richtige“ Entscheidung. Es war eine unübersichtliche Szene, die vom Schiedsrichter überinterpretiert wurde, was das Spiel massiv beeinflussen musste.


Was man jedoch als klare Fehlentscheidung bezeichnen muss, ist dass Christian Schulz wenige Minuten vor der Pause nach einem Trikotvergehen gegen Thomas Müller nicht vom Platz gestellt wurde. Da waren sich dann auch nach dem Spiel alle Beteiligten einig, eine klare Fehlentscheidung. Hannover ging also vollzählig in die Pause, wo Mirko Slomka NATÜRLICH Christian Schulz auswechselte.


In der Folge entwickelte sich ein gutes Spiel beider Mannschaften. Hannover lauerte natürlich auf Konter und die Münchener zeigten jetzt deutlich mehr Einsatz als in der Anfangsphase. Mario Gomez scheiterte gleich zweimal am herausragenden Ron Robert Zieler. Auf der anderen Seite zeigte Hannover einmal mehr, wieso sie die effektivste Mannschaft der Bundesliga sind. Christina Panders Schuss aus 20 Metern hätte Manuel Neuer wohl für keine grossen Probleme gestellt, wäre da nicht der Fuß von Luis Gustavo gewesen, der den Ball unhaltbar für Manuel Neuer ins andere Toreck abfälschte. Unglücklich.


Bayern mühte sich in der Folge und kam durch den eingewechselten David Alaba noch zum Anschlusstreffer. Hochverdient, keine Frage. Aber iwie war mir klar, dass es an diesem Tag nicht mehr zu einem Punkt reichen würde. Ich sollte recht behalten. Hannover spielte zu diesem Zeitpunkt auch nur noch zu zehnt, weil Cherundolo nach einem Foul an Ribery Gelb-Rot sah.


Nach einem Zufallsprodukt stand Bastian Schweinsteiger frei vor Zieler, doch der Ball fand nicht den Weg ins Tor, sondern nur an den Pfosten. Von dort sprang er dann genau so unglücklich weg, dass Ivica Olic den Ball nicht erreichen konnte. Aus dem Hintergrund rauschte Philipp Lahm heran und wurde von Rausch zu Fall gebracht. Elfmeter? Mitnichten! Manuel Gräfe krönte seine schwache Leistung und ließ das Spiel weiterlaufen. Und apropos schwache Leistung…Welches Spiel hat eigentlich Marcel Reif gesehen?

Sonntag, 7. August 2011

Ligaauftakt gegen Gladbach: Und täglich grüßt das Murmeltier...

Die Saison ist gerade mal ein Wochenende alt und schon laufen wir den Schwarz-gelben wieder hinterher. Sowohl was die Tabelle angeht, als auch was die spielerischen Aspekte betrifft. Gegen eigentlich harmlose Gladbacher setzte es bereits einen deutlichen Schuss vor den Bug. Für alle die dachten die Saison wird ein Selbstläufer sollte nun klar sein, dass auch diese Mannschaft ihr Maximum abrufen muss, um den Dortmundern Paroli zu bieten und in der Champions League (in der wir wohlgemerkt noch nicht mal drin sind) die hochgesteckten Erwartungen zu erfüllen.

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt und gleicht in erschreckender Weise den Spielen aus der letzten Saison. Bayern ist natürlich überlegen, hat mehr vom Spiel, mehr Ballbesitz und scheint alles im Griff zu haben. Die beste Chance des ersten Durchgangs hat trotzdem Gladbach. Neuer lenkt den Schuss von Reus jedoch über den Kasten. Auf Seiten der Münchener überzeugt im ersten Abschnitt außer Müller keiner der Offensivspieler. Zu langsam und zu behäbig sind die Angriffsbemühungen meist, zu durchschaubar die Kombinationen und zu harmlos die Hereingaben von der Seite. Bezeichnend die Eckenstatistik: 11 Ecken, nur ein Ball aufs Tor (Gomez an den Pfosten). Die Spielweise, die im Pokal gegen Braunschweig noch funktionierte, weil man früh in Führung ging, stellte sich gegen konzentriert verteidigende Gladbacher als wenig wirksam heraus. Robben konnte kaum eines seiner Dribblings erfolgreich zu Ende bringen, Kroos fehlte der Mut und das Glück im Abschluss, Schweinsteiger tauchte fast über die gesamte Spielzeit unter und wenn er am Ball war dauerte es zu lange bevor er den Ball weiterleitete. Kein Vergleich zu Götze, Großkreutz und Kagawa am Freitagabend – und das zu schreiben tut mir als Bayernfan wirklich weh. Vor allem ohne Ball fehlte der Wille auch mal die Wege für Mitspieler freizureißen oder sich in der Lücke zum Doppelpass anzubieten.


Wenigstens defensiv war jedoch zunächst alles in Butter. Rafinha und Lahm kamen immer wieder mit nach vorne und standen hinten sicher. Vor allem Boateng und Gustavo präsentierten sich in der Zentrale ungemein zweikampfstark und fingen die wenigen Offensivaktionen der Gäste aufmerksam ab.

Auch in der zweiten Hälfte dasselbe Bild, Bayern spielbestimmend aber ohne Durchschlagskraft. Robben noch ein Schatten seiner selbst und damit fehlt einfach das Überraschungsmoment im Spiel der Münchener. Auch die Hereinnahme von Ribery änderte daran nichts. Nach gut einer Stunde ging Gladbach dann vermeintlich in Führung, doch Rafati entschied zu Recht auf Foul. Kurze Zeit später passierte es dann aber doch, nach einem eigentlich harmlosen langen Ball aus der Gladbacher Hälfte gab es Abstimmungsprobleme zwischen dem heraus eilenden Neuer, Boateng und Badstuber. Camargo nutze das und köpfte zur Führung für die Gäste ein.

Auch in der verbleibenden Spielzeit gelang es den Münchenern nicht das Ergebnis noch zu drehen. Ter Stegen parierte zweimal stark gegen Gomez und Schweinsteiger. Beim einzigen gefährlichen Eckball stand Gomez Kopfball nur der Pfosten im Weg. Robben versuchte es ebenfalls noch zweimal aus der Distanz, aber die nötige Präzision fehlte auch ihm. Dazu kam noch, dass Rafati und sein Gespann leider zweimal bei Abseits danebenlagen. Gomez wäre frei vor dem Tor gewesen. Das Tor von Müller war ebenfalls regulär, da nur Gomez, aber nicht Müller im Abseits stand. Passte insgesamt aber Alles zum missglückten Tag für die Münchener.