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Montag, 13. Januar 2014

Ballon d’Or – Vom Triumph zur Qual

Heute Abend wird in Zürich der „FIFA Ballon d’Or“ an den Weltfußballer des Jahres 2013 verliehen. Der Award, der von Kapitänen, Trainern und Journalisten aus aller Welt vergeben wird, zeichnet seit 2010 den besten Spieler des Jahres aus. Bisher einziger Preisträger ist Barcelonas Lionel Messi. 

Auch in diesem Jahr befindet sich der Argentinier unter den drei letzten verbliebenen Kandidaten. Doch trotzdem ist in diesem Jahr etwas anders: 

Ich habe keine Lust auf den Ballon d’Or. 

Eine Wahl als Glaubenskrieg 

In den letzten Jahren entwickelte sich in der Fußballwelt ein echter Glaubenskrieg, der besonders im Umfeld der Weltfußballerwahl jährlich seinen Höhepunkt zu finden scheint. Die Frage lautet stets gleich: Messi oder Ronaldo?

Die sportlichen Argumente für beide sind offensichtlich und sehr ähnlich: Beide sind in ihren Teams die dominante Figur und beide haben seit Jahren eine unglaubliche Torquote. Auf der einen Seite Ronaldo, der für viele arrogant wirkende Modelathlet, auf der anderen Lionel Messi, der wendige aber medienscheue Dribbler. Zugehörigkeit zu einem der beiden „Lager“ lässt sich in den meisten Fällen auf simple Sympathie reduzieren. 

Komplizierte Lage 

In diesem Jahr ist jedoch alles etwas komplizierter. 

Das nahezu perfekte Jahr des FC Bayern katapultiert mit Franck Ribery einen Spieler in den Favoritenkreis, der in den letzten Jahren bei der Vergabe keine Rolle spielte. Doch nicht nur das: Im Gegensatz zu seinen beiden Konkurrenten ist Ribery kein Stürmer, er war möglicherweise nicht einmal die dominante Figur im Spiel des FC Bayern. 

„Und der soll Weltfußballer werden?“, fragen sich viele. Wieder wird mit religiösem Eifer in sozialen Netzwerken über die Eignung der Kandidaten gesprochen. Besonders zwischen den Anhängern von Ronaldo und Ribery entbrennen hitzige Diskussionen. Die Argumente sind mal stichhaltig, mal eloquent formuliert, häufig leider keines von beidem. 

Blatter und Hoeneß demontieren den Sieger

Hinzu kommen Spekulationen über eine mögliche Manipulation der Wahl, weil die FIFA die Wahlfrist aufgrund des geringen Rücklaufs an eingegangenen Stimmen im November nochmals verlängert. Pikanterweise nur wenige Wochen, nachdem FIFA-Präsident Sepp Blatter Ronaldo auf peinliche Art und Weise nachäffte und nur wenige Tage, nachdem eben dieser Ronaldo sein Land mit vier Toren in den Playoffs quasi im Alleingang zur WM schoss. 
Spätestens mit dieser Entscheidung hat die FIFA ihre eigene Auszeichnung konterkariert, zumindest in den Augen jener Fans, deren Favorit am Ende nicht gewinnen wird. Die Aussagen von Uli Hoeneß machen deutlich, dass die stark ausgeprägte Subjektivität nicht nur Fans innewohnt. 

Ich finde das unnötig. Ich finde das unreflektiert. Vor allem aber finde ich es tragisch – und zwar für den Spieler, der die Auszeichnung am Ende in den Händen halten wird. Es wird weiter Diskussionen geben, es wird Spekulationen geben und die wenigsten werden anerkennen, dass der Sieger die Auszeichnung verdient hat – egal wer es wird. 



Ps.: Wie bestellt:

Donnerstag, 22. November 2012

Schatz, wir müssen reden...

"Das Achtelfinale erreichen - egal wie." So lautete der fromme Wunsch von Uli Hoeneß vor dem Spiel der Bayern in Valencia. Und sein Wunsch wurde erhört. Egal sollte es den Bayern aber trotzdem nicht sein, wie sie sich in Valencia gegen eine lange in Unterzahl spielende Mannschaft quälten. Es war nicht das erste Spiel in den vergangenen Wochen, in dem die Bayern nicht gut aussahen.

