Montag, 6. Januar 2014

Der beste Kader aller Zeiten

Nach der vollzogenen Verpflichtung von Robert Lewandowski überschlagen sich die Sportgazetten mit Superlativen: Mit dem Polen seien die Bayern nun das "perfekte" Team und sowieso unschlagbar. Die voranschreitenden Genesungsprozesse von Arjen Robben und Bastian Schweinsteiger sind weitere gute Nachrichten für die Welt des Rekordmeisters zu Beginn des Fußballjahres 2014.

Da es sonst allerdings im Moment nicht viel zu berichten gibt, habe ich mir die Zeit für einige Spielereien mit dem aktuellen (und zukünftigen) Kader der Bayern genommen und bin selbst erstaunt, wie vielseitig und breit der Kader schon jetzt ist. Auf eine Eventualität ist jedoch selbst dieser Kader nicht vorbereitet.


Der aktuell beste Kader

Rotation hin oder her, irgendwann wird es ein Spiel geben, in dem Pep Guardiola alle Register ziehen muss. Diese Elf Spieler sind für mich momentan das Beste, was der FC Bayern auf den Platz bringen kann:

Neuer – Alaba, Dante, Boateng, Lahm – Martinez – Ribery, Kroos, Thiago, Müller - Mandzukic

Nicht berücksichtigt werden können Arjen Robben und Bastian Schweinsteiger, weil sie nach aktuellem Stand der Dinge noch nicht fit wären. Auch Mario Götze schafft es nicht in die erste Elf. Zugegeben ein Härtefall, aber auf seiner stärksten Position in der Zentralen sind ihm Thiago und Kroos einen deutlichen Schritt voraus was Ballsicherheit, Gegenpressing und Zweikampfstärke angeht.

Im Sturm oder auf der linken Außenbahn könnte der Memminger zwar ebenfalls auflaufen, jedoch hat er dort in den bisherigen Spielen nicht überzeugt und muss deswegen Müller bzw. Mandzukic den Vortritt lassen.

Anonsten gibt es eigentlich nur bei der Besetzung der "Sechs" noch (fast) gleichwertige Optionen. Ich habe mich für Martinez vor Lahm oder Thiago entschieden. Gegen Lahm spricht eigentlich nur, dass der Kapitän rechts hinten deutlich vor Rafinha liegt. "Judgement call" nennen das die Amerikaner.

Eine weitere Option wäre Thiago, der mir persönlich in der Rolle des Aufbauspieler noch zu viele Ballverluste einstreut, die gegen eine Topmannschaft tödlich wären. In Punkto Kopfballstärke und Defensivzweikampf kann sowieso kein anderer Spieler des aktuellen Kaders Martinez das Wasser reichen.


Die beste Ersatzelf der Welt

Für die Spiele gegen Barcelona oder Dortmund wäre die erste Elf also gefunden. Stellt sich die Frage, wen Guardiola im nächsten Bundesligaspiel gegen Braunschweig (entschuldigt bitte!) auflaufen lässt:

Starke – Contento, Dante, v. Buyten, Rafinha – Schweinsteiger – Shaqiri, Hojbjerg, Götze, Robben - Pizarro

Ich habe mich hier dafür entschieden, auch die derzeit verletzten bzw. angeschlagenen Spieler auflaufen zu lassen. Einzig Holger Badstuber fällt derzeit noch längerfristig aus und würde bei seiner Rückkehr auf den Rasen den Platz von Dante einnehmen. Auch diese Elf würde jedoch ohne Zweifel in der Bundesliga um die Champions-League-Plätze mitspielen.


Die Dauerläufer der Hinrunde

Diese elf Spieler sammelten in der Hinrunde die meisten Einsätze. Etwas überraschend ist hier auch Bastian Schweinsteiger dabei, der trotz Vereltzungspech auf immerhin zehn Einsätze kommt. Spitzenreiter bei den Feldspielern sind David Alaba, Toni Kroos, Dante, Thomas Müller und Philipp Lahm, die in der Bundesliga jeweils 13 mal aufliefen. Arjen Robben schaffte es mit neun Einsätzen nur knapp nicht ins Team.

Neuer – Alaba, Dante, Boateng, Rafinha – Schweinsteiger – Ribery, Kroos, Lahm, Müller - Mandzukic

Um möglichst systemtreu zu bleiben und auch tatsächlich die ersten Elf der Liste zu berücksichtigen, spielt Philipp Lahm in dieser Elf auf der offensiveren "Acht" an der Seite von Toni Kroos.


