Donnerstag, 16. August 2012

Bad Hair Day und ein Panzer auf dem Abstellgleis. Die Verlierer der Vorbereitung

Weil der Sport auf einem binären Kode basiert, muss es dort, wo es Gewinner gibt, auch immer Verlierer geben. Mit Dante, Emre Can und Xherdan Shaqiri sind die Gewinner der Bayern-Vorbereitung bereits gefunden (siehe hier). Für andere lief die Vorbereitung, aufgrund von Verletzungen oder anderen Umständen, nicht optimal. Sie sind die Verlierer der Vorbereitung:

Mario Gomez - Der fleischgewordene Bad Hair Day

Nehmen wir uns mal spaßeshalber die Zeit und studieren ein paar Zahlen. 26. So viele Tore erzielte Mario Gomez vergangene Saison in der Bundesliga. 12. Seine Trefferzahl in der Champions League. 3. Die Treffer, die er als zweitbester Torschütze der EM erzielte. Beeindruckende Zahlen und trotzdem taucht Gomez in dieser Liste auf. Woran liegt das? Zum einen sicher daran, dass der FC Bayern mit Mario Mandzukic in diesem Jahr eine echte Alternative zu Gomez eingekauft hat. Zum anderen daran, dass Gomez trotz seiner unbestreitbaren Torquote (127 Tore in 217 Bundesliga-Spielen) derzeit so sehr in der Kritik steht wie kaum ein anderer. Und das nicht wegen seiner Haare.

Während der EM gab es eine (gutgemeinte?) Watschen von Mehmet Scholl und während der Vorbereitung legte Präsident Uli Hoeneß (gutgemeint?) nochmals gegen Gomez nach. Es ist zu spüren, dass die Kritik an dem sensiblen Gomez nicht spurlos vorübergeht. Zu allem Überfluss verletzte er sich in der Vorbereitung und fällt die ersten Spiele der Saison aus.

Jerome Boateng – No home Jerome

Noch vor wenigen Wochen sah alles rosig aus für Jerome Boateng. Gerade eben hatte er im Eröffnungsspiel der EM Cristiano Ronaldo beinahe über die komplette Spielzeit an die Kette gelegt, ihn nicht zur Entfaltung kommen lassen. Dafür gab es viel Lob und Anerkennung.

Wenige Wochen später droht dem sanften Riesen in der FCB-Verteidigung ein Stammplatz auf der Bank. Holger Badstuber ist gesetzt und im Vergleich zu Boateng überzeugte Neuzugang Dante mit konzentrierten und fehlerfreien Vorstellungen. Damit hat er im Moment klar die Nase vor Boateng, der auch vergangenes Jahr schon zu unbeständig in seinen Leistungen war, sich zu viele unnötige Fouls leistete und oftmals phlegmatisch wirkt.

Boatengs Vorteil ist zwar, dass er notfalls auch auf der rechten Abwehrseite spielen kann, aber dort ist bis auf weiteres Kapitän Philipp Lahm gesetzt. Kein Platz also für Jerome - es könnte eine frustrierende Saison werden für Boateng.


Anatolij Tymoschtschuk – Panzer auf dem Abstellgleis

Ob Javi Martinez nun kommt oder nicht, Anatolij Tymoschtschuk ist derzeit in der Rangliste der defensiven Mittelfeldspieler höchstens die Nummer drei. Weil Jupp Heynckes Luis Gustavo nach der Verletzung David Alabas kurzzeitig auf der linken Abwehrseite spielen ließ, keimte Hoffnung auf bei Tymoschtschuk, weil dadurch der defensive Part der Doppelsechs für ihn frei war. Nun plant Heynckes aber scheinbar doch mit Emre Can als Alaba-Ersatz.

Für Tymoschtschuk bedeutet das, dass er nach den starken Leistungen Gustavos von einem Stammplatz derzeit so weit entfernt ist, wie die Ukraine vom WM-Finale. Sollte der FC Bayern Javi Martinez tatsächlich noch verpflichten, wonach es im Moment aussieht, ist sogar ein Abschied von Tymoschtschuk aus München möglich. Das liegt vor allem daran, dass er im Vergleich zu seinen Konkurrenten spielerisch zu wenig anzubieten hat.

Seine Defensivqualitäten sind unbestritten, aber im auf Dominanz ausgelegten System des FC Bayern genügt es eben nicht den Ball zu erobern. Hier haben Gustavo und Martinez die Nase eindeutig vor dem oft unbeweglich wirkenden Ukrainer.


Ausblick: Javi Martinez und der FCB 2012/2013

Das waren die Verlierer der Vorbereitung. Sobald der Transfer von Javi Martinez in den nächsten Tagen als perfekt gemeldet wird, gibts einen genauen Blick auf die Personalie und den Kader des FCB in der kommenden Saison.



Michael Stricz

Dienstag, 14. August 2012

Joachim Löw platzt der Kragen! Oder doch nicht?

Kennen Sie die Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde? Auf der einen Seite der geniale Tüftler Dr. Jekyll, beseelt von dem Gedanken das Böse in der Welt auszumerzen. Auf der anderen Seite der angsteinflößende Mr. Hyde, sein gefährliches und blutrünstiges Alter Ego, in das er sich verwandelt und das vor Mord und Gewalt nicht zurückschreckt.