Alle drei deutschen Vereine stehen seit gestern im Achtelfinale der Champions League, pure Freude herrscht dabei aber nur bei Borussia Dortmund, deren Formkurve seit Wochen steil nach oben zeigt und die vorallem in der Champios League spielerisch überzeugend agierten. Gegen Amsterdam zeigte der BVB, dass er die Naivität der vergangenen beiden Saison abgelegt hat und auch clever und abgezockt siegen kann.

Tristesse trotz Achtelfinaleinzug

Bei den Bayern dagegen herrscht dagegen schon fast Tristesse. Aber warum eigentlich? Sind es die Erinnerungen an den vergangenen November, die Verantwortliche und Umfeld so nervös werden lassen? So wirklich rational erklären lässt sich die schlechte Stimmung nämlich nicht.

Ein 1:1 in Valencia ist kein Beinbruch, wie Jupp Heynckes zu Recht bemerkte. Zudem steht man wie gesagt bereits sicher im Achtelinale und kann mit einem Heimsieg am letzten Gruppenspieltag gegen BATE Borrisow aus eigener Kraft den Gruppensieg unter Dach und Fach bringen.

Ein Kantersieg war jedoch auch nicht zu erwarten. Erstens ist Valencia nicht so schlecht, wie es einen die Medien im Vorfeld gerne glauben machen möchten (siehe das Interview von Christian Ortlepp mit Uli Hoeneß am Spieltag) und zweitens hat der FC Bayern in dieser Saison lediglich zu Hause überzeugt.

Der Mainstream feiert nur Sieger

Die Reaktionen zeigen jedoch einmal mehr, dass sich Art und Ton der Situationsbetrachtung im Fußball - und insbesondere bei den Bayern - nach den Ergebnissen richten. Negative Aspekte werden, solange der Erfolg stimmt, medial ausgeblendet. Ich habe - und damit stellvertretend für viele abseits des Mainstreams - auf die wenig überzeugenden Leistungen in der Liga hingewiesen und darauf, dass oft nur Kleinigkeiten dafür verantwortlich sind, wer am Ende den Platz als Verlierer oder Gewinner verlässt.

Nach den beiden Unentschieden gegen Nürnberg und Valencia richtet sich nun auch das mediale Spotlight auf die Tatsache, dass nicht alles rund ist was rund scheint beim Rekordmeister. Über die Gründe wird sich jedoch meist ausgeschwiegen - ich hoffe intern ist das anders.

Wo liegen die Gründe für die maue Vorstellung in Valencia? Nach dem Ergebnis des Spiels zwischen BATE und Lille standen beide Teams schon vor dem Anpfiff als Achtelfinalteilnehmer fest. Gut möglich, dass den Bayern dadurch der letzte Funken Motivation gefehlt hat. Mein Einschätzung (die ich weiterhin vertrete), dass sich die Bayern am Samstag gegen Nürnberg für dieses Spiel geschont haben, wird dadurch nicht entkräftigt, weil die Ausgangslage zum Zeitpunkt des Nürnberg-Spiels eine wesentlich kritischere und der Sieg Lilles nicht absehbar war.

Bayern nutzen Überzahl erneut nicht aus

Was jedoch nicht so einfach zu erklären ist, ist wieso es den Bayern zum zweiten Mal in Folge nicht gelang eine zahlenmäßige Überlegenheit in Tore - oder zumindest nicht Gegentore - umzumünzen. Gegen Nürnberg spielte man rund 20 Minuten in Überzahl, gegen Valencia sogar über eine Stunde. Der Ertrag dabei war beide Male mager.

Gegen Nürnberg konnte man es noch dadurch erklären, dass sich die Franken nach dem Platzverweis dem Spiel verweigerten und nur noch defensiv agierten. Gegen Valencia änderte sich an der Ausrichtung des Gegners jedoch wenig, weil die Spanier von Anfang an auf ihre Konterstärke setzten.

Hirnlose Hereingaben und elende Eckbälle

Problem, die ich bereits seit Wochen im Spiel der Bayern sehe, traten auch im Spiel gegen Valencia wieder deutlich ans Licht. Die Hereingaben sind größtenteils völlig planlos. Es ist nicht zu erkennen, dass dem Ablauf dieser Situationen irgendein trainierter Ablauf innewohnt. Meine Hoffnungen liegen in dieser Sache auf der Rückkehr von Mario Gomez.