Die Bling-Bling-Elf

Testspiele aus reinen Marketing-Aspekten zu vereinbaren, gehört mittlerweile ebenso zum modernen Fußbalgeschäft wie die fernsehgerechte Aufbereitung und Verbreitung der Spiele. Auch der FC Bayern kann und will sich den lukrativen Märkten in Asien und Amerika natürlich nicht verschließen und bietet deshalb selbstverständlich all seine Kronjuwelen auf.

Diese Elf ist die wohl teuerste (danke, Transfermarkt.de), die dem Rekordmeister zur Verfügung steht:

Neuer (30 Mio.) - Alaba (32), Martinez (37), Boateng (20), Lahm (30) - Schweinsteiger (40) - Ribery (42), Kroos (32), Thiago (25), Götze (45) - Müller (45)

Wie der geneigte Leser sicher bereits erkannt hat, stellt der Wert in der Klammer den gegenwärtigen (geschätzten) Marktwert der Bayernstars dar. Ingesamt stehen in dieser Elf satte 370 Millionen Euro auf dem Rasen.

Javi Martinez rutscht auf seine Sekundärposition in der Innenverteidigung, da er die Nase marktwert-orientiert deutlich vor Dante (17) hat. Im Sturm spielt Deutschlands Strahlemann Nummer eins, Thomas Müller, der gemeinsam mit Mario Götze auch der derzeit wertvollste Spieler im Kader ist.

Erneut nicht in die Elf schafft es Arjen Robben (22), der aufgrund seiner häufigen Verletzungen nicht ganz an die Top-Marktwerte im Team heranreicht.


Bubis-United

Der FC Bayern besitzt derzeit den im Durchschnitt jüngsten Kader seiner Geschichte. 16 der 27 Spieler des Kaders sind 25 Jahre oder jünger. Grund genug für ein Spiel alt gegen jung in Reihen des FC Bayern. Fazit: Um die Zukunft muss einem absolut nicht bange sein.

Raeder (20) – Alaba (21), Badstuber (24), Boateng (25), Weiser (19) – Hojbjerg (18) - Shaqiri (22), Thiago (22), Kroos (24), Götze (21) - Müller (24)


Deutsche Elf

Joachim Löw ist derzeit nicht zu beneiden. Selten hatte ein Bundestrainer der Bundesrepublik eine derart große Auswahl an fantastischen Spielern, aus denen er eine schlagkräftige und gut funktionierende Truppe für die WM in Brasilien zusammenstellen muss, darf und soll.

Frühestens im Mai wird das Geheimnis gelüftet, welche 23 Spieler es in den WM-Kader geschafft haben. Pep Guardiolas Deutsche Nationalmannschaft steht dagegen bereits fest.

Neuer – Contento, Badstuber, Boateng, Lahm - Schweinsteiger – Green, Kroos, Götze, Weiser - Müller


Ausländer-Elf

Die Diskussion um einen möglichen Maulwurf, der die "Bild-Zeitung" mit exklusiven Informationen aus der Kabine beliefert, war einer der wenigen dunklen Schatten auf dem Bayernjahr 2013.

Doch auch die internationale Presse von "Marca" bis "Blick" muss ja irgendwie an Informationen kommen. Eine Frage bleibt: Welche Sprache spricht diese Elf auf dem Feld?

X – Alaba, Dante, van Buyten, Rafinha – Martinez – Ribery, Shaqiri, Thiago, Robben - Mandzukic


Hier stößt selbst der große Bayernkader an seine Grenzen: Sowohl im Profiteam als auch in der zweiten Mannschaft besitzen alle Torhüter die deutsche Staatsbürgerschaft. Was macht eigentlich Jean-Marie Pfaff gerade so?


Die Maurer vom Dienst

Wir alle wissen, Pep Guardiola hat nicht die Absicht eine Mauer zu errichten. Aber man wird ja noch alp(träumen) dürfen: Diese Elf ist das Maurigste (ha!), das im Kader der Bayern schlummert.

Neuer – Alaba, Boateng, Dante, Lahm – Martinez, Schweinsteiger – Ribery, Kroos, Thiago - Mandzukic

Zwei Sechser sind ebenso Standard wie die Viererabwehrkette, wo Philipp Lahm die Nase klar vor dem zweikampfschwächeren Rafinha hat. Javi Martinez und Bastian Schweinsteiger sind hier erste Wahl, wie Jupp Heynckes gerne bestätigen wird. Die offensive Dreierreihe im Mittelfeld bilden die beiden besten Gegenpresser des Kaders, Toni Kroos und Thiago gemeinsam mit Franck Ribery.

Vorne darf Mario Mandzukic seine defensiven Qualitäten, die ihn in der letzten Saison so wichtig machten, voll einbringen. Die ballsichere Dreierreihe im Mittelfeld bietet zusätzlich den Vorteil, dass der eigene Ballbesitz fernab von Manuel Neuer nicht zu kurz kommt.



Donnerstag, 12. Dezember 2013

Die Illusion deutscher Dominanz

Nachdem gestern mit Schalke 04 und Borussia Dortmund alle vier deutschen Vereine das Achtelfinale der Champions League erreicht hatten, sprach unter anderem Deutschlands Boulevard-Liebling Lothar Matthäus in der „Bild“ reflexartig von einer „dominanten Vorstellung“ der Bundesliga, die seiner Meinung nach „die beste Liga der Welt“ sei. Die mediale Begleitung des Sports (und insbesondere des Fußballs) führt damit nicht zum ersten Mal die geläufige sprachliche Bedeutung deutscher Worte ad absurdum. 

Dass Matthäus die Situation durch die rosarote deutsche Brille zu betrachten scheint, ist eigentlich nicht  verwunderlich. Dafür aber umso mehr die Tatsache, dass derartige Auswüchse in frustrierender Regelmäßigkeit unkommentiert nicht nur von Fans, sondern auch von Journalisten hingenommen und sogar übernommen werden. Jenen also, die eigentlich die Einordnung sportlicher Ereignisse als eine ihrer Kernkompetenzen erachten (sollten). Kurzzeitgedächtnis und Sprachverständnis kommen dabei aber scheinbar meistens nicht zum Einsatz.

Alles gewonnen - alles gut?

Solche journalistischen Unsauberkeiten mögen im Einzelfall zugegeben nicht tragisch sein und ich kann jeden verstehen, der mich einen Pedanten schimpft.  Es passt aber in das Bild der einfachen medialen Denkstrukturen und Kategorisierungen, die besonders im Sport vorherrschen. Alle gewonnen, also alles gut. Verloren, also alles schlecht. Dass sich die Situationen  meist wesentlich komplexer zusammensetzen? Schwamm drüber!

In diesem speziellen Fall ist die Einschätzung des Rekordnationalspielers so fatal falsch, dass wohl sogar Buddha Murat Yakin von seinem Sitz aufspringen würde. Eine internationale Dominanz oder Vorherrschaft der Bundesliga lässt sich – mit Ausnahme des FC Bayern (duh) – weder in den einzelnen Gruppen, noch im Gesamtbild beider Wettbewerbe erkennen.

Fünfjahreswertung als Licht der Wahrheit

Ein Blick auf die Fünfjahreswertung zeigt: von Dominanz ist die Bundesliga Lichtjahre entfernt. 12.285 Punkte sammelten die sieben internationalen Vertreter der Liga bisher. Damit liegt die Liga zwar klar vor den Konkurrenten auf den Plätzen vier bis sechs (Italien, Portugal, Frankreich), aber eben auch deutlich hinter den beiden Topligen Spanien (14.071) und England (13.142), das sogar noch alle sieben Teilnehmer im Wettbewerb hat.

Ja - mögen einige jetzt sagen - aber das liegt nur an den schwachen Freiburgern und dem (überraschend) frühen Ausscheiden des VfB Stuttgart. Diese Teams gehören aber ebenso zur Bundesliga. Davon unabhängig lässt aber selbst ein Blick alleine auf die Champions League die Seifenblase von der deutschen Dominanz zerplatzen.

Und was ist mit England?

Vier der 16 Achtelfinalisten kommen aus Deutschland. Das ist zweifelsohne eine erfreuliche wie beachtliche Leistung. England stellt jedoch ebenso vier Teilnehmer. Dazu holten die vier englischen Teams aber insgesamt sechs Punkte mehr (53) als die vier deutschen Vereine zusammen. 

Auch der direkte Vergleich spricht für die Engländer: Sechs der acht Duelle gegen die Bundesligisten gingen (teilweise deutlich) an die Teams von der Insel (Torverhältnis 21:9). Zur Erinnerung: Manchester United, das Leverkusen („Bester Zweiter aller Zeiten“) zweimal aus dem Stadion schoss, ist derzeit nur Neunter in der Premier League.

Dominanz der Topligen

Dazu kommen noch die Spanier, bei denen drei von vier Teams ihre Gruppe gewinnen konnten. Wenn überhaupt kann man also von einer Dominanz der drei Topligen sprechen, die nun elf der 16 Achtelfinalklubs stellen.

Da diese Fakten aber scheinbar nicht in eine "Bild"-Kolumne oder einen Dreiminüter passen, müssen mitdenkende Zuschauer wohl weiter mit der „Dominanz-Debatte“ vorlieb nehmen. Zumindest bis zum Achtelfinale, wo dann nahtlos in die „Endzeit-Debatte“ übergegangen werden kann.

Lieber ist mir persönlich aber in diesem Fall die ehrliche Rhetorik von Jürgen Klopp, der nach dem entscheidenden Sieg des BVB Mitgefühl für die mit 12 Punkten ausgeschiedenen Neapolitaner zeigte und zugab: „Wir sind Gruppensieger, weil wir auf unsere schlechten Momente gut reagiert haben.“ Eine durchweg realistische Einschätzung in 5 Sekunden. Geht doch.



Samstag, 2. November 2013

Bayern in Hoffenheim: Erst Kroos bringt die Dominanz

Das das Spiel heute wirklich aus taktischer Sicht hochinteressant war und ich bereits seit einiger Zeit nichts mehr hier verschriftlicht habe, gibt es heute einmal eine sehr taktiklastige Analyse des Spiels gegen 1899 (– in der Hoffnung, dass Erik Meijer das liest).

Anhand der Statistiken beider Teams war von den Zuschauern ein torreiches Spiel erwartet worden. Hoffenheim war immerhin vor dem Spieltag die Mannschaft mit den meisten geschossenen (24) und kassierten Toren (24), die Bayern dagegen in den letzten Wochen nicht immer sattelfest und anfällig für konterstarke Mannschaften wie 1899. 

Dass es letztlich nicht zu einer großen Zahl an Chancen kam, war der interessanten taktischen Herangehensweise der Hoffenheimer und einigen Rochaden (zuviel) im Bayernspiel zuzuschreiben.

Unterschiedliche Pressingansätze

Schon zu Beginn waren die unterschiedlichen Pressingansätze beider Teams zu erkennen. Hoffenheim ließ den Bayern viel Raum beim Aufbau über die beiden Innenverteidiger Dante und Boateng, die je nach Situation relativ nah zueinander standen oder weiter auseinanderrückten, um Martinez Platz zu gewähren. 

Modeste bildete erst auf Höhe der Mittellinie die Keilspitze der Hoffenheimer Defensive, die sich vorrangig darauf konzentrierte, zentrale Anspiele in den Raum ca. 30 Meter vor dem eigenen Tor zu verhindern. Dies gelang lange Zeit sehr gut.
 
Wirklich intensives Pressing bis zu Neuer führten die Gastgeber nur situativ und sporadisch aus, wenn sich der ballführende Bayernspieler mit dem Gesicht zum eigenen Tor befand. Durch die ballsicheren Bayern blieben jedoch auch diese Situation meist ertraglos aus Sicht von Gisdols Team. Lediglich kurz vor der Pause entstanden so einige wenige Ballgewinne.

Bayern presste dagegen schon früh in des Gegners Hälfte, was besonders in der ersten halben Stunde zu zahlreichen langen Bällen und folgend Ballverlusten der Hoffenheimer führte. Spielmacher Firmino war besonders in der ersten Halbzeit dadurch völlig vom Spiel abgeschnitten und die meist Modeste suchenden langen Anspiele blieben unpräzise. Gerade Mandzukic verrichtete in diesen Situationen viel Laufarbeit und erzwang einige Rückpässe in Richtung Casteels, der selten durch präzise Zuspiele glänzte.

Hoffenheim zwingt Bayern nach außen

Durch die gute Raumaufteilung und Staffelung der Hoffenheimer im zentralen Mittelfeld blieb den Bayern häufig nur der Weg über die Außenspieler – was in dieser Saison bisher durchaus ungewöhnlich war und ein wenig an die Herangehensweise des BVB in den letzten Duellen gegen die Münchener erinnerte. Nach außen treiben, isolieren und dann schnell kontern.

Durch dieses gute Stellungsspiel der Hoffenheimer erwies sich auch Guardiolas Reaktion auf die Abwesenheit von Kroos zunächst als wirkungslos. Ribery rückte gerade in der ersten Halbzeit sehr häufig weit in die Mitte ein und sollte vermutlich gemeinsam mit Götze die ballsichere Zentrale vor dem eher defensiven Martinez bilden.

Schweinsteiger wich dadurch häufig auf die linke Außenbahn aus, wo er sich am Aufbauspiel beteiligte. Alaba gab dagegen einen sehr offensiven Außenverteidiger und übernahm praktisch die Rolle von Ribery mit. 

Ebenso variabel präsentierten sich die beiden anderen Offensivakteure Müller und Mandzukic. Der Kroate wich häufig auf einen der Flügel aus und versuchte verstärkt am Kombinationsspiel zu partizipieren, wobei seine Flanken aber in der Mitte nur selten ihr Ziel fanden.

Schlechte Abstimmung der Laufwege

Generell waren die häufigen Missverständnisse und die teils schlechte Abstimmung der Laufwege im Bayernspiel auffällig. Besonders Müller und Mandzukic wählten einige Male denselben Laufweg. Auch  Schweinsteiger wurde bei seinem Schussversuch von Mandzukic behindert. 

Zwar kamen die Bayern einige Male an die Grundlinie, so etwa Lahm (15.) oder Alaba (19.), fanden aber dann keine Anspielstation, weil eben die Laufwege der Mitspieler schlecht getimed waren. Lücken fanden die Bayern vor allem immer wieder in der Schnittstelle zwischen den beiden Innerverteidigern und den Außenverteidigern.

Hoffenheimer schaffte es überraschend ohne wirklich harte Zweikampfführung, die Bayern aus der gefährlichen Zone fernzuhalten. Ausnahme war das gelbwürdige Einsteigen von Abraham gegen Ribery (24.), in dessen Folge Martinez das 1:0 auf dem Oberschenkel hatte (24.).

Götze & Schweinsteiger kaum Faktoren

Ein Grund dafür war sicherlich, dass sowohl Schweinsteiger als auch Götze lange Zeit kaum Faktoren waren und Martinez durch das gute Anlaufen von Modeste auch selten einen zentralen Pass in die Tiefe spielen konnte. Stattdessen zwang Hoffenheim die beiden Innenverteidiger mangels Anspielstationen mehrmals in riskante Dribblings, die jeweils in überhasteten Abspielen (Boateng) oder Ballverlusten (Dante) mündeten.

Torchancen waren also Mangelware, weswegen beide Treffer konsequenterweise aus Standards fielen. Dem 1:0 ging dabei ein klarer Patzer von Manuel Neuer voraus, der sich für die vermeintlich riskantere Variante entschied, den Ball zu fangen und ihn fallenließ (34.). 

Einer kurzen Phase der Münchener Verunsicherung, in der Hoffenheim durch Volland zweimal die Chance hatte, die Führung zu erhöhen (34.&36.), folgte der glückliche Ausgleich durch Mandzukic (39.).

In der hektischen Phase vor der Pause war es gleich mehrmals Martinez zu verdanken, der mit seiner außerordentlichen Zweikampfstärke einige Male vielversprechende Hoffenheimer Konter unterbinden konnte (40./42./44./47./61.), dass die Gastgeber aus der Unordnung im Bayernspiel kein weiteres Kapital schlugen. 

Der von Kommentator Roland Evers durchaus kritisch gesehene Spanier glänzte zwar offensiv nicht sonderlich, was sicher auch an Hoffenheims Ausrichtung lag, erwies sich aber als wertvoller Balancespieler und bester Zweikämpfer. Also genau das, was man von einem Sechser erwartet.

Mit Kroos kommt die Dominanz

Guardiola reagierte zur Pause mit einigen taktischen Umstellungen. Er forderte nun gut sichtbar ein Überspielen der ersten Mittelfeldreihe, wodurch die erste Pressingwelle der Hoffenheimer umgangen werden sollte. Zudem schickte er Ribery wieder auf den Flügel. Besonders diese Umstellung zeigte sofort Wirkung. 

Durch die Achse Ribery-Alaba gewann das Bayernspiel sofort an Dynamik. Müller hätte nach einer Ribery-Flanke bereits die Führung erzielen können (57.). Hoffenheim hatte seinerseits durch Volland kurz zuvor die große Chance auf die erneute Führung, als es Firmino einmal gelang, Martinez mit einem Tunnel zu überspielen (55.).

Der zweite und entscheidende Knackpunkt war dann die Einwechslung von Kroos für Mandzukic nach einer Stunde. Dadurch gewann Bayern nicht nur die Hoheit und Ballsicherheit in der Zentrale zurück, Kroos sorgte ebenso für die bis dato kaum verwendeten Spielverlagerungen, wodurch die Hoffenheimer weite Wege gehen mussten und zunehmend müde wirkten.

Dreieck Kroos-Ribery-Alaba glänzt

Besonders das Dreieck Ribery – Alaba – Kroos kreierte in der Schlussphase Chance um Chance (66./67.). Trotzdem musste erneut der Zufall, beziehungsweise zwei kurz aufeinanderfolgende Fehler der Hoffenheimer (in Person von Beck und dem ansonsten starken Süle) für Müllers Siegtreffer herhalten (75.). In der letzten Viertelstunde spielte Bayern seine technische Überlegenheit aus und hätte durch Müller noch ein Tor mehr erzielen müssen (86.).

Fazit: Ein taktisch interessantes Spiel, das von Seiten der Münchener erst nach der Hereinnahme von Kroos dominiert wurde. Hoffenheim mit einigen interessanten Pressingansätzen aber im Abschluss weitgehend harmlos. Bezeichnend, dass jeweils zwei der drei Tore durch Standards oder krasse individuelle Fehler begünstigt wurden.  

Bayern: Neuer (4,5) – Lahm (3), Boateng (3,5), Dante (3,5), Alaba (3) – Martinez (2,5), Schweinsteiger (3,5), Götze (4), Ribery (2,5), Müller (3,5) – Mandzukic (3,5) Eingewechselt: Kroos (2), Rafinha (-)

Montag, 7. Oktober 2013

Podcast (10) - Perfekte Wochen und ewige Loser

Im aktuellen Podcast sprechen wir über die tollen Spiele gegen Manchester City und Bayer Leverkusen und beschäftigen uns mit der verschobenen Wahrnehmung auf allen Ebenen. 0.01 Begrüßung 1.22 Manchester shitty? 3.28 Das Haar in der Suppe 8.19 Fehleranalyse und Buttslap-Gif's 21.08 Gala gegen Leverkusen 22.15 Das Haar in der Suppe II 28.48 Die Causa Lahm 31.20 Neuer und der Patzer, der keiner war 34.05 Weltklasse Leno? DAFUQ??? 36.18 Niemand mag Loser 46.30 Toni Kroos: Fußballgott! 47.39 Quatsch und Verabschiedung

Donnerstag, 18. Juli 2013

SoM Podcast (8) - Speckmuffins, blaue Augen und Thiago-Fieber

Content: 00.01 Quatsch 02.37 Intro 03.56 CL-Finalerinnerungen: Speckmuffins und blaue Augen 09:31 Mario Gomez - Abschied mit Fragen 34:10 Neuzugänge 65:05 Mögliche Aufstellungen 81:21 Abschied mit jeder Menge Weisheiten

Dienstag, 2. Juli 2013

Machs gut Mario!

Ein Gastbeitrag von meinem geschätzten Podcast-Kollegen Andreas zum bevorstehenden Abschied von Mario Gomez:


Noch ist nichts bestätigt, aber die Anzeichen verdichten sich: Mario Gomez wird den FC Bayern verlassen. Allem Anschein nach Richtung Florenzer AC. Jedoch, so richtig Wehmut will sich bei der bayrischen Anhängerschaft irgendwie nicht auftun – Schade eigentlich.
  
Der FC Bayern und Mario Gomez - so eine richtig innige Liebesbeziehung  war das nie, obwohl die Bedingungen dafür durchaus dagewesen wären: Er macht Tore (gar nicht mal so wenige), der Arbeitgeber holt Titel – woanders reicht das als Grundlage schon aus, dass man den eigenen Namen zur umgedichteten Melodie eines allseits bekannten Gassenhauers um die Ohren geschmettert bekommt.

Warum das beim Schwabenbomber mit dem semispanischen Migrationshintergrund nicht der Fall ist, möchte ich im Folgenden zu ergründen versuchen.

Der erste Punkt ist – so platt das zunächst einmal auch klingen möge – sein Aussehen. Auch die Haare. Vielleicht besonders die Haare. Dazu der adonishafte Körper (wobei das adonishafte gelegentlich dazu neigt, sich proportional umgekehrt mit dem Näherkommen des Spielgerätes zu verflüchtigen). 

An sich ist gutes Aussehen für einen Fußballer ja nicht zwingend schädlich. Man bekommt Werbeangebote, darf die eigene, grinsende Visage in Modezeitschriften, das beschmuckte Handgelenk im Lifestyle-Magazin der Wochenzeitung und das Gemächt, verpackt in Designerschlüppern, an der Litfaßsäule bewundern. Dazu gibt’s nen Riesenhaufen Groupies, denen man auch noch den letzten Dreck verkaufen kann, solange nur der eigene Name draufsteht. 

 Dass die altersmäßig in der Regel eher am Anfang der Geschlechtsreife stehen – zweitrangig. Bleibt eben mehr Ernte für den Karriereherbst. 

 Mario Gomez‘ Problem an dieser Stelle ist, dass er für sein Aussehen nicht ignorant genug ist. Wo ein David Beckham und Cristiano Ronaldo es als Selbstverständlichkeit empfinden, beim Klopapier kaufen von 20 Papparazzi begleitet zu werden, um am nächsten Tag eine Lobeshymne über das passende, weil ebenfalls 4-lagige, Outfit zu lesen, ist einem Mario Gomez diese mediale Schlagzeilenmaschinerie suspekt. 

 Das hat er sich vor allem durch die legendär vergebene Chance bei der EM 08 und während seines ersten Jahres bei den Bayern angeeignet, als alle darauf versessen waren, den neuen Rekordtransfer der Bundesliga scheitern zu sehen. Seither pflegt dieser Mario Gomez einen unprätentiösen, distanzierten und bisweilen auch herablassend-ironischen Umgang mit den Medienvertretern. 

 Als er in seinem zweiten Jahr, am achten Spieltag gegen Hannover aus dem Stand einen Dreierpack erzielt, wollen alle Journalisten die Phoenix-aus-der-Asche-Story, die Wiederauferstehung des Totgesagten. Nur Mario Gomez wollte das nicht. Darum zuckte er lieber mit den Schultern, sprach in zurückhaltender Lautstärke und lächelte in sich hinein, anstatt sich auf die angebotene Heldenverehrung einzulassen. Zu frisch waren die Erinnerung an seine öffentliche Degradierung („Gomez ist bei mir Stürmer Nr. 4“, Louis van Gaal vor der Saison).
  
Wenn man sich nicht vom Antlitz des Posterboys blenden lässt, sondern ihm einfach nur zuhört, merkt man relativ bald, dass da ein junger Mann spricht, der eigentlich zu reflektiert für den kurzsichtigen, superlativ-fixierten Medienbetrieb ist. Der, nachdem er wieder mal 3 Tore in 12 Minuten geschossen hat, absichtlich die Luft in Interviews rausnimmt, weil er ganz genau weiß, dass wenn er im nächsten Spiel die Quote nicht hält, sofort die Formkrisen-Schlagzeile ausgepackt wird – egal welche Sprache die objektiven Leistungsdaten sprechen.

 Nun kommt jedoch eine strukturelle Komponente ins Spiel, die diese eigentlich sympathische Eigenschaft des Mario G. ins Gegenteil verkehrt. Diejenigen, die Mario Gomez bei seinen Interviews nach dem Spiel so milde belächelt, sind die Typen, die ihm das Mikro unter die Nase halten und Fragen stellen, die an Banalität kaum zu überbieten sind. Diejenigen, bei denen das aber ankommt, sitzen Zuhause vor dem Fernseher. Was der ZuschauerIN (*generisches Femininum für unsere Leipziger Leser) sieht, ist der gelangweilte Gesichtsausdruck eines ansonsten ziemlich gutaussehenden Jungmillionärs. Und dazu kann ihn nicht mal so ne affige Frise entstellen!
  
An dieser Stelle gleitet die zur Schau gestellte Gelassenheit ganz schnell in eine wahrgenommene Arroganz um. Von der Immunität gegen überbordende Lobhudelei bis zur antizipierten Überheblichkeit ist es nur ein ganz kleiner Schritt. Und in einem Medium, in dem Beiträge mit mehr als 30 Sekunden Länge schon als Zumutung für das Publikum empfunden werden, ist diese Unterscheidung auch nicht immer leicht zu treffen.
  
 So kommt es, dass Mario Gomez vor allem deswegen nicht so gut mit den Fans kann, weil er mit den Medien nicht so recht möchte, auch wenn diese ob seines gut vermarktbaren Äußeren gerne würden. Es gibt keine Homestory in Wohnzimmeratmosphäre, kein Schunkeln mit dem Tegernseer Fandelegierten auf dem Oktoberfest, ja nicht mal ausgelassene Jubelbilder in der Fankurve nach einem erzielten Tor, sondern höchstens diesen unspektakulären Torero-Move. 
  
Mario Gomez zweiter Fehler ist, dass er wahrscheinlich irgendeinen aufgemotzten Audi fährt, anstatt sich endlich mal einen Delorean zuzulegen. Was in anderen Zusammenhängen als Gnade ausgelegt wird, ist bei Mario Gomez das Pech der späten Geburt. Seit sich der europäische Spitzenfußball dazu entschlossen hat, flächendeckend nur noch das katalanische 4-5-1 nachzuspielen, sind Knipser seines Formats nicht mehr gefragt. Stürmer sollen die Bälle nicht mehr unbarmherzig verwandeln, sondern halten, ablegen, verteilen und im Extremfall sogar noch erobern! 

Vor ein paar Jahren, als man das gute alte 4-4-2 noch spielen konnte, ohne sich schlagartig zum Gespött der Fachwelt zu machen, sind Torjäger für ihre unorthodoxen Abschlussqualitäten gelobt worden. Ulf Kirsten hat ein Tor mit dem Arsch gemacht, Gerd Müller unzählige in jeder erdenklichen Position – und kaum eins davon war schön herausgespielt. Aber wenn Mario Gomez ein Tor mit dem Penis erzielt, kichern alle nur anstatt ehrfurchtsvoll inne zu halten. Was eine ungerechte Welt!

 In der Bundesliga hat Mario Gomez 75 Tore in 115 Spielen für den FC Bayern geschossen, in 39 Champions League Spielen waren es 23 – eine stattliche Quote. Aber immer musste er sich für die Art und Weise rechtfertigen (was, um nochmal auf die oben aufgeführte Medienkiste zu verweisen, nicht unbedingt eine Stärke von ihm ist). 

Wahrscheinlich hat Mario Gomez mit wirklich jedem ihm zur Verfügung stehenden Körperteil (bis auf den Spann) schon irgendwie eingenetzt. Man könnte das, wenn man will, problemlos als Vielseitigkeit, Killerinstinkt, unbedingten Willen auslegen. Wenn man nicht will, macht man daraus eben Tollpatschigkeit.
  
Mario Gomez ist der wahrscheinlich mit Abstand beste und effizienteste Torjäger der letzten 15 bis 20 Jahre, nur erkennt man das nicht, weil die spielsystemischen Anforderungen andere Maßstäbe setzen. Und die Spielanlage der Bayern war in den letzten Jahren erst recht keine, die seine Stärken zum Vorschein gebracht hätte. Die starke Verlagerung auf die Außen bringt einem dynamischen Stürmer wenig, wenn durch die ständigen Hereingaben von der Seite eher Wuseligkeit auf kleinem Raum und Spritzigkeit gefragt sind. 

 Dazu sei erwähnt, dass ich schon Schwierigkeiten habe, mich überhaupt an Hereingaben von der Robben-Seite zu erinnern – von ‚erfolgreichen‘ ganz zu schweigen! In Anbetracht solcher Umstände sollte die Bilanz des Mario Gomez vielleicht sogar in noch hellerem Lichte erstrahlen.
  
Alles in allem fällt es nicht schwer, Mario Gomez‘ Beweggründe für einen Wechsel nachzuvollziehen. In den 2 Jahren, in denen er beim FC Bayern in der Spitze gesetzt war, hat er jeweils deutlich über 20 Ligatore erzielt – und musste sich ständig dafür rechtfertigen. In den 2 Jahren, in denen er nicht gesetzt war, lag die Trefferanzahl immer noch im zweistelligen Bereich – aber die Abgesänge auf ihn waren ungemein heftiger. 
Und nicht mal für das Standing in der Nationalmannschaft war die Anstellung beim Ligaprimus noch nützlich – Miroslav Klose brauchte nur fit zu sein, um vom Bundestrainer vorgezogen zu werden. 
  
Wer hätte da nicht Sehnsucht nach der alten Stuttgarter Zeit, in der das Publikum einem bedingungslos zujubelt und es der Trainer ist, der sich rechtfertigen muss, wenn der eigene Name in der Startaufstellung fehlt?! Insofern nimmt man für das bisschen Liebe vielleicht auch den vorübergehenden Abstieg zu einem Euro-Ligisten in Kauf, denn wer hat gesagt, dass Florenz Gