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Mittwoch, 14. November 2012

Ein Wechsel mit Folgen, auch für den FC Bayern

An neue Vereinsfarben muss sich Klaus Allofs nicht gewöhnen. Auch nach seinem Wechsel von Bremen nach Wolfsburg  bleibt er ein Grün-Weißer. Das ist aber auch schon die einzige Konstante des Wechsels. Ansonsten wird sein neuer Arbeitsplatz so ziemlich das Gegenteil von jenem sein, den er seit 13 Jahren in Bremen innehatte. Mit Folgen für die Liga.

Gerade mal eine Woche von den ersten Gerüchten bis zum Vollzug, selten ging ein Wechsel innerhalb der Liga so schnell über die Bühne, was den Verdacht nahelegt, dass es bereits Vorarbeit gab. Unbestätigt natürlich bisher,auch die Pressekonferenz gab darüber bisher keinen Aufschluss.

Allofs Wechsel könnte die Kräfte in der Liga  neu ordnen

Nicht nur der Wechsel selbst wirft Fragen auf, auch die Folgen für die beiden Vereine sind hochinteressant. Es ist ein Wechsel, der die Kräfteverhältnisse der Liga neu ordnen könnte und damit auch den FC Bayern betrifft.

Klaus Allofs ist ein sehr guter Bundesliga-Manager, der an seinem neuen Arbeitsplatz, zumindest was das Finanzielle betrifft, traumhafte Bedingungen vorfinden wird. Mit dem VW Konzern im Rücken verfügt der VfL Wolfsburg über eine finanzielle Zugkraft, die Allofs in seiner Zeit bei Werder Bremen - trotz jahrelanger Teilnahme am internationalen Geschäft und teuren Verkäufen wie Mesut Özil, Diego oder Johann Micoud - nie hatte.

Allofs findet traumhafte Strukturen vor

Den geringen finanziellen Möglichkeiten zum Trotz, leistete Allofs allgemein anerkannt sehr gute Arbeit. In den letzten Monaten gab es zwar zunehmend Kritik, aber ich bin der Ansicht, dass die Verbesserungen des Kaders (de Bruyne, Elia, Selassie, Sokratis ...), trotz des damit eingefahrenen Millionen-Minus notwendig waren.

Albern die Frage, ob Geld eine entscheidende Rolle bei dem Wechsel gespielt hat. Natürlich hat es das! Allofs winkt nicht nur die Verdopplung seines Gehalts auf angeblich 3 Millionen Euro, sondern vorallem hat er endlich die finanziellen Möglichkeiten, die er sich bei Bremen nie erträumen konnte.

Der VfL Wolfsburg verfügt bereits über ein Stadion  (zugegeben kein besonders großes oder schönes), der Verein hat eine gute Infrastruktur und zudem eine Mannschaft deren Marktwert deutlich über dem der Bremer liegt (ca. 110 Millionen/ Bremen ca. 82 Millionen). Zudem kommt es zu einem Wiedersehen mit den beiden Brasilianern Diego und Naldo, die unter Allofs ihre wohl beste Zeit hatten.

Schaafs und Allofs bald wieder vereint?

Das gerade erst gesprengte Achse zwischen Allofs und Trainer Thomas Schaaf könnte zudem bereits in Kürze wieder vereint sein. Schaaf scheint zumindest eine Überlegung als neuer Trainer in Wolfsburg zu sein. Aber auch mit Lorenz Günther Köstner, dem aktuellen Interimstrainer, wird mit Wolfsburg zu rechnen sein.

Die Liga muss sich mit diesem Transfer auf neue Kräfteverhältnisse einstellen. Seit dem Meisterschaftsgewinn 2008/2009 hat der VfL Wolfsburg keine wirklichen Kracher mehr auf dem Transfermarkt landen können.

Dieter Hoeneß war bei der Verstärkung der Meistermannschaft ebenso erfolglos wie Felix Magath. Statt qualitativ hochwertig nachzukaufen, wurden Leistungsträger wie Edin Dzeko oder Grafite beinahe ersatzlos abgegeben. Der Rest der verbliebenen Meistermannschaft konnte nie an die Leistungen der Meistersaison anknüpfen. Dazu kamen teure Flops, wie der Däne Simon Kjaer oder Christian Träsch.

