War das wieder schön, was der FC Bayern gestern gegen den VfL Wolfsburg auf das Parkett gezaubert hat.
Zugegeben, die erste Halbzeit war mitunter etwas holprig, aber darüber
sehe ich im Nachgang mit Blick auf das Ergebnis und auf die kommende
Aufgabe in der Champions League gerne hinweg.
Letztlich endete das Spiel so, wie Spiele in letzter Zeit in der Allianz Arena enden: Mit einer Machtdemonstration des FC Bayern. 6:1 hieß es am Ende. Die Bayern stehen damit zum vierten Mal in den letzten sechs Jahren im Finale des DFB-Pokals.
Aber dieses Spiel hatte mehr zu bieten, als diesen "bloßen" Kantersieg: Es zeigte, welchen Unterschied es derzeit zwischen einem Verein, wie dem VfL Wolfsburg und den Bayern 2012/13 gibt: Nicht nur spielerisch greift beim Rekordmeister ein Rädchen ins andere.
Das Mannschaftsgefüge scheint derzeit so intakt zu sein, wie ich es in meiner Zeit als Bayernfan noch nie erlebt habe. Schon bei dem Sieg gegen Hamburg war dies zu erkennen und es setzte sich gegen Wolfsburg fort.
Es reicht ein Blick in die Gesichter dieser Mannschaft bei jedem Torjubel, um zu erkennen, dass dort etwas Großes heranwächst oder sogar schon gewachsen ist.
Auch dieses Spiel schrieb wieder einige Geschichten: Für die größte sorgte der Kleinste auf dem Platz: Xherdan Shaqiri. Die Freude, die die Dynamik, die Spielfreude und der unbändige Wille von Shaqiri verbreitet, ist einfach unbeschreiblich.
Ich gestehe, ich war skeptisch, ob ihm der Sprung von der Schweiz in die Fußball-Hauptstadt Deutschlands gelingen würde. Seit gestern sind diese Zweifel aber endgültig weggewischt.
Ein Tor und zwei Vorlagen standen am Ende auf dem Konto des Schweizers und dazu die Erkennntnis, dass wir einen Spieler haben, der an guten Tagen auch einen Ausfall von Frank Ribery kompensieren kann. Ein wichtiger Baustein für die Zukunft des Vereins.
Auch ein Javi Martinez zeigte im Privatduell mit Wolfsburgs Diego, wohl auch motiviert durch seine Erfahrungen des letztjährigen Europa-League-Finals, eine tadellose Leistung. Man sieht Martinez in jeder Sekunde an, dass er sich in München pudelwohl fühlt.
Arjen Robben befindet sich derzeit ebenfalls in Topform. Und wer weiß, vielleicht erlebt der 29-Jährige ja noch eine kleine persönliche Fußballrenaissance. Tor und Vorlage gegen Wolfsburg erledigte Robben gestern jedenfalls mit seinem ungeliebten rechten Fuß.
Die verrückteste Geschichte des Abends schrieb jedoch der Mann mit der Beton-Frisur: Mario Gomez kam rein, traf drei mal in sechs Minuten und verschwand anschließend wortlos aus dem Innenbereich des Stadions.
Gomez ist soetwas wie das Sinnbild für den Geist dieser Mannschaft. Wenn er gebraucht wird, ist er da und bringt seine Leistung. Er murrt nicht öffentlich, wenn er auf der Bank sitzt. Mandzukic bringt in dieser Saison starke Leistungen und das weiß Gomez. Er ordnet sich unter.
Das kann man einem Spieler wie Gomez nicht hoch genug anrechnen und ich kann nur hoffen, dass das im Verein registriert wird und man alles daran setzt Gomez über die Saison hinaus zu behalten.
Auch in seinen wenigen Einsatzminuten hat Gomez diese Saison bereits 13 Pflichtspieltore erzielt.
Das Publikum bewieß in dieser Situation ein tolles Gespür für den Innenzustand des eigenen Teams und skandierte "Super-Gomez! Super-Gomez!". Und wer Gomez kennt, der weiß, dass er solche Dinge nicht vergisst.
Michael Stricz
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Mittwoch, 17. April 2013
Mittwoch, 14. November 2012
Ein Wechsel mit Folgen, auch für den FC Bayern
An neue Vereinsfarben muss sich Klaus Allofs nicht gewöhnen. Auch nach seinem Wechsel von Bremen nach Wolfsburg bleibt er ein Grün-Weißer. Das ist aber auch schon die einzige Konstante des Wechsels. Ansonsten wird sein neuer Arbeitsplatz so ziemlich das Gegenteil von jenem sein, den er seit 13 Jahren in Bremen innehatte. Mit Folgen für die Liga.
Gerade mal eine Woche von den ersten Gerüchten bis zum Vollzug, selten ging ein Wechsel innerhalb der Liga so schnell über die Bühne, was den Verdacht nahelegt, dass es bereits Vorarbeit gab. Unbestätigt natürlich bisher,auch die Pressekonferenz gab darüber bisher keinen Aufschluss.