Gestern gab es für Fußballdeutschland ebenfalls eine Verwandlung zu sehen, von manchem Beobachter für ähnlich spektakulär befunden. Da verwandelte sich der liebe Bundesjogi – denn nur weil man gerne in der Nase bohrt, macht einen das noch nicht böse, zum Glück – in den gar nicht mehr so lieben Herrn Löw, der den anwesenden Journalisten mal so richtig die Meinung geigte.

Wenn der knuffige Bundesjogi zu Herrn Löw wird 

Weil das, im von Abhängigkeiten und Gefälligkeiten geprägten Sportsystem, nicht so oft vorkommt, schlägt das natürlich hohe Wellen. „Löw lässt Dampf ab“, „Jogi Löw redet Klartext!“ titelte das Boulevard aufgeregt. Bei genauerem Betrachten war es gar nicht so viel Klartext und Dampf wie angekündigt, eher verwirrend.

„Sie glauben doch nicht, dass Millionen von Leuten vor dem Fernseher sitzen und Millionen von Leuten auf den Straßen beim Public Viewing sind, wenn da keine Siegertypen auf dem Platz stehen würden“, sagte Löw etwa zur ewigen Führungsspielerdebatte.  
  
"Fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt." Äh...ja. 

Und weiter: „Wir haben mit dieser Mannschaft und diesen Führungsspielern enorme Fortschritte gemacht. Wir haben fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gab.“ Naja außer die WM, die EM, den Confed-Cup. Die unwichtigen Titel eben.

Argumentativ war Löw also etwas schwach auf der Brust, aber das war Mr. Hyde ja auch. Und schließlich sagte schon der weise Jack Donaghy: „Man kann Verrücktes nicht mit Rationalem bekämpfen.“ Wozu also argumentieren bei all dem Blödsinn, der täglich im Blätterwald, Cyberspace und weiß der Himmel wo sonst noch zu lesen, sehen oder hören ist.

Jogi war also richtig wütend? Nein. „Teile der Kritik ermüden mich“ sagte der Bundestrainer. Klingt nicht sehr wütend in meinen Ohren. Aber vielleicht war das ja nur die Ruhe vor dem Sturm. 

Singen oder nicht singen, das ist die Frage

Das zweite große Thema: Das Singen beziehungsweise Nicht-Mitsingen der Nationalhymne. Wie wenig heutzutage passieren muss, damit etwas ein „Thema“ wird, ist übrigens erstaunlich. Löw dazu: „Was ich fatal finde, ist dass man den Spielern unterschwellig den Vorwurf macht, dass sie keine guten Deutschen sind. Das finde ich schlecht.“

Klingt doch eigentlich ganz vernünftig. Und dass die Forderung nach einer Hymnenpflicht ebenso Blödsinn ist, wie  das Scheitern im Halbfinale daran festzumachen, dass die Italiener mehr gesungen haben, daran glauben nicht einmal die Politiker, die mit derlei Aussagen ihr konservatives Profil schärfen wollen, geschweige denn die anwesenden Journalisten.

Totschlagargumente des Boulevard

Vielmehr hätte Löw die Frage stellen sollen, was eigentlich in einem System schief läuft, in dem sich die Presse mit dem Gehalt solcher Aussagen beschäftigt. Als hätte die Nationalhymne etwas mit der Einstellung auf dem Spielfeld zu tun.

Aber schließlich ist der Mangel an Einstellung schon immer das Totschlagargument, wenn man das, was auf dem Rasen passiert, taktisch nicht begreifen kann und „die anderen waren besser“ als Erklärung zu plump erscheint. Zu plump für das Boulevard – das muss ich erst einmal verdauen.


Michael Stricz


Montag, 13. August 2012

Statement-Win oder Strohfeuer? Bayern gewinnt Supercup gegen den BVB


Manchmal geht es schnell im Fußball. Noch gestern las man auf zahlreichen Sportseiten wie die Euphorie beim FC Bayern nach der Verpfllichtung von Matthias Sammer inzwischen schon wieder verflogen ist. Welche Euphorie eigentlich? Ach ja, EURE Euphorie, liebe Medien. Auf einmal ist sie wieder da diese Euphorie. Diesmal zwar meine und vielleicht auch nur für eine Halbzeit, aber wenigstens war meine begründet, denn 45 Minuten lang sah es nach einem echten Statement-Win für den FCB aus. Am Ende war es ein kleines Ausrufezeichen im ersten Pflichtspiel der Saison.

Die Mechanismen, die dieses Spiel wieder in Gang setzen würde, waren bereits vor dem Spiel klar. Gewinnt der FCB, war es für die Dortmunder ja „nur“ der Supercup und man hatte ja sowieso Trainingsrückstand. Gewinnt der BVB, war es für den FCB nur die Generalprobe und der DFB-Pokal ist ja sowieso viel wichtiger nächste Woche. Jedenfalls hat der FCB das Ding nun gewonnen. (Da ist das Ding!) Das bringt weder Prestige, noch wirklich Geld ein, aber ich finde den Pokal trotzdem super! (Wahrscheinlich daher der Name...)

Ein Spiel ganz nach dem Geschmack von Matthias Sammer

Aber zurück zu meiner Euphorie: Die Anfangsphase, die der FCB da auf den Rasen gezaubert hat, war wirklich großartig. Schnelles, variables Kombinationsspiel in der Offensive, kompromisslose Zweikampfführung und gutes Umschaltverhalten in der Defensive. 