Mit "Ausmister" Allofs wieder als Bayernjäger etablieren

Mit Allofs könnte Wolfsburg nun wieder an erfolgreichere Zeiten anknüpfen. Er bringt die Vernetzung, das Wissen und das Gespür dafür mit, wie man eine Bundesligamannschaft sinnvoll verstärkt. Seine erste Aufgabe wird aber wohl darin bestehen den aufgeblähten Kader (35 Spieler) zu reduzieren.

Mittelfristig wird Allofs den VfL Wolfsburg aber zu einem echten Anwärter auf die Spitzenpositionen der Liga machen und ihn damit auch wieder zu einem echten Konkurrenten für den FC Bayern. Bei den finanziellen Möglichkeiten und den richtigen Menschen an den richtigen Hebeln hat Wolfsburg das Zeug dazu, den Bayern das Leben schwer zu machen.

Werder Bremen vor dem Sturz in die Bedeutungslosigkeit

Für Bremen ist dieser Wechsel jedoch fatal. Mit Allofs verliert der Verein einen seiner Eckpfeiler. Mit Schaaf könnte der nächste folgen. Sollte das internationale Geschäft diese Saison erneut verpasst werden, wird es einen Aderlass im Team geben.

Teure Stars wie Marko Arnautovic oder Elia wird man dann nicht mehr halten können. Kevin de Bruyne wird die Bremer ebenfalls wieder Richtung Chelsea verlassen. Schon vor der Saison wurden mit Claudio Pizarro, Tim Wiese und Naldo drei Säulen des Teams aus vorrangig wirtschaftlichen Gründen abgegeben. Werder könnte damit im Mittelmaß der Liga versinken - oder sogar im Abstiegssumpf. Ein Sturzflug vom Titelkandidaten zur grauen Maus.

Das einzig Positive dabei: Die Vereinsfarben müssten sie auch  in Bremen trotzdem nicht ändern.


Mittwoch, 7. November 2012

"Könnte, wönnte, schönnte..."


So sieht sie aus, die Tabelle der Fußball-Bundesliga nach Ablauf der Hinrunde. Hoffe ich zumindest. Ob es so kommt, oder doch ganz anders werden wir erst Ende des Jahres sehen. Und auch ob ich ein Genie, ein Trottel oder einfach nur hoffnungsloser Optimist bin. Gefallen tut sie mir jedenfalls sehr so.

Sonntag, 4. November 2012

Der FC Bayern im Herbst 2012...

...ist nicht der FC Bayern des letzten Herbstes. Das steht nach dieser Woche zweifelsohne fest. Die Siege im Pokal und gegen den HSV am gestrigen Samstag haben eindrucksvoll gezeigt, dass die Niederlage gegen Leverkusen keine bleibenden Schäden hinterlassen hat. Sieben Punkte beträgt inzwischen der Vorsprung auf Platz zwei.

Der neuerliche Gala-Auftritt zeigt, dass der FC Bayern sich weiterentwickelt hat. Auswärtsschwäche? Vergessen! Fünf Siege und 15:0 Tore sprechen eine deutliche Sprache. Dabei waren die Gegner der Bayern alles andere als Kanonenfutter. Sieg in Bremen, Sieg auf Schalke und nun der 3:0-Sieg beim HSV.

Und war da nicht einmal diese obligatorische 15-Minuten-Schaffenspause der Bayern nach der Pause? Vergessen! Zum zweiten Mal in dieser Saison entschieden die Bayern gegen Hamburg das Spiel mit einem Doppelschlag kurz nach der Pause.

HSV hält nur 15 Minuten mit

Lediglich zu Beginn sah es gestern so aus, als könne der HSV mithalten. Nach einer Viertelstunde übernahmen die Bayern dann das Steuer und gaben es fortan nicht mehr aus der Hand. Bastian Schweinsteiger erzielte vor der Pause das 1:0 nach Vorlage von Toni Kroos, der sich zunächst von René Adler (und einem schlimmen Platzfehler(!)) abdrängen ließ, aber dann mit toller Übersicht Schweinsteiger in der Mitte bediente.

Die beiden Tore nach der Pause hatten für mich Symbolcharakter: Das 2:0 durch Müller? Ein Symbol für die wiedergekehrte Schlitzohrigkeit des Thomas Müller. So ein Tor schießen nur ganz Wenige. Das 3:0 durch Toni Kroos? Eine pure Demonstration der Entschlossenheit!  Und wunderschön anzusehen waren alle drei Tore obendrein.