Allofs Wechsel könnte die Kräfte in der Liga neu ordnen
Nicht nur der Wechsel selbst wirft Fragen auf, auch die Folgen für die beiden Vereine sind hochinteressant. Es ist ein Wechsel, der die Kräfteverhältnisse der Liga neu ordnen könnte und damit auch den FC Bayern betrifft.
Klaus Allofs ist ein sehr guter Bundesliga-Manager, der an seinem neuen Arbeitsplatz, zumindest was das Finanzielle betrifft, traumhafte Bedingungen vorfinden wird. Mit dem VW Konzern im Rücken verfügt der VfL Wolfsburg über eine finanzielle Zugkraft, die Allofs in seiner Zeit bei Werder Bremen - trotz jahrelanger Teilnahme am internationalen Geschäft und teuren Verkäufen wie Mesut Özil, Diego oder Johann Micoud - nie hatte.
Allofs findet traumhafte Strukturen vor
Den geringen finanziellen Möglichkeiten zum Trotz, leistete Allofs allgemein anerkannt sehr gute Arbeit. In den letzten Monaten gab es zwar zunehmend Kritik, aber ich bin der Ansicht, dass die Verbesserungen des Kaders (de Bruyne, Elia, Selassie, Sokratis ...), trotz des damit eingefahrenen Millionen-Minus notwendig waren.
Albern die Frage, ob Geld eine entscheidende Rolle bei dem Wechsel gespielt hat. Natürlich hat es das! Allofs winkt nicht nur die Verdopplung seines Gehalts auf angeblich 3 Millionen Euro, sondern vorallem hat er endlich die finanziellen Möglichkeiten, die er sich bei Bremen nie erträumen konnte.
Der VfL Wolfsburg verfügt bereits über ein Stadion (zugegeben kein besonders großes oder schönes), der Verein hat eine gute Infrastruktur und zudem eine Mannschaft deren Marktwert deutlich über dem der Bremer liegt (ca. 110 Millionen/ Bremen ca. 82 Millionen). Zudem kommt es zu einem Wiedersehen mit den beiden Brasilianern Diego und Naldo, die unter Allofs ihre wohl beste Zeit hatten.
Schaafs und Allofs bald wieder vereint?
Das gerade erst gesprengte Achse zwischen Allofs und Trainer Thomas Schaaf könnte zudem bereits in Kürze wieder vereint sein. Schaaf scheint zumindest eine Überlegung als neuer Trainer in Wolfsburg zu sein. Aber auch mit Lorenz Günther Köstner, dem aktuellen Interimstrainer, wird mit Wolfsburg zu rechnen sein.
Die Liga muss sich mit diesem Transfer auf neue Kräfteverhältnisse einstellen. Seit dem Meisterschaftsgewinn 2008/2009 hat der VfL Wolfsburg keine wirklichen Kracher mehr auf dem Transfermarkt landen können.
Dieter Hoeneß war bei der Verstärkung der Meistermannschaft ebenso erfolglos wie Felix Magath. Statt qualitativ hochwertig nachzukaufen, wurden Leistungsträger wie Edin Dzeko oder Grafite beinahe ersatzlos abgegeben. Der Rest der verbliebenen Meistermannschaft konnte nie an die Leistungen der Meistersaison anknüpfen. Dazu kamen teure Flops, wie der Däne Simon Kjaer oder Christian Träsch.
Mit "Ausmister" Allofs wieder als Bayernjäger etablieren
Mit Allofs könnte Wolfsburg nun wieder an erfolgreichere Zeiten anknüpfen. Er bringt die Vernetzung, das Wissen und das Gespür dafür mit, wie man eine Bundesligamannschaft sinnvoll verstärkt. Seine erste Aufgabe wird aber wohl darin bestehen den aufgeblähten Kader (35 Spieler) zu reduzieren.
Mittelfristig wird Allofs den VfL Wolfsburg aber zu einem echten Anwärter auf die Spitzenpositionen der Liga machen und ihn damit auch wieder zu einem echten Konkurrenten für den FC Bayern. Bei den finanziellen Möglichkeiten und den richtigen Menschen an den richtigen Hebeln hat Wolfsburg das Zeug dazu, den Bayern das Leben schwer zu machen.
Werder Bremen vor dem Sturz in die Bedeutungslosigkeit
Für Bremen ist dieser Wechsel jedoch fatal. Mit Allofs verliert der Verein einen seiner Eckpfeiler. Mit Schaaf könnte der nächste folgen. Sollte das internationale Geschäft diese Saison erneut verpasst werden, wird es einen Aderlass im Team geben.
Teure Stars wie Marko Arnautovic oder Elia wird man dann nicht mehr halten können. Kevin de Bruyne wird die Bremer ebenfalls wieder Richtung Chelsea verlassen. Schon vor der Saison wurden mit Claudio Pizarro, Tim Wiese und Naldo drei Säulen des Teams aus vorrangig wirtschaftlichen Gründen abgegeben. Werder könnte damit im Mittelmaß der Liga versinken - oder sogar im Abstiegssumpf. Ein Sturzflug vom Titelkandidaten zur grauen Maus.
Das einzig Positive dabei: Die Vereinsfarben müssten sie auch in Bremen trotzdem nicht ändern.
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