Apropos Zweikampfverhalten: Dass es beiden Teams darum ging ein Ausrufezeichen kurz vor dem Ligastart zu setzen, sah man alleine an den zahlreichen hart geführten Zweikämpfen. In der ersten Halbzeit fielen bereits Schmelzer, Gustavo und Can mit teilweise überhartem Einsteigen auf. Matthias Sammer wird es gefallen haben.

Der BVB schien jedenfalls sichtlich beeindruckt vom Auftritt der Münchener und so fielen fast konsequent die beiden frühen Tore durch Mandzukic und Müller. Die FCB-Akteure spielten, als wollten sie sich in den ersten 15 Minuten sämtlichen Frust von der Seele schießen. Den Frust über die fünf Niederlagen gegen den BVB, den Frust über das verlorenen Champions-League-Finale, das DFB-Pokal-Finale und die verkorkste EM. Aber wahrscheinlich ist das schon wieder zu viel hineininterpretiert. Vielleicht hatten die Bayern einfach Lust auf Fußball. Was dabei herauskam war jedenfalls eine erste Halbzeit, die Lust auf den Ligastart macht. 

45x2 macht 90 Minuten Powerplay

Powerplay vom Feinsten, das die Bayernfans- zumindest ein paar – dazu verleitete, den Klassiker „Und ihr wollt deutscher Meister sein?“ anzustimmen. Wollen sie nicht! Sind sie! Zweimal in Folge! Ein bisschen mehr Demut würde manch einem Fan gut tun, das zeigte auch die zweite Halbzeit.

Der BVB zeigte sich deutlich verbessert und hatte einige hochkarätige Chancen (48./52./54./65./67.), bevor Lewandowski auf 1:2 verkürzte. Auch die Münchener hatten noch die eine oder andere Chance, sodass der Sieg aufgrund der ersten Halbzeit in Ordnung geht.

Gustavo vs. Martinez: Vorteil für "überragenden" Gustavo!

Als einer der Gewinner des Spiels darf sich Luis Gustavo fühlen, der neben Toni Kroos, in Abwesenheit von Bastian Schweinsteiger, auf seiner angestammten Position im defensiven Mittelfeld spielen durfte und vor allem in der ersten Hälfte ein „überragendes Spiel“ machte, wie es Jupp Heynckes nach dem Spiel einordnete. Gute Argumente gegen einen Transfer von Javi Martinez, oder zumindest gute Argumente dagegen 40 Millionen Euro zu investieren. (Ich würde ihn trotzdem holen, dann könnte man Tymo noch abgeben.)

Auch Emre Can zeigte erneut ein gutes Spiel auf der für ihn ungewohnten Linksverteidigerposition. Es scheint als müsten wir uns trotz Alabas Verletzung derzeit keine Sorgen machen.

Ein lachendes und ein weinendes Auge

Am Ende bleibt ein lachendes und ein weinendes Fan-Auge. Ein Lachendes, weil ich irgendwie dankbar bin für die zweite Halbzeit. Der Sieg war knapp, die Euphorie schwappt deswegen nicht über. Ein Weinendes, weil ich mich nach all den Enttäuschungen der letzten Saison wirklich über einen Kantersieg gegen den BVB gefreut hätte und es nach 15 Minuten realistisch erschien. Aber den Pokal haben wir ja trotzdem. Find ich super!


Michael Stricz

Sonntag, 5. August 2012

Kraftwürfel, Afro und Jungspund: Die Bayern-Gewinner der Vorbereitung


Na, spürt ihr es auch kribbeln? Bald ist es wieder soweit! Die Vorbereitung auf die neue Saison neigt sich beim FC Bayern so langsam dem Ende zu. Bereits kommendes Wochenende wartet Borussia Dortmund im Supercup. Zeit einen Blick auf die Gewinner der Vorbereitung zu werfen.

Zugegeben, wirklich aussagekräftig waren die meisten Testspiele nicht. Die EM-Teilnehmer sind erst vor 1-2 Wochen eingestiegen und haben bisher kaum Trainingseinheiten in den Beinen, da ist es verständlich, dass die Automatismen noch nicht greifen. Die Ergebnisse jedenfalls lesen sich ganz gut:

FCB - Unterhaching 1:0  (Alaba)
FCB - FC Ismaning  4:0   (Markoutz, Friesenbichler, Shaqiri, Schmitz)
FCB - Trentino-Auswahl 11:0    (Markoutz(2), Robben (3), Mandzukic, Alaba, Friesenbichler(3), Pizarro
FCB - Neapel 2:3 (Alaba, Shaqiri)
FCB - Beijing Guoan 6:0 (Robben, Pizarro, Müller, Mandzukic, Gomez)
FCB - Wolfsburg 2:1  (Mandzukic, Robben)
FCB - Paulaner-Traumelf: 15:0 (Srsly...who cares...)
FCB - Kaiserslautern  3:2  (Müller, Can, Shaqiri)
FCB - Bremen 2:4 i.E. (2:2) (Shaqiri, Kroos)
FCB - Hamburg 1:0  (Weiser)

Die erste halbwegs ernstzunehmende Standortbestimmung, wie es gerne genannt wird, gab es dieses Wochenende beim LIGA Total Cup in Hamburg, wo man Bremen im Elfmeterschießen unterlag und den HSV mit 1:0 besiegte. Fast alle Profis bekamen in der Vorbereitung ihre Einsatzzeiten und so bietet es sich an über die Gewinner und Verlierer der Vorbereitung zu sprechen. Beginnen wir mit den guten Nachrichten*:

Emre Can. Das letzte große Talent des FC Bayern?