Lahm schwächelt, Ribery glänzt

Da fiel es auch nicht weiter ins Gewicht, dass sich Kapitän Philipp Lahm und Vize-Kapitän Schweinsteiger  nicht gerade in brillianter Form präsentierten. Vorallem Lahm produzierte einige Ballverluste, darunter zwei haarsträubende Fehlpässe, die gegen bessere Gegner vielleicht bestraft worden wären. Auch Javi Martinez fiel lediglich durch ein (notwendiges) taktisches Foul auf.

Bester Mann auf Seiten der Bayern war erneut Franck Ribery. Der Franzose profitierte, wie erwartet, vom deutlichen offensiveren David Alaba hinter sich. Vor allem in der ersten Hälfte lief fast jeder Bayern-Angriff über die linke Seite. Dennis Diekmeier war völlig überfordert und konnte einem leid tun.

Wir sehen derzeit den besten Ribery seit seiner Debüt-Saison.

Robben 90 Minuten auf der Bank - gute Entscheidung!

Mir gefiel übrigens die Entscheidung von Jupp Heynckes Arjen Robben gestern nicht mehr zu bringen. Der HSV schien nach dem 0:3 teilweise frustriert und übermotiviert (siehe Badelj!), das ist keine Situation für einen verletzungsanfälligen Spieler wie Robben.

Albern auch, wie das Spiel im Vorfeld zu einem Duell zwischen René Adler und Manuel Neuer hochstilisiert wurde. Adler hat bisher sehr gut gehalten, keine Frage. Aber ebenso weit wie der HSV gestern von einem Heimsieg entfernt war, ist Adler derzeit davon entfernt, am Thron von Neuer als Deutschlands Nummer 1 zu rütteln.

Seis drum! Die Wahrheit liegt auf dem Platz und der ist derzeit fest in der Hand des FC Bayern.

Freitag, 2. November 2012

"Hab ich es nicht gesagt!?!" oder Zwei "Eigentore" machen keine Krise

Um mich an dieser Stelle ein wenig in meinem Ruhm und meiner Allwissenheit zu sonnen, tue ich das, was alle Menschen mit großem Ego von Zeit zu Zeit gerne tun: Ich zitiere mich selber.

"Es ist aber unwahrscheinlich, dass der FC Bayern GENAU so weitermacht. Es werden Spiele kommen, in denen nicht alles nach dem Gusto der Münchener verläuft..."

Das mag zugegeben keine bahnbrechende Erkenntnis gewesen sein, jedenfalls nicht für Menschen, die sich ernsthaft mit dem Thema Fußball beschäftigen. Schließlich verliert JEDE Mannschaft IRGENDWANN und JEDE Serie geht IRGENDWANN zu Ende. (DingDing! 6 € ins Phrasenschweine!)

Das das ganze jedoch so schnell nach meiner "Warnung" passiert - und an dieser Stelle frage ich mich selbst, WEN genau ich damit eigentlich warnen wollte - rechtfertigt meiner Meinung nach diese schamlose Selbstbeweihräucherung.

Nachdem wir nun die tägliche Dosis Narzissmus hinter uns gebracht haben - danke, dass ihr bis hierhin weitergelsen habt - kommen wir nun zu den ernsten Dingen des Lebens:

Der FC Bayern hat ein Spiel verloren! Noch schlimmer: Er hat ein Bundesligaspiel verloren!!! Damit endet die Sieges-Serie und der FC Bayern schlittert postwendend in die Krise. So schnell kann es gehen.

Kann! Denn, dass der FC Bayern von einer Krise weiterhin so weit entfernt ist, wie vom Gewinn der spanischen Meisterschaft, wird jedem klar, der sich das Spiel gegen Leverkusen genauer betrachtet.

2 "Eigentore" machen noch keine Krise

Alleine die Tatsache, dass dieses Spiel verloren wurde ist ebenso absurd wie die Art und Weise, wie die Gegentore gefallen sind. Erstes Tor: Quasi Eigentor unseres Kapitäns Phillip Lahm. Was sich der Gute bei der Aktion gedacht hat, werden wir wohl nie erfahren.

Dann das zweite Tor: Für mich ein gefühlt glasklares Eigentor von Jerome Boateng. Dass Sidney Sam dieses Tor als das seine gewertet bekommt, ist ihm wohl ebenso unerklärlich wie peinlich. Ich bin mir nichtmal sicher, ob er da überhaupt auf das Tor von Manuel Neuer köpfen wollte, schließlich ging sein Kopfball ziemlich genau Richtung Eckfahne. Seis drum!

Hungrige Bayern wollen den Sieg

Der FC Bayern war aber trotz der Niederlage die klar bessere Mannschaft. Das erste Gegentor fiel praktisch aus dem Nichts. Das Zweite in einer Phase, in der die Bayern alles nach vorne warfen. Man kann jetzt natürlich die Frage stellen - und einige haben diese Frage gestellt - ob es nicht cleverer gewesen wäre, sich am Ende mit einem Punkt zufrieden zu geben, beziehungsweise, ob vielleicht die Jagd nach einem weiteren Sieg, um die Serie auszubauen, die Bayern jede taktische Zurückhaltung aufgeben ließ.

Meiner Meinung nach wäre es anhand des Spielverlaufs albern gewesen, sich mit einem Punkt zufrieden zu geben. Ich sehe zudem lieber eine hungrige Mannschaft, die alles nach vorne wirft, die mit letztem Einsatz versucht das Maximum aus jedem Spiel herauszuholen, als ein Team, das sich nach Rückständen oder Rückschlägen in sein Schicksal fügt und auf das nächste Spiel hofft. Nur so kommen wir wieder dahin, wo wir hinwollen!

Ich liebe Manuel Neuer!

Paradebeispiel in dieser Beziehung ist Manuel Neuer. Wenn man dessen Willen und dessen Einsatz in den letzten 5 Minuten des Spiels gegen Leverkusen gesehen hat, kann man diesen Typen einfach nur lieben! Und um einen viel zu inflationär benutzten Ausdruck zu benutzen: Das war Kahnesk! Schade, dass er dafür nicht belohnt wurde.

Es gibt jedoch auch Kritikpunkte, die es aufzuarbeiten gilt: Unsere Schwäche nach Standards ist inzwischen wirklich peinlich. Vor allem die Eckbälle sind derart harmlos, dass man sich fragt, warum wir überhaupt noch zum Eckstoss antreten. Ich glaube manchmal, es wäre besser, den Ball einfach ins Toraus zu befördern, damit wir uns wenigstens keinen Konter einfangen. Wir haben soviele potentiell gute Standard-Schützen: Toni Kroos, Xherdan Shaqiri, David Alaba, Franck Ribery, Arjen Robben, etc. Also wieso kommt dabei so wenig rum?

Fehlende Effektivität und Standardschwäche als Genickbrecher

Desweiteren kamen wir gegen Leverkusen ungefähr 10 Mal mit dem Ball auf die Grundlinie, der Ertrag dabei war aber gleich Null. Stimmen die Laufwege in der Mitte nicht? Stimmt das Timing nicht? Kann außer Franck Ribery niemand präzise Flachpässe in die Mite spielen (Hallo Phillip Lahm???)? Man weiß es nicht, auf jeden Fall muss der FC Bayern daran arbeiten.

Auch personaltechnisch griff Jupp Heynckes meiner Ansicht nach daneben. Statt Alaba für Holger Badstuber zu bringen und damit die linke Seite mit Alaba und Shaqiri offensiv auszurichten, entschied sich Heynckes für die Achse Alaba-Badstuber und ließ Shaqiri zunächst draußen. Eine Fehleinschätzung, die er aufgrund Badstubers Verletzung in der Halbzeit korrigieren musste.

"B-Elf" zerlegt Lautern, Alaba und Robben überragend

Am Mittwoch folgte dann die Rehabilitation im Pokalspiel gegen den FC Kaiserslautern. Aber was heißt Rehabilitation? Es stand schließlich bis auf David Alaba und Jerome Boateng keiner der Spieler des Leverkusen-Spiels auf dem Platz. Dafür bekamen die Reservisten ihre Chancen.

Mir war klar, dass die Sache gutgehen würde, schließlich stand eine Mannschaft auf dem Platz, die in der Bundesliga wohl locker die Champions League erreichen könnte und immerhin 8 aktuelle Nationalspieler beinhaltete, darunter Javi Martinez, Xherdan Shaqiri und Arjen Robben.

Vorallem den Langzeitverletzten Alaba und Robben war die Spielfreude deutlich anzumerken. Robben zeigte sich als Kapitän wie aufgedreht, feuerte seine Mitspieler immer wieder an, spielte mannschaftsdienlich wie selten und erzielte trotzdem 2 Tore.

Alaba begeistert mich von Spiel zu Spiel mehr. Der Junge versprüht eine derartige Lust am Spiel, ist trickreich, ballsicher, kreativ und variabel wie kaum ein anderer Bayernspieler. Gegen Kaiserslautern begann er im linken Mittelfeld und spielte den Gästen teilweise Knoten in die Beine.

Durch die Verletzung von Holger Badstuber erwarte ich ihn am Samstag gegen Hamburg auf der linken Abwehrseite. Zusammen mit dem hoffentlich einsatzbereiten Ribery wird er auch die Hamburger vor große Probleme stellen, da bin ich sicher.





Sonntag, 28. Oktober 2012

Die Deutsche Meisterschaft ist (nicht) entschieden!

Plakative Überschriften sind so eine Sache im (Sport-)Journalismus. Sie dienen häufig einzig und alleine dem Zweck, auf effekthaschende Art das Interesse des Lesers zu wecken. Das erreicht man am besten mit emotionalen Zitaten, häufig aus dem Zusammenhang gerissen, oder eben mit kontroversen oder schockierenden Themen.

Da der Autor dieser Zeilen auch nur ein Mensch ist, greift auch er dieses Mal auf die "schmutzigen" Tricks des Journalismus zurück. Selbstverständlich ist die Meisterschaft aber  - unabhängig vom Ausgang des Spiels gegen Bayer Leverkusen - noch nicht entschieden.

Natürlich, sollte der FC Bayern so weitermachen - also weiterhin alle Spiele gewinnen - wird es für die Konkurrenz, namentlich den FC Schalke 04 und Borussia Dortmund, schwer werden den Münchener Express-Zug Richtung 25. Deutsche Meisterschaft aufzuhalten.

2011/2012 16 Punkte Vorsprung auf Dortmund verspielt

Es ist aber unwahrscheinlich, dass der FC Bayern GENAU so weitermacht. Es werden Spiele kommen, in denen nicht alles nach dem Gusto der Münchener verläuft und in denen man mit mittelmäßigen Auftritten, wie auf Schalke oder in Bremen, nicht am Ende als (scheinbar) souveräner Sieger hervorgeht.

Im Gegenteil: Auch letzte Saison sah es zu diesem Zeitpunkt der Saison nach einem Alleingang der Münchener aus. Zwar wurde am ersten Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach verloren, aber anschließend reihte sich ein großartiger Auftritt an den anderen. Bis, ja bis der Winter kam.

Der Winter liegt den Bayern nicht

Vom 8. bis zum 14. Spieltag büßte der FC Bayern letzte Saison, hauptsächlich in den Auswärtsspielen, einen 8 Punkte Vorsprung ein und lag sogar auf Rang drei, 2 Punkte hinter den beiden Borussias. Dank eines kleinen Zwischenspurts konnte die Herbstmeisterschaft gerettet werden, aber der Ausgang der Saison ist bekannt.

Am Ende wurde Borussia Dortmund, das auch letzte Saison relativ schwach gestartet war, mit 8(!) Punkten Vorsprung Deutscher Meister. Das macht nach Adam Riese sogar 16(!!!) Punkte, die der FC Bayern im Laufe der Saison noch auf den BVB eingebüßt hat.

Bayern und Dortmund wie Barcelona und Madrid

Es ist nicht anzunehmen, dass Dortmund erneut eine so herausragende Rückrunde spielt. Es zeigt aber, was auch in Spanien in den letzten Jahren zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid zu beobachten ist: Wenn es nur zwei Mannschaften gibt, die realistisch um den Titel spielen, darf sich keines der Teams große Ausrutscher erlauben.

Die schwierigsten Phasen der Saison stehen den Bayern noch bevor. Dass der Wintereinbruch dieses Jahr scheinbar sehr früh kommt, spielt den Bayern nicht gerade in die Karten. Gerade spielerisch unterlegenen Teams - und das sind eigentlich alle Teams der Bundesliga - kommt ein tiefer, unebener Platz entgegen. Das werden die Bayern vor allem auswärts zu spüren bekommen.

Bayern wird den letzten Schritt machen

Wenn es im neuen Jahr zudem in der Champions League ernst wird und vielleicht der eine oder andere Verletzte zu beklagen ist, wird sich zeigen, ob es die Bayern diese Saison besser machen können.

Ich bin allerdings davon überzeugt, dass die Mannschaft aus den Fehlern der letzten Saison gelernt hat und uns der breitere und qualitativ bessere Kader den entscheidenden Vorteil verschafft, um diese Saison den letzten Schritt zu machen. 