Gomez scheint im Vergleich zu Mario Mandzukic der bessere Verwerter für die flachen Hereingaben - vorallem auf den kurzen Pfosten - zu sein. Diese Saison haben wir kaum Tore nach diesem Schema erzielt. Beinahe bezeichnend, dass ausgerechnet Gomez der Vorbereiter des Ausgleich war. Nach einer halbhohen Hereingabe.

Erneut müssen hier auch die Eckbälle angesprochen werden: Jeder Ecke brachte Gefahr - nur leider nicht für das Tor der Spanier. Zwei Szenen fand ich dabei bemerkenswert: In der ersten täuscht Toni Kroos erst die Ausführung der Ecke an und verzögert dann so lange bis alle Bayernspieler in der Mitte wieder stehen. Anschließend beschwerte sich Dante lauthalts.

Die zweite Szene nach rund einer Stunde: Schweinsteiger führt die Ecke kurz aus und spielt David Alaba an, der sich an der Strafraumkante anbietet. Alle Bayernspieler sind bereits wieder aus der Bewegung. Alaba wartet gefühlte 10 Sekunden mit dem Ball am Fuß auf eine Option, bevor er den Ball dann zurück an die Mittellinie zu Philipp Lahm spielt. Es sind Szenen, die den Verdacht in mir nähren, dass der FC Bayern trotz seiner zahlreichen kopfballstarken Spieler keinerlei Konzept für die Eckbälle zu haben scheint.

Mangel an Distanzschüssen

Ebenso unverständlich ist für mich der Mangel an Abschlüssen aus der Distanz. In den ersten Spielen haben wir so zahlreiche gefährliche Situationen und Tore heraufbeschworen. Gegen Valencia kam man regelmäßig in gute Schusspositionen, aber der erste Distanzschuss war erst in der 85. Minute zu verzeichnen. Unverständlich.

Nochmal: Nicht das Ergebnis des Spiels ist dabei das Problem - den vorzeitigen Gruppensieg hat man nicht in Valencia sondern in Borissow verspielt - sondern die Tatsache, dass es durch Missstände zustande kommt, die sich bereits seit einigen Spielen ständig wiederholen.

Ich bin aber Realist und weiß, dass eine Mannschaft nicht 50 Spiele auf dem höchsten Niveau spielen kann. Nicht jedes Spiel ist ein Fest und das muss es auch nicht sein.

Ich  gehe also mit Uli Hoeneß und bin zufrieden, dass das Achtelfinale "egal wie" erreicht wurde.


Michael Stricz


Donnerstag, 16. August 2012

Bad Hair Day und ein Panzer auf dem Abstellgleis. Die Verlierer der Vorbereitung

Weil der Sport auf einem binären Kode basiert, muss es dort, wo es Gewinner gibt, auch immer Verlierer geben. Mit Dante, Emre Can und Xherdan Shaqiri sind die Gewinner der Bayern-Vorbereitung bereits gefunden (siehe hier). Für andere lief die Vorbereitung, aufgrund von Verletzungen oder anderen Umständen, nicht optimal. Sie sind die Verlierer der Vorbereitung:

Mario Gomez - Der fleischgewordene Bad Hair Day

Nehmen wir uns mal spaßeshalber die Zeit und studieren ein paar Zahlen. 26. So viele Tore erzielte Mario Gomez vergangene Saison in der Bundesliga. 12. Seine Trefferzahl in der Champions League. 3. Die Treffer, die er als zweitbester Torschütze der EM erzielte. Beeindruckende Zahlen und trotzdem taucht Gomez in dieser Liste auf. Woran liegt das? Zum einen sicher daran, dass der FC Bayern mit Mario Mandzukic in diesem Jahr eine echte Alternative zu Gomez eingekauft hat. Zum anderen daran, dass Gomez trotz seiner unbestreitbaren Torquote (127 Tore in 217 Bundesliga-Spielen) derzeit so sehr in der Kritik steht wie kaum ein anderer. Und das nicht wegen seiner Haare.