Der 18-jährige Can ist für mich eine der positiven Erscheinungen der Vorbereitung. Körperlich bereits erstaunlich robust für sein Alter und mit einer Ruhe und Abgezocktheit, dass man kaum glauben kann, dass er erst dieses Jahr offiziell zum Kader der Profis gehört. Ich erinnere mich da beispielweise an seinen Hackentrick beim LIGA Total Cup. Eingesetzt wurde er entweder im defensiven Mittelfeld und gegen den HSV sogar auf der ungewohnten linken Außenverteidigerposition, wo er aber trotzdem ein gutes Spiel machte und gut mit Ribéry harmonierte. 

Ob er seine Einsatzzeiten schon in dieser Saison bekommen wird, wage ich zwar zu bezweifeln, aber mit diesen Anlagen wird er auf absehbare Zeit den Sprung in den Stamm der Profis auf jeden Fall schaffen.

Xherdan Shaqiri. Der nächste Fraaanck?

Zweiter großer Gewinner der Vorbereitung ist für mich der junge Schweizer Shaqiri. Dass man sich mit dem quirligen Mann auf jeden Fall in der Breite (ha!) gut verstärkt hat, war bereits in den Champions League Spielen gegen Basel zu erahnen. In der bisherigen Vorbereitung hat sich dies nochmal eindrucksvoll bestätigt. 

Kampfstark, verspielt und sehr spritzig präsentierte sich Shaqiri in den meisten Testspielen, steuerte zudem immerhin vier Treffer bei. Mit ihm gewinnt Jupp Heynckes einen variablen Offensivmann dazu, den man – das ist bereits erkennbar – ohne großen Qualitätsverlust ins kalte Wasser werfen kann. Wie auch Emre Can bringt Shaqiri bereits alle Anlagen mit, um in der Bundesliga zu bestehen. Im Gegensatz zu Can wird Shaqiri seine Einsatzzeiten aber definitiv bekommen.

Dante. Rapante?
Kommunikativ, kopfballstark und hochkonzentriert, so präsentierte sich Dante in seinen ersten paar Wochen beim FC Bayern und lieferte damit jede Menge gute Argumente für den Platz an der Seite von Holger Badstuber. Das dürfte nicht nur Lucien Favre schlaflose Nächte bereiten, sondern auch seinen beiden Konkurrenten Daniel van Buyten und Jerome Boateng. 

Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten leistete sich Dante keine einfachen Fehler und präsentierte sich in der Spieleröffnung ähnlich sicher wie Badstuber. Wenn er so weiter macht, führt für Jupp Heynckes an dem Brasilianer zum Ligastart kein Weg vorbei.


Und im nächsten Blog...
In den nächsten Tagen gibt es dann den zweiten Teil mit den Verlierern der Vorbereitung. Mit dabei, ein Mobbing-Opfer, ein Traumatisierter und ein mögliches Sicherheitsrisiko.


Michael Stricz


*Neben den hier genannten präsentierte sich David Alaba in der Vorbereitung ebenfalls in überzeugender Form. Er muss jedoch leider aufgrund seiner schweren Verletzung aus dem Spiel gegen Neapel beim Ligastart zuschauen.

Sonntag, 1. Juli 2012

Sara Carbonero patzt und der SID macht mit

„Wer anderen eine Grube gräbt, fällt am Ende selbst hinein.“ So lautet eine Lebensweisheit, die sich dieser Tage wieder einmal als wahr erweist. Es ist Konsens, dass die öffentlich-rechtlichen Sender sich bei ihrer EM-Berichterstattung nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert haben*, aber auch die privaten Medien bewiesen diese Woche, dass sie gerne einmal kräftig daneben langen. 

  
Sara Carbonero (die Verlobte von Spaniens Nationaltorhüter Iker Casillas), die Frau mit dem leckeren Nachnamen und den vollen Lippen wurde nach dem Finaleinzug der Spanien das Ziel von Hohn und Spott, weil sie sich vor laufenden TV-Kameras einen peinlichen Ausrutscher leistete. Im Interview nach dem Spiel fragte sie Andres Iniesta, wieso er denn keinen Elfmeter geschossen habe. Der Haken: Iniesta hatte den zweiten Elfmeter für Spanien geschossen und verwandelt. 