Dienstag, 23. Oktober 2012

Liga-Langeweile dank bestechender Bayern

Es war die 75. Minute in Düsseldorf beim Spiel zwischen Fortuna und dem FC Bayern:  Manuel Neuer machte sich auf den Weg aus seinem Tor, um eine Flanke der Düsseldorfer abzuwehren. Auf halbem Weg merkte er, dass er den Ball nicht erreichen konnte und stand dann etwas verloren mitten in seinem Strafraum. Die Szene blieb folgenlos, weil Dante den Ball wegköpfte, aber es war eine Szene, die viel sagte über dieses Spiel. 

Es war nämlich der einzige Moment während der 90 Minuten, in dem man das Gefühl hatte, dass der FC Bayern die Situation auf dem Rasen nicht vollkommen im Griff hat.

Der "Patzer" von Neuer blieb folgenlos und letztlich stand am Ende ein hochverdientes 5:0 und die Erkenntnis, dass der FC Bayern die Liga derzeit ernst nimmt und sie aufgrund der individuellen Klasse fast mühelos beherrscht.

Hungrige Bayern im Herbsthoch

Wie auch letztes Jahr zur Mitte der Hinrunde ist der FCB in einer Verfassung, in der man, wenn man ernst macht, jeden Gegner in der Liga dominieren kann.

Fortuna Düsseldorf war dabei sicher nicht der stärkste Gegner, aber die Hinrunde, die die Mannschaft von Norbert Meier bisher hingelegt hat, ist aller Ehren wert. Bis zum Spiel gegen die Bayern hatte Düsseldorf immerhin nur drei Gegentore hinnehmen müssen.

Das zeigt, das vieles richtig gemacht wurde und die Fortuna nicht gerade Fallobst in dieser Liga ist, auch wenn der geneigte Fan das beim Blick auf das Ergebnis vermuten könnte.

Düsseldorf ohne Mittel gegen zielstrebige Bayern

An diesem Tag war Düsseldorf nicht gut genug, um den Bayern Paroli zu bieten. Sie ließen den Bayern zuviel Platz und kamen mit den ständigen Rochaden der Offensivkräften nie zurecht.

Dadurch ergaben sich Räume, die von den Bayern eiskalt ausgenutzt wurden. Die Münchener Tore waren allesamt wunderschön herausgespielt und Düsseldorf war mit dem 0:5 noch gut bedient.

Was mich sehr gefreut hat, war das Comeback von David Alaba, der zuvor zwei Monate verletzt war. In der 70. Minute wurde er gegen Düsseldorf eingewechselt, nachdem er unter der Woche bei seinem Comeback die österreichische Nationalmannschaft fast alleine zum Sieg schoss.

Nach seiner Einwechslung zeigte er, dass er (fit) auf der linken Abwehrseite absolut alternativlos ist.

Alaba mit dritter Torvorlage in 110 Minuten

Holger Badstuber machte gegen Düsseldorf kein schlechtes Spiel, das beileibe nicht. Aber es war eindrucksvoll zu  sehen, wie sehr die linke Seite mit Alaba belebt wurde. Eine Achse mit Ribery und Alaba ist offensiv deutlich gefährlicher als mit Badstuber.

Alaba schlägt Flanken, kommt mit Tempo, geht in Dribblings und kann in Eins-gegen-Eins Situationen jederzeit etwas Überraschendes starten. Alles Qualiäten, die ich von Badstuber auf dieser Position nicht gesehen habe.

Die Vorarbeit zum 4:0 durch Thomas Müller untermauerte eindrucksvoll Alabas Stärken. Badstuber tendiert dagegen häufig zum Rück- oder Querpass und überlässt die Offensive Ribery. Das soll keine Herabsetzung von Badstuber sein, er hat zweifelsohne seine Fähigkeiten, aber sie liegen in der Defensive.

Zielsicherer Gustavo sticht Schweinsteiger und Martinez aus

Luiz Gustavo war für mich ebenfalls wieder einer der Stärksten auf Seiten des FC Bayern. Deutlich defensiver als Nebenmann Schweinsteiger, holte sich Gustavo zahlreiche Bälle von den Innenverteidigern und bediente sicher und zuverlässig seine Vorderleute.

Noch vor Bastian Schweinsteiger war er für mich der dominante Spieler im Zentrum und krönte seinen starken Auftritt mit seinem dritten Saisontor in der Bundesliga.

Die Bayern lieferten über 90 Minuten ein astreines und kontrolliertes Spiel ab. In der Offensive zielstrebig, viel mit vertikalen schnörkellosen Pässen agierend, in der Defensive geschlossen und zweikampfstark, es gab kaum etwas zu meckern.

Heynckes lobt "beste Saisonleistung"

Auch Jupp Heynckes sah, laut eigener Aussage, beim achten Saisonsieg die stärksten Bayern dieser Saison. Wenn man der Statistik glauben schenken darf, was man in diesem Fall als Bayern-Fan gerne tut,  ist der FC Bayern durch den neuen Startrekord schon so gut wie deutscher Meister.

Zwölf Punkte liegt Bayern vor Borussia Dortmund, fünf Punkte beträgt der Abstand auf Eintracht Frankfurt auf Platz zwei. Laut Uli Hoeneß ist ja eben dieser Abstand zwischen Platz eins und zwei der einzige, der ihn interessiert. Recht hat der Mann!

Wenn der FC Bayern so weiter macht, wird es jedenfalls eine langweilige Saison werden. Aber nach den Ereignissen der letzten Saison kann man an der Säbenerstraße mit Langeweile gut leben.

Samstag, 29. September 2012

Nicht schön, aber gut. Die 18-Punkte-Bayern.

Es waren Details, die dem FC Bayern in der vergangenen Saison gefehlt haben, um die ganz großen Ziele zu erreichen. Es waren Kleinigkeiten, die in den vergangenen Spielen gegen Borussia Dortmund den Ausschlag zu Gunsten der Dortmunder gaben.  Und es sind Details, die in diesen Tagen und Wochen für den FC Bayern laufen und dafür sorgen, dass man mit 18 Punkten verlustpunktfrei an der Spitze der Liga steht.

Details wie die neu entdeckte Torriecher von Luiz Gustavo. Details wie der clever ausgespielte Konter vor dem 2-0. So gelang gegen Werder Bremen, trotz wenig ansprechender Leistung, letztlich ein souveräner 2-0 Erfolg und der neunte Erfolg im neunten Pflichtspiel der Saison.

Shaqiri und Mandzukic bringen Schwung

Die beiden eingewechselten Neuzugänge Xherdan Shaqiri und Mario Mandzukic hatten erneut großen Anteil am Erfolg, ebenso wie Luiz Gustavo, der offenbar an seinen offensiven Schwächen gearbeitet hat. 

Mit seinem Tor zum erlösenden 1-0 zeigte Gustavo, dass er es nicht nur mit Gewalt, sondern auch mit ganz viel Gefühl kann. Die Gegenwehr der Bremer hielt sich dabei in gütigen Grenzen.

Sammer unzufrieden

Man darf sich jedoch nicht täuschen lassen. Wie ich auch schon nach dem Sieg auf Schalke war nicht alles so gut, wie es das Ergebnis vermuten lässt.

Das Spiel plätscherte vor allem in der ersten Hälfte vor sich hin. In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel zumindest ereignisreicher. Auch Matthias Sammer bemerkte im SKY-Interview nach dem Spiel zu Recht, dass es bis zum 1-0 "zu wenig" und teilweise "lätschert" war, was der FC Bayern ablieferte.

Kroos und Müller mit Durchhängern

Bremen machte es defensiv über weite Strecken sehr gut, blieb jedoch im Umkehrschluss vorne weitgehend harmlos. Bayern schaffte es aufgrund des fehlenden Tempos in den Angriffsaktionen lange Zeit nicht den Bremer Abwehrriegel zu durchbrechen. 

Vorallem Kroos und der unter der Woche erkrankte Müller schienen an diesem Tag nicht ganz auf der Höhe zu sein. Auch zwei gelbe Karten in der ersten Halbzeit - soviele wie bisher in der ganzen Saison insgesamt - sprechen dafür, dass in den Reihen der Bayern nicht alle hellwach waren.

40 Millionen für Martinez und Gustavos Zauber

Mit den Hereinnahmen von Shaqiri und Mandzukiv für Kroos und Claudio Pizarro änderte sich das jedoch. Das Spiel wurde schneller, beide Teams hatten Möglichkeiten in Führung zu gehen. Wie schon gegen Schalke waren es letztlich individuelle Geniestreiche, die den Ausschlag gaben.

Uli Hoeneß hatte ja jüngst im Interview mit 11Freunde bemerkt, dass 40 Millionen wohl etwas mehr Geld sind als Javi Martinez wert sei. Wenn man aber beobachtet, welchen Qualitätssprung Gustavo seit der Verpflichtung des Spaniers gemacht hat, dann scheint sie zumindest mir durchaus angemessen.





Montag, 3. September 2012

Die 18-Minuten-Krönung einer Sahnewoche

Das 6:1 gegen den VfB Stuttgart war die Krönung einer Woche, wie sie kaum besser hätte laufen können für den FC Bayern. Am Donnerstag die zufriedenstellend verlaufene Champions-League-Auslosung, am Freitag die Ankunft von Javier Martinez nach wochenlangem Tauziehen mit Athletic Bilbao und am Sonntag Abend die Verteidigung der Tabellenspitze in der Bundesliga. 

Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison liegt der FCB zwei Punkte vor dem BVB. Hinzu kommt das deutlich bessere Torverhältnis, sodass der Meisterbalkon praktisch gebucht werden kann.

Gnadenlos effektive Bayern

Spaß beiseite. Es wäre ein Fehler dieses Ergebnis zu hoch zu bewerten. Sechs Punkte nach zwei Spielen sind genau das, was der FC Bayern von sich selbst erwartet, ebenso ein Heimsieg gegen den VfB. Zugegeben, die Art und Weise war hocherfreulich.

Der FC Bayern war an diesem Spieltag vorallem eines: gnadenlos effektiv. Nach der Führung der Stuttgarter brauchte der FCB gerade einmal 18 Minuten, um dem VfB sechs Tore einzuschenken. 13 Mal schoss der FCB dabei nur auf das Tor der Stuttgarter.


Die beiden schönsten Tore waren dabei von einer Art, wie man sie in letzter Zeit nicht sehr häufig zu sehen bekam. Toni Kroos und Luiz Gustavo zeigten mit ihren Toren nach Distanzschüssen, was auch gegen kompakter stehende Teams in den nächsten Spielen ein Mittel sein kann. Neben Arjen Robben gibt es nämlich eine ganze Reihe von Spielern in den Reihen des FCB, die über eine hervorragende Schusstechnik verfügen.

Gustavo glänzt vor den Augen von Martinez

Luiz Gustavo zeigte vor dem Hintergrund des Martinez-Transfers überhaupt eine bärenstarke Leistung. In Abwesenheit des erkrankten Arjen Robben lieferte auch Thomas Müller mit seinen beiden Toren  Argumente für einen Platz in der Anfangsformation.

Wenn man etwas schlechtes an diesem Sieg finden will, dann die schläfrige Anfangsphase. Nur einer Weltklasse-Parade von Manuel Neuer gegen Martin Harnik war es zu verdanken, dass der VfB nicht bereits nach vier Minuten in Führung ging. Übrigens einer dieser Bälle, an die sich viele Leute nicht erinnern werden. In meinen Augen aber eine Chance, die auf der Welt nur ganz wenige Torhüter halten. Deshalb haben wir ihn.

Frustrierter Ibisevic "lellt" Boateng um

Bastian Schweinstieger und Mario Mandzukic habe ich persönlich, trotz ihrer Tore,  nicht so stark gesehen, wie es vereinzelt zu lesen war. Toni Kroos hatte dem Spiel, bis zu seinem Tor, ebenfalls kaum Impulse gegeben, auch wenn Marcel Reif bereits nach 15 Minuten erkannt haben wollte, dass sich Kroos auf der "10" "sichtbar" wohl fühle. Naja, Schwamm drüber. Jedenfalls war das, was er nach seinem Tor zeigte, überzeugend.

Als das Spiel nach der klaren Führung der Bayern vor sich hin plätscherte, schwächte sich Stuttgart dann auch noch selber. Vedad Ibisevic sah nach einer Tätlichkeit gegen Jerome Boateng zu Recht die rote Karte, auch wenn Fredi Bobic dazu eine andere Meinung hatte. Im ersten Moment war für mich nicht ersichtlich, warum Boateng Gelb bekommt. Nach mehrmaligem Betrachten finde ich es aber okay. Den Schritt auf Ibisevic zu kann man durchaus als Provokation werten, was jedoch bei weitem keine Legitimation für das ist, was dann folgte.

Das Erntedankfest ist keine Meisterfeier, oder so...

Auch Javi Martinez durfte an seinem Geburtstag noch Bundesliga-Luft schnuppern. Es macht wirklich Spass die Vorfreude im Gesicht von Martinez zu sehen und wie er sichtlich erleichtert ist, endlich beim FC Bayern zu sein. Nur zu gut nachvollziehbar nach allem was passiert ist.

Es scheint alles gut zu laufen bisher, aber trotzdem ein Wort der Warnung: Auch letzte Saison sind wir gut und Dortmund schlecht gestartet. Was am Ende dabei rauskam, wissen wir alle.