Während der EM gab es eine (gutgemeinte?) Watschen von Mehmet Scholl und während der Vorbereitung legte Präsident Uli Hoeneß (gutgemeint?) nochmals gegen Gomez nach. Es ist zu spüren, dass die Kritik an dem sensiblen Gomez nicht spurlos vorübergeht. Zu allem Überfluss verletzte er sich in der Vorbereitung und fällt die ersten Spiele der Saison aus.

Jerome Boateng – No home Jerome

Noch vor wenigen Wochen sah alles rosig aus für Jerome Boateng. Gerade eben hatte er im Eröffnungsspiel der EM Cristiano Ronaldo beinahe über die komplette Spielzeit an die Kette gelegt, ihn nicht zur Entfaltung kommen lassen. Dafür gab es viel Lob und Anerkennung.

Wenige Wochen später droht dem sanften Riesen in der FCB-Verteidigung ein Stammplatz auf der Bank. Holger Badstuber ist gesetzt und im Vergleich zu Boateng überzeugte Neuzugang Dante mit konzentrierten und fehlerfreien Vorstellungen. Damit hat er im Moment klar die Nase vor Boateng, der auch vergangenes Jahr schon zu unbeständig in seinen Leistungen war, sich zu viele unnötige Fouls leistete und oftmals phlegmatisch wirkt.

Boatengs Vorteil ist zwar, dass er notfalls auch auf der rechten Abwehrseite spielen kann, aber dort ist bis auf weiteres Kapitän Philipp Lahm gesetzt. Kein Platz also für Jerome - es könnte eine frustrierende Saison werden für Boateng.


Anatolij Tymoschtschuk – Panzer auf dem Abstellgleis

Ob Javi Martinez nun kommt oder nicht, Anatolij Tymoschtschuk ist derzeit in der Rangliste der defensiven Mittelfeldspieler höchstens die Nummer drei. Weil Jupp Heynckes Luis Gustavo nach der Verletzung David Alabas kurzzeitig auf der linken Abwehrseite spielen ließ, keimte Hoffnung auf bei Tymoschtschuk, weil dadurch der defensive Part der Doppelsechs für ihn frei war. Nun plant Heynckes aber scheinbar doch mit Emre Can als Alaba-Ersatz.

Für Tymoschtschuk bedeutet das, dass er nach den starken Leistungen Gustavos von einem Stammplatz derzeit so weit entfernt ist, wie die Ukraine vom WM-Finale. Sollte der FC Bayern Javi Martinez tatsächlich noch verpflichten, wonach es im Moment aussieht, ist sogar ein Abschied von Tymoschtschuk aus München möglich. Das liegt vor allem daran, dass er im Vergleich zu seinen Konkurrenten spielerisch zu wenig anzubieten hat.

Seine Defensivqualitäten sind unbestritten, aber im auf Dominanz ausgelegten System des FC Bayern genügt es eben nicht den Ball zu erobern. Hier haben Gustavo und Martinez die Nase eindeutig vor dem oft unbeweglich wirkenden Ukrainer.


Ausblick: Javi Martinez und der FCB 2012/2013

Das waren die Verlierer der Vorbereitung. Sobald der Transfer von Javi Martinez in den nächsten Tagen als perfekt gemeldet wird, gibts einen genauen Blick auf die Personalie und den Kader des FCB in der kommenden Saison.



Michael Stricz

Dienstag, 2. August 2011

"Danke Braunschweig!"


...,der etwas andere Blick auf den 3-0 Pokalerfolg der Bayern in Braunschweig.

Nach dem deutlichen Erfolg in der ersten Runde des DFB-Pokals klingt es von überall her: „so souverän“, „hach diese Bayern, wunderbar“, „es müllert schon wieder“, „ganz krooses Spiel der Bayern“. Kann man aber auch anders sehen…

Gegen die unterklassigen Braunschweiger hat sich der FC Bayern wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Nur dank der gütigen Mithilfe des Schiedsrichters und der Braunschweiger konnte die zweite Niederlage (nach dem vernichtenden 0-2 gegen den FC Barcelona im Hinspiel des Champions League Finals 2012) in Folge gerade noch abgewendet werden.

Schon in der Anfangsphase zeigten die Gastgeber den fußlahmen Millionären von der Isar ihre Grenzen auf. Holger Badstuber – ein Unsicherheitsfaktor über die gesamten 90 Minuten – bediente gleich zweimal mustergültig die pfeilschnellen Stürmer der Braunschweiger. Nur deren technischer Beschränktheit war es zu verdanken, dass es nicht bereits früh 0-2 aus Sicht der Münchener stand.
Auch Münchens Neuer-Schlussmann … (get it?) zeigte genau das, was ihn bei den Schalkern so berühmt machte: hanebüchene Ausflüge und präzise Flugbälle genau in des Gegners Fuß. Als die Unsicherheit in der ganzen Bayern-Mannschaft bereits mit den Händen greifbar war und Uli Hoeneß mit zittrigen Fingern auf der Tribüne die Vorwahl von Kalifornien zu wählen versuchte, nahm sich Jan Reichel schließlich ein Herz und schenkte den Bayern einen Elfmeter. Daran konnte auch Thomas Müllers dreist-plumpe Falleinlage nichts mehr ändern. Mario Gomez verwandelte zur Überraschung Aller zum 1-0 für die Bayern.
Die Braunschweiger legten nun aber nochmals eine gehörige Schippe drauf – eine gehörige Schippe Respekt. So konnten sich die Münchener den Ball trotz aller technischer Mängel unbedrängt zuspielen. Boateng und Badstuber kombinierten vor dem eigenen Sechzehner wie zu besten van Gaal Zeiten. Die 30 Bayernfans ließen begeistert eine Laola-Welle nach der anderen durch Block 17B gehen und Jupp Heynckes bekam vor lauter Freude ganz rote Ohren. Als die Braunschweiger aber erkannten, dass den Bayern auch dieses Entgegenkommen nicht reichte um das 2-0 zu erzielen, foulte Boland erneut Thomas Müller im Strafraum. Zu den leisen Happy-Birthday-Gesängen des Braunschweiger Torhüters erzielte Schweinsteiger mit dem fälligen Strafstoß das erlösende 2-0. Uli Hoeneß konnte nun sein Handy endlich wieder einstecken und in München klebte der Platzwart das Namensschild von Jupp Heynckes wieder an das Trainerbüro.
Die Bayern vertrieben sich die restliche Spielzeit damit mit Flanken auf vereinzelte Schickeria-Mitglieder im Publikum zu zielen (Müller), Heiße-Kartoffel-Spielen (Neuer) und Sich-ähnlich-Sehen (Kroos & Schweinsteiger). Eine seiner verunglückten Flanken beförderte Müller kurz vor dem Ende zum 3-0 ins Netz der Braunschweiger, auch hier unter gütiger Mithilfe des Schiedsrichters, der das hohe Bein Müllers in der Nase eines Braunschweigers ignorierte.
Auch die schamlosen Provokationen von Jupp „das heißt so viel wie Ja“ Heynckes, der kurz vor Schluss sowohl Daniel Pannen-Pranjic, als auch Anatolji Tymoschuk und Dan „the Man“ van „Bumbum“ Buyten(!!!) einwechselte, konnten den Kampfgeist der Hausherren nicht mehr wecken.

Diese Bayern wären durchaus schlagbar gewesen.

Dienstag, 12. April 2011

„Der König ist weg, es lebe der König!“

So in etwa muss sich Uli Hoeneß am Sonntag gefühlt haben, als er mit hochrotem Kopf vor die versammelte Presse trat und das Aus des Holländers verkündigte. Der endgültige K.O. des  arroganten und unkommunikativen van Gaal und das Comeback des Übervaters Hoeneß aus dem vorübergehenden Semi-Ruhestand. Und Uli tat mehr als van Gaals Abschied zu verkünden. Er rechnete ohne Gnade ab. Zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit erlebte die Öffentlichkeit einen Hoeneß in Hochform wie er genau das tat, was man im Sport gemeinhin als Nachtreten bezeichnet.


„Mit der Entscheidung Jörg Butt aus dem Tor zu nehmen ging die Scheiße los. […]Der Vorstand hat ihn auf diese Problematik hingewiesen und er hat es trotzdem gemacht. Der gestrige Tag war das Ende einer Kette, deswegen musste der Vorstand gestern reagieren.“

„Das Thema Manuel Neuer hätte sich hier nie so hochgeschaukelt. Wir hätten nie ein Problem in der Südkurve bekommen. Wir haben uns Probleme gemacht, die völlig unnötig waren. […] Und das sollte sich Louis van Gaal mal überlegen, weil ihn der Vorstand und Christian Nerlinger auf diese Problematik aufmerksam gemacht hat.“

„Er hat unseren Rat nicht angenommen und gestern war das Fass übergelaufen.“

„Der Spass hat in diesem Verein seit langer Zeit gefehlt, nicht nur bei uns sondern auch bei den Spielern. Dass die Spieler hinter ihm standen ist ein Märchen.“


Da hat er wirklich Einiges vom Stapel gelassen der gute Uli. Man muss kein großer Rhetoriker sein, um die Verbitterung zwischen diesen Zeilen zu erkennen. Die Enttäuschung und die Wut über van Gaal, der Ärger mit den eigenen Fans und die unbefriedigende Situation in der Liga fanden in dieser Rede ihr Ventil.

Wenn man jedoch auf die Kernaspekte blickt muss man sagen, dass nicht alle Aussagen so für bare Münze genommen werden können. Zunächst einmal stellt Hoeneß Thomas Kraft vor versammelter Medienlandschaft an den Pranger. Dies wird dem jungen Mann nicht gerecht und die Tatsache, dass sein Patzer vor dem 1:1 nun quasi eine Lawine ins Rollen gebracht hat, lässt mich unweigerlich an die Situation mit Michael Rensing zurückdenken. Thomas Kraft hat in den meisten Spielen gute und in einigen sogar überragende Leistungen gezeigt. Seine Reaktion auf die Aussagen von Hoeneß verwundert mich deshalb nicht. Es ist nicht fair diesen Konflikt auf dem Rücken eines jungen Torhüters auszutragen.

Was jedoch stimmt ist Hoeneß Bemerkung bezüglich der Neuer-Problematik. Die Schickeria – Initiator der „Koan Neuer“ - Proteste hätte wohl nie so viele Befürworter gefunden, wenn Jörg Butt auch in der Rückrunde im Tor gestanden hätte. Was Hoeneß jedoch verschweigt ist, dass ebenso die Situation mit den Stehplatzkarten und die Investitionen bei 1860 München Stein des Anstoßes für viele Proteste waren. Diese Probleme sind durch Hoeneß` Aussagen mal eben ganz souverän unter den Tisch gekehrt. Kritische Nachfragen gab es seitens der Journalisten dazu scheinbar keine, aber wer will sich schon mit einem Hoeneß in dieser Stimmung anlegen.

Was mich an der ganzen Sache wirklich stört ist die Tatsache, dass die gestandenen Spieler nicht auch einen Teil des Zornes abbekommen haben. Zu eindeutig war die Tatsache, dass die Mannschaft in den vergangenen Spielen gegen den Trainer gespielt hat. Der Höhepunkt war der Platzverweis von Arjen Robben nach dem Schlusspfiff. Eine so charakterlose und disziplinlose Vorstellung darf man sich im Trikot des FC Bayern einfach nicht erlauben. Dabei spielte es keine Rolle, ob man den Trainer mag oder nicht, ob das Wetter nicht so toll ist oder ob man gerade aus der Champions League ausgeschieden ist. Wer eine solche Leistung wie im Hinspiel gegen Inter Mailand zeigen kann, der kann so schlecht nicht sein, dass er die Qualifikation für die Champions League gegen Nürnberg aus der Hand gibt. Die Rufe nach Mark van Bommel oder Lucio finde ich zunehmend lächerlich. Das einzige Problem dieser Mannschaft ist, dass keiner der gestandenen Spieler Eier in der Hose hat. Kein Lahm, kein Schweinsteiger und erst recht kein Robben. Von einer Mannschaft erwarte ich, dass sie gemeinsam Alles für den Erfolg tut, auch gegen Widerstände. Die Tatsache, dass die Spieler keinen Spass mehr am Spiel haben ist für mich keine Entschuldigung für die Leistungen der vergangenen Spiele.

Letztlich war es eine richtige und längst überfällige Entscheidung van Gaal zu entlassen, speziell wenn man hört, was da noch so vorgefallen sein soll in den vergangenen Monaten. Sollte es wirklich der Wahrheit entsprechen, dass bereits die Vertragsverlängerung im September eine Art Friedensangebot an van Gaal war, dann kann ich mir nur an den Kopf fassen. Ich hoffe, dass mit dem Abgang nun sämtliche mentale Blockaden gelöst sind und man sich endlich wieder daran erinnert, wie man erfolgreich Fußball spielt. Sag es uns Oli!


Samstag, 26. März 2011

Baustellenbesichtigung: Der Bayernkader 2011/2012

Miroslav Klose steht in Kaiserslautern zum ersten Mal seit dem 6. Spieltag wieder in der Startformation. Der geneigte Fußballfan weiß, das kann nur eins heißen: Die Bundesliga pausiert und Jogis Jungs dürfen ran. Miros darf also dieses Wochenende gegen Kasachstan Selbstvertrauen tanken für die Schlussphase des nächsten Bayernspiels und ich habe Zeit mir Gedanken zu machen, wie der Kader unter Jupp Heynckes aussehen wird.

Gesetzt den Fall der FC Bayern erreicht die CL dürfen wir uns wohl auf eine Einkaufstour gefasst machen, wie es sie zuletzt 2007/2008 gab. Damals holte man die Weltstars Ribéry, Klose und Toni und gewann souverän das nationale Double. Einen ähnlichen Saisonverlauf erwarten nicht nur Fans und Medien, sondern vor allem die Chefetage um Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge.

 
Welche Formation?
Jupp Heynckes wird vermutlich nicht von Louis van Gaals 4-2-3-1-System abrücken, auch wenn absehbar ist, dass in der neuen Saison wieder mehr Wert auf die Defensive gelegt werden wird. Ich hoffe, dass der Verein auch in Zukunft dieser Formation treu bleibt und Spieler entsprechend eingekauft werden. Die Dominanz der Flügelzange Robben und Ribéry legt das System mit einem Stürmer nah. Zudem verlangt die offensive Grundausrichtung der beiden Außen eine Doppelsechs als Absicherung. Solange Rib & Rob in München spielen – und ich hoffe das tun die beiden noch lange – führt am 4-2-3-1 kein Weg vorbei.


Wer kommt?
Tor: Ja, ich mag Thomas Kraft. Ja, ich bin mit seinen Leistungen in der Rückrunde sehr zufrieden. Ja, ich bin finde auch, dass er tolle Anlagen hat. Ja, ich bin dafür, dass der eigene Nachwuchs eine Chance bekommt. ABER. Manuel Neuer ist der derzeit mit Abstand beste deutsche Torwart und eine Investition, die sich mit Sicherheit lohnen wird. Ich hoffe wirklich, dass er nächstes Jahr nach München kommt. Sollte Thomas Kraft zwischen den Pfosten stehen ist mir trotzdem nicht bange.

Die Abwehr ist ohne Zweifel die größte Baustelle des Rekordmeisters. Mindestens einen Innenverteidiger und einen rechten Verteidiger muss man verpflichten, um die Versäumnisse der Vergangenheit zu beheben. Mein persönlicher Favorit für die Innenverteidigung ist, neben Mats Hummels (den wir leider Gottes nicht bekommen werden), Giorgio Chiellini von Juventus Turin. Sollte Philipp Lahm wieder auf die linke Seite wechseln, was ich sehr begrüßen würde, sehe ich vor allem Gregory van der Wiel und Fabio Coentrao als A-Lösungen für die rechte Abwehrseite. Alle anderen Namen, von Pogatetz über Dante und Mertesacker bis hin zu irgendwelchen ominösen Südamerikanern (lernen wir es eigentlich nie?),  halte ich für absoluten Unsinn. Der FC Bayern hat den Anspruch die Champions League zu gewinnen, also muss auch entsprechend investiert werden.