Carbonero leistet sich Faux-Pas 


Des einen Freud ist bekanntlich des anderen Leid und so brach in der Folge ein riesiger medialer „Shitstorm“ auf Carbonero herein, weswegen sie sich genötigt sah in ihrer Kolumne absurde mittelalterliche Vergleiche zu ziehen… aber ich schweife ab. Hier ist jedenfalls der Wortlaut dieser Nachricht, wie sie der SID (SportInformationsDienst) veröffentlichte:

„Sara Carbonero hat sich nach dem EM-Halbfinale gegen Portugal kräftig blamiert. Die spanische TV-Moderatorin und Verlobte von Nationaltorhüter Iker Casillas fragte Mittelfeldspieler Andres Iniesta im Live-Interview, ob er sich während des Elfmeterschießens schon auf einen möglichen eigenen Schuss vorbereitet habe. Iniestas trockene Antwort: "Tatsache ist: Ich habe den zweiten geschossen." Carbonero wurde anschließend im Internet zur Zielscheibe für Hohn und Spott. "Ich war wahrscheinlich so nervös, dass ich an etwas anderes gedacht habe", sagte die 28-Jährige.“ (SID)


Wahrscheinlich geht es ihnen jetzt ähnlich wie mir. Lesen, Stirn runzeln, nochmal lesen, Augen angestrengt zusammenkneifen, nachdenken. Es bleibt aber dabei: DIE NACHRICHT ERGIBT IN DIESER FORM KEINEN SINN. 


Der SID patzt und (fast) alle folgen


Das Schlimme ist nicht, dass dem SID ein Fehler unterlaufen ist, beziehungsweise die Nachricht schlecht übersetzt ist und/ oder entscheidende Zusammenhänge fehlen. Das Schlimme ist, dass die Nachricht in dieser Form von einigen der größten deutschen Sport- und Nachrichtenportale übernommen wurde. ** 

Es ist beunruhigend, wenn man sich vorstellt über wie viele Stationen es dieser Text geschafft hat, ohne dass sich jemand zu Wort gemeldet hat und die Sinnlosigkeit der Nachricht - in welcher Redaktion auch immer – angesprochen hat. Da fragt man sich als Leser schon, ob es in der ganzen Verwertungskette niemanden gibt, der sich das Ganze mal durchliest und zu dem Schluss kommt, dass die Geschichte in dieser Form absolut keinen Sinn ergibt. Zumal die Meldung kaum 8 Zeilen lang ist. 


Vorbild BILD???


Das wirklich beunruhigende an der Sache kommt aber erst noch: Als eine der wenigen Newsseiten machte sich die BILD die Mühe, den Artikel umzuschreiben und schaffte damit, was den meisten anderen Seiten nicht gelang: Einen Sinn in diese absurde – und nebenbei bemerkt völlig unnötige - Meldung zu bekommen:

 „Die Freundin von Spanien-Keeper Iker Casillas (31) besticht jedoch mehr durch ihr makelloses Aussehen als durch besondere Fachkompetenz. Das bewies die rassige Brünette erneut, als sie nach dem Halbfinale am Mittwoch gegen Portugal (4:2 n.E.) Spanien-Star Iniesta fragte: „Hatten Sie keine Lust, einen Elfer zu schießen?“ Wäre keine schlechte Frage, hätte Iniesta nicht den zweiten Elfer verwandelt... Sein Konter: „Ja, ich habe den zweiten rein gemacht.“ “ (Quelle: Bild.de) 

Da kommt man schon ins Grübeln. Umso erfreulicher, dass sich manche deutsche Sportseite nicht an diesem Unsinn beteiligte und die Nachricht den Sprung auf deren Seite gar nicht erst geschafft hat.*** 
 
Es zeigt sich dabei, dass Medien und Fans mit Hähme und Spott schnell zur Stelle sind, vor allem wenn weiblichen Journalisten ein derartiger Faux-Pas unterläuft. Dabei gäbe es doch genügend Gründe und Anlässe sich stattdessen mal intensiv mit den Herren Rethy (Einmal müssen wir noch stark sein!), Beckmann oder Poschmann auseinanderzusetzen. 


Michael Stricz
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 Anmerkungen:

* Ich möchte von dieser - auf meiner ganz persönlichen Meinung beruhenden - Kritik explizit Matthias Opdenhövel, Mehmet Scholl und Oliver Schmidt ausnehmen, die für mich allesamt sehr angenehme Abwechslungen zwischen all den anderen emotionsgeladenen und kompetenzentladenen „Experten“ darstellen. 
Oliver Schmidt, weil er es nicht nötig hat, jede Szene zum Gipfel der Emotionen hochzustilisieren, nur weil ihm die Fachkompetenz fehlt, zu erkennen, was auf dem Rasen vor sich geht. (Hallo Bela!) 
Mehmet Scholl, weil alles was er über Mario Gomez gesagt hat der Wahrheit entspricht und er sich von Reinhold Beckmann nach der Niederlage der Deutschen nicht ins Bockshorn hat jagen lassen, als dieser Grundsatzdiskussionen und Stammtischgesabbel austauschen wollte. 
Und zuletzt Matthias Opdenhövel, weil er, speziell nach der deutschen Niederlage im Interview mit Joachim Löw, ein journalistisches Feingefühl bewiesen hat, das man dem ehemaligen "Schlag den Raab"-Moderator nicht zugetraut hätte. Ein guter Einkauf! 

** SPORT1.de, Fußball.de, T-Online.de, focus.de, freiepresse.de, u.a. 

*** zum Beispiel sportal.de

Sonntag, 12. Februar 2012

Warum Luis Suarez ein dummer Junge und Patrice Evra eine Petze ist.