Im Mittelfeld muss ein neuer Backup für Robben oder Ribéry gefunden werden. Zudem hoffe ich, dass Heynckes Arturo Vidal aus Leverkusen mitbringt. Der Chilene spielt eine überragende Saison und kann fast jede Position im Mittelfeld spielen. Ivo Ilicévic hat diese Saison ebenfalls einen guten Eindruck hinterlassen und man könnte ihn für wenig Geld bekommen. Das Wichtigste ist qualitativ ordentliche Spieler zu finden, die aber nicht murren, wenn sie den Großteil der Saison auf der Bank sitzen. Thomas Müller und Arturo Vidal können die Position auf den Außen ebenfalls besetzen, sodass man in diesem Fall nur noch maximal einen weiteren Backup für Robbery benötigt.

Im Sturm hat der FC Bayern derzeit am wenigsten Sorgen. Mario Goméz hat diese Saison endlich seine Form aus Stuttgarter Tagen gefunden und überzeugt seit seiner Beförderung zum Stürmer Nummer 1. Dahinter wartet mit Ivica Olic ein weiterer Angreifer mit europäischem Niveau. Auch Thomas Müller kann die Position in der Spitze besetzen. Sollte man hier von Verletzungen verschont bleiben, wäre jeder investierte Euro verschwendetes Geld.


Wer geht?
Breno hat bereits nach dem Ausscheiden in der Champions League via Twitter verkündet, dass er gerne wieder in seine Heimat wechseln möchte. Nach den Böcken der letzten Spiele kann ich mir nicht vorstellen, dass ihm der Verein Steine in den Weg legen wird. Daniel van Buyten wird seinen Vertrag bis 2012 vermutlich erfüllen und anschließend ebenfalls den Verein verlassen. Nächste Saison sehe ich ihn aber vor allem als Backup in der Innenverteidigung.

Im Mittelfeld wird es aller Voraussicht nach eine Reihe von Abgängen geben. Hamit Altintop wird seine Zelte in München vermutlich abbrechen und zurück in seine Heimat oder zu einem anderen Bundesligisten wechseln. Zu unbeständig und zu lethargisch waren seine Einsätze, sodass ich ihm keine Träne nachweine. Andreas Ottl sollte auch endlich einsehen, dass er bei einer anderen Mannschaft vielleicht besser aufgehoben wäre. Die Konkurrenz im defensiven Mittelfeld ist riesig und selbst als Ergänzungsspieler wünsche ich mir einen Spieler mit mehr Qualität. Nürnberg ist ja auch nicht schlecht Andy. Bei Anatolij Tymoshchuk bin ich wirklich gespannt, gehe aber auch hier derzeit von einem Abschied im Sommer aus. 

Im Sturm dürfen wir uns wohl von Miroslav Klose verabschieden. An Mario Gomez führt auch im nächsten Jahr kein Weg vorbei. Ivica Olic ist wieder fit und auch Thomas Müller kann notfalls im Sturmzentrum spielen. Da bleibt kein Platz mehr für den alten Mann, der ja bereits angedeutet hat seine EM Teilnahme 2014 nicht gefährden zu wollen. Machs gut Miro!


Geht das gut?
Trotz der riesigen Investitionen und dem großen Ziel CL Finale in München könnte die Stimmung bei den Bayern im kommenden Jahr nicht besser sein. Don Jupp und Patron Uli sind alte Freunde. Auf medienwirksam ausgetragene Kleinkriege wird der Boulevard kommende Saison verzichten müssen, ist aber für Verein und Fans nicht weiter schlimm.
Der Großteil der Mannschaft kennt und schätzt den neuen Trainer bereits, trotzdem ist Frieden nicht garantiert. Heynckes gilt als jemand der sich nicht vor Konfrontationen mit seinen Stars scheut. Der Konflikt mit Michael Ballack in Leverkusen ist aktuell Beleg dafür.
Vor allem die beiden Artisten Ribéry und Robben werden sich sicher das eine oder andere Mal mit dem Neuen reiben, da Heynckes von ihnen mehr Defensivarbeit einfordern wird. Für die Jungen ändert sich hingegen nicht viel, war doch auch van Gaal schon ein Verfechter des Jugendstils. Vor allem von Toni Kroos erwarte ich nächstes Jahr eine deutliche Leistungssteigerung, hatte er doch unter Heynckes bei Bayer Leverkusen seine beste Zeit.

Die Vorzeichen für die neue Saison stehen gut. Bleibt zu erwarten, ob die Mannschaft die jetzt schon hohen Erwartungen erfüllen kann.