Es wurde viel Fußball gespielt an diesem Wochenende und doch war es eine Szene, die mit Fußball an sich nichts zu tun hatte, welche die Schlagzeilen beherrschte. Es geht um den verweigerten Handschlag zwischen Patrice Evra und Luis Suarez.
Für diejenigen, die das Ganze nicht mitbekommen haben, hier die Szene des Anstoßes:


Bevor ich jetzt kurz meine Gedanken zu der ganzen Situation darlege, eine grundsätzliche Sache, die ich mich genötigt sehe, bei dieser heiklen Thematik im Vorfeld klarzustellen: Ich heiße in keinster Weise gut, was Luis Suarez an diesem Wochenende getan hat und ich sympathisiere in keinster Weise mit Spielern, die sich während oder im Vorfeld eines sportlichen Wettkampfes, seien es Profis oder Amateure, derartig unsportlich verhalten.


Aber nun der Reihe nach. Im Oktober vergangenen Jahres hatte Suarez seinen dunkelhäutigen Gegenspieler Patrice Evra auf dem Spielfeld wiederholt als „Negro“ beschimpft. Evra meldete dies dem englischen Fußballverband, welcher Suarez‘ Schuld, nach eingängiger Studie des Videomaterials, als erwiesen ansah und ihn für acht Spiele sperrte. Die Länge der Sperre ist dabei vor allem darauf zurückzuführen, dass die FA sich genötigt sah einen Präzedenzfall in Sachen Rassismus zu schaffen. Das Strafmaß ist also vor allem darauf zurückzuführen, dass ein dunkelhäutiger Spieler mit einer rassistischen Äußerung verunglimpft wurde.
Hier fängt jedoch jetzt für mich das Fundamentale Problem an. Ich halte Luis Suarez nicht für einen Rassisten, sondern für einen dummen Jungen und für einen unfairen Fußballspieler, der sich sämtlicher Tricks bedient, um sich und seiner Mannschaft einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Weniger romantisch veranlagte Menschen bezeichnen solche Spieler auch gerne als clever oder abgewichst.


Ist es also richtig einen Spieler für eine Beleidigung derart lang zu sperren? Ich meine: Nein. Sage aber nochmal: Ich verurteile derartige Aktionen und will sie auf dem Spielfeld nicht sehen. Aber Suarez Rassismus zu unterstellen finde ich fast absurd. Es ging Suarez hier darum seinen Gegenspieler zu beleidigen, ihn aus der Ruhe zu bringen, ihn zu reizen. Hätte Suarez Evra als Hurensohn oder Arschloch beschimpft, hätte es keinen derartigen Aufschrei gegeben. Hätte Evra das gemeldet? Ich denke nicht. Beschimpfungen sind auf dem Sportplatz – sehen wir den Tatsachen ins Auge – leider Teil des Spiels. Wer sich davon überzeugen möchte, der schaue bei der nächsten Übertragung des Clasicos mal etwas genauer hin und zähle wie oft er die Worte „Hijo del Puto“ von den Lippen der Akteure ablesen kann. Würde hier jemand auf die Idee kommen sich nach dem Spiel darüber zu beschweren? Ich denke nicht. Die Spieler sagen das auch nicht, weil sie wirklich glauben, dass die Mutter des Gegenspielers eine Hure ist. Man wählt eben einfach die Worte, die den Gegenspieler am meisten reizen. Das Beste was man also tun kann ist es einfach zu ignorieren.


Und damit kommen wir zum nächsten Punkt. Patrice Evra meldet diesen Vorfall nun also der FA und bringt damit die ganze Sache erst ins Rollen. Auch hier muss ich mich fragen: Muss das sein? Was wäre passiert, wenn Evra nicht „gepetzt“ hätte? Richtig. Garnichts. Fußball ist immer noch ein Männersport und es gilt als ungeschriebenes Gesetz, dass Dinge, die auf dem Platz passieren, auch auf dem Platz geregelt werden. Männer machen das so. Welcher Hautfarbe sie auch immer sein mögen. Evra hätte sich also auf dem Platz revanchieren können, hätte Suarez seinerseits beschimpfen können. Was ich genauso unsportlich finde. Er hätte Suarez bei nächster Gelegenheit fair oder unfair von den Beinen holen können. Was ich ebenso unsportlich finde, aber, falls er sich wirklich beleidigt fühlen sollte, in der Hitze des Gefechts emotional vertretbar finde. Oder – und das ist die mit Abstand beste Lösung von allen – er hätte diesen dummen kleinen Bengel einfach ignorieren können. (Wie mein Vater oft so schön sagt: Was juckt es eine deutsche Eiche, wenn sich eine Wildsau an ihr reibt.) Er hätte Suarez auch nach dem Spiel zur Rede stellen können, aber Evra entschied sich für die Möglichkeit zur FA zu rennen. Das mag vielleicht für Außenstehende wie die vernünftigste Lösung erscheinen, für mich bleibt es Petzen. Evra meldet den Vorfall nämlich nicht, weil er sich wirklich gekränkt fühlt oder weil er sich zurück in die Zeit der Versklavung seiner Vorfahren versetzt fühlt, sondern aus genau demselben Grund wie Suarez: Er will den Gegner schwächen, ihm eine Auswischen. Und dafür die Racecard zu spielen ist heutzutage einfach so wunderbar in Mode.


Soviel zum Verhalten der beiden Akteure. Was mich an der Sache ebenfalls stört ist die grenzenlose Naivität mancher, die allen Ernstes der Argumentation von Suarez folgen und ihm glauben, dass das von ihm benutzte Wort angeblich keinerlei rassistische Konnotation besitzt und er Evra damit nicht beleidigen wollte. Seriously guys? Natürlich wusste Suarez genau was er da sagt und auch was er damit erreichen wollte. Vielleicht war er sich der Tragweite seiner Aktion nicht bewusst, das gestehe ich ihm ohne weiteres zu. Aber er wusste in diesem Moment genau was er tut.


Genau dasselbe gilt auch für den verweigerten Handschlag. Die wildesten Theorien gab es zu lesen in Foren und Kommentarsektionen. „Er wurde zu Unrecht gesperrt, deswegen war er sauer.“ „Er ist ein Rassist und will einem Schwarzen nicht die Hand geben“ Das einzige was Suarez hier will ist Evra weiter zu provozieren. Das ist dumm und unsportlich, sogar in höchstem Maße, aber mehr gibt es dann eben auch nicht hinein zu interpretieren.
Den verweigerten Handschlag finde ich persönlich die wesentlich schlimmere Tat. Leider wird er dafür nicht bestraft werden, weil es genau vor den Augen des Schiedsrichters geschah und nicht geahndet wurde. Dass er unbelehrbar ist hat Suarez damit aber eindrucksvoll unter Beweis gestellt.


Warum wird das Thema also medial derart aufgebauscht? Vielleicht liegt es daran, dass es wenige Tage vor dem Fall zwischen Evra und Suarez zu einer weiteren rassistischen (aber meiner Meinung nach ebenfalls nicht rassistisch motivierten) Beleidigung kam: John Terry, seines Zeichens Kapitän der englischen Nationalmannschaft, hatte seinen farbigen Gegenspieler Anton Ferdinand ebenfalls während einem Spiel beleidigt. Ich finde es absolut richtig, dass man Terry – sollte er schuldig sein – für diese Aktion vom Amt des Kapitäns entbindet. Aber auch hier gilt: Nicht, weil ich glaube, dass er ein Rassist ist, sondern weil jemand, der sich derart unsportlich verhält meiner Meinung nach nicht als Kapitän tragbar ist. Diese Entscheidung hat jedoch der Trainer zu treffen und nicht der Verband.


Wie dem auch sei, Vorbilder ihrer Generation werden die beiden sicher nicht mehr. Aber sie sind in meinen Augen keine Rassisten, sondern einfach nur dumme Jungs, die nicht wissen was Fairplay heißt.


PS. Übrigens nicht auszumalen was passiert, wenn in Deutschland jemand seinen Gegenspieler als Judennase bezeichnet…

Dienstag, 13. Dezember 2011

Die Bayern in Stuttgart (oder: Arroganz muss man sich verdienen)

„Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt hier rauskommen soll oder ob ich überhaupt was sagen soll, aber ich bin der Meinung da sollte man schon mal Stellung zu nehmen…“

Mit diesen berühmten Worten leitete Stefan Effenberg einst in einer legendären Pressekonferenz die Abrechnung mit seinen Kritikern ein. Die Worte scheinen mir auch heute durchaus angemessen. Wieder geht es um Ungerechtigkeit, wieder geht es um verletzten Stolz und all die anderen kleinen Dinge, die einen so richtig auf die Palme bringen und dazu verleiten aus dem gefühlten Blogger-Vorruhestand zurückzukehren und wieder die Bühne des Fußballs zu betreten.

Was ist der Anlass dieser ausschweifenden Exposition? Nun ja, eigentlich nichts besonderes. Der FC Bayern hatte ein Derby – das gefühlte 15. in dieser Saison übrigens. Für unsere Gegner ist das natürlich immer das wichtigste Spiel der Saison. Denn wie die meisten anderen Mannschaften hat auch der VfB Stuttgart, in absehbarer Zeit, weder in Europa, noch auf nationaler Ebene Ambitionen, die ihm wichtigere Spiele als dieses Süd-Derby bescheren könnten.

Für die Münchener hingegen ist dies nur ein Spiel von vielen. Nur eines auf dem Weg zur Herbstmeisterschaft. So erklärt sich dann übrigens auch dieser erneut über weite Strecken erschreckend lustlose Auftritt der Münchener. Am Ende stand ein 2:1 Sieg, der wesentlich weniger souverän war, als er es hätte sein sollen. Und wesentlich weniger deutlich, als ich es mir gewünscht hätte. Nicht aus sportlichen Gründen. Nein. Rein persönlich motiviert. Denn wie der VfB sich an diesem Tag, Spieler, Trainer, Fans, Verantwortliche eingeschlossen, präsentiert hat, spottet jeder Beschreibung. Ein Verein, der sich seit jeher als mehr fühlt, als er eigentlich ist: Eine durchschnittliche und unbeständige Bundesligamannschaft mit einer guten Jugendarbeit.

Das Erschreckende ist jedoch nicht die Art und Weise, wie sich dieser Verein sieht, das Erschreckende daran ist, wie er dieses Selbstverständnis nach außen trägt. Auch an diesem Wochenende belegte der VfB wieder einmal eindrucksvoll, warum er in meiner Symphatieskala – und ich bin geborener Stuttgarter – ungefähr auf einem Niveau mit warmem Bier liegt – mit URIN!. Oder drücken wir es verständlicher aus: Bei Kaiserslautern gegen Stuttgart… (tief luftholen) bin ich ein Pfälzer (Yeah, I said that!). Woher kommt aber diese tiefe Abneigung gegen einen so unbedeutenden Verein?

Beginnen wir mit Fredi Bobic. Dieser menschgewordene Kotzreiz. Führt sich auf wie ein Wurstfabrikant und ist doch nur ein Würstchen in diesem Geschäft. Dass er sich in der Halbzeit hinstellt und sich über den Schiedsrichter echauffiert, werfe ich ihm nicht vor. Das passiert auch den Besten. Das passiert einem Uli Hoeneß, das passiert einem Alex Ferguson, einem Arsene Wenger regelmäßig, Jose Mourinho ist ein Meister darin.

Jetzt kommt aber der alles entscheidende Unterschied: Diese Menschen haben etwas erreicht, Herr Bobic. Deren fachliche Kompetenz steht völlig außer Frage. Sie sind – ich wiederhole mich da gerne – ebenso wie ihr Verein, eine unbedeutende Randnotiz in den Büchern des Fußballs. Ich heiße derlei Verhalten natürlich auch bei anderen in keiner Weise gut, aber ich vertrete die Ansicht, dass man sich Arroganz verdienen muss. Das haben sie noch lange nicht Herr Bobitch!

Auch der Sky-Reporter schien leicht verwunder ob der Aussagen Bobics in der Halbzeitpause. Er reichte ihm jedoch die Hand, er versuchte es zumindest, auch nach dem Spiel. Bobic ignorierte jedoch nicht nur die ihm gezeigten Bilder, sondern wiederholte auch nach dem Spiel beinahe exakt seine Aussagen. Wow.

Bruno Labbadia und der Rest der VfB Spieler bemühten sich nach Schlusspfiff dann auch eifrig den Eindruck zu erwecken, der Platzverweis in der 30. Minute sei der entscheidende Faktor in einem ansonsten ausgeglichenen Spiel gewesen. WAS BITTE?

Was ich gesehen habe: Gute Bayern bis zum 0-1. Sehr gute Bayern bis zum 1-1. Nach dem Platzverweis: Bis zur Pause ein defensiv disziplinierter VfB und lauffaule Bayern. Nach der Pause zunächst gute Bayern bis zum 2-1. Anschließend ein ausgeglichenes Spiel mit Chancen auf beiden Seiten und dazwischen viel Leerlauf. Aber ist ja klar. WÄRE der VfB zu elft gewesen. HOHOHOHOOOOAAAA da hätten sie uns natürlich Paroli geboten. WOW hätten die ein Spiel abgezogen.
Man könnte fast meinen hier wird versucht die Schuld für die Niederlage wieder einmal bei jemand anderem zu suchen. Aber wir sprechen ja hier vom VfB.

Aber ich will jetzt nicht länger auf dem VfB rumreiten. Aber vielleicht nur ein letzter Kommentar noch. Philipp Gebhart… ok, waaaay too easy.

Der wahre Schock kam dann allerdings erst am nächsten Tag, als mir ein Freund einen SPON-Artikel mit dem Titel „Schauspieler Robben, Meister der Schmerzen“ schickte. Unter anderem heißt es darin über das zweite Foul von Molinaro: ‎

"Wäre Robben aufgestanden, weil er allenfalls mit der Wucht eines Papierfliegers niedergestreckt worden war - Schiedsrichter Manuel Gräfe hätte ziemlich sicher weiterlaufen lassen. Kein Vorsatz, kein böses Foul. Freistoß, vielleicht nicht einmal das."

Und weiter: ‎"Doch andererseits hatte er [Molinaro] dabei erkennbar den Vorsatz, den Ball zu spielen - und dies auch getan."

Ok. Das musste ich erst einmal verdauen. So viele Dinge. Wenn ein Spieler im Eifer des Gefechts in so einer Szene reklamiert den Ball gespielt zu haben, kann ich das verstehen. Es spielt dabei keine Rolle, ob er es glaubt oder nicht. Selbstschutz – verständlich.
Wenn sich dann aber einer Sport(?)journalist einer renommierten Newsseite hinsetzt und einen solchen Artikel schreibt, SCHREIBEN DARF(!), muss ich mir um den Qualitätsjournalismus in Deutschland wohl mehr Sorgen machen als ich dachte.

Was mich allerdings so richtig wütend macht ist die Tatsache, dass versucht wird Arjen Robben hier zum Sündenbock zu machen, den Mann, der in seiner Karriere mit mehr Verletzungen zu kämpfen hatte, als die meisten anderen sich das wohl vorstellen können. Noch letzte Woche konnte man im TV eindrucksvoll beobachten, wie nahe ihm seine ständigen Verletzungen gehen, wie sehr er darunter leidet, derart anfällig zu sein. Diesen Spieler nun zu beschuldigen, als „Schauspieler“ zu titulieren, weil er zwei Mal innerhalb weniger Minuten rüde von hinten umgetreten wird, grenzt nicht nur an journalistischen Wahnsinn, sondern widert mich einfach an.


Genug gekotzt.


Danke übrigens Mario, dass wir heute nicht über deine vergebene Chance sprechen müssen. Danke, dass du uns mit zwei Toren mal wieder den Sieg beschert hast. Du hast dich entwickelt, du hast Demut gelernt. Vielleicht lernen das die anderen ja auch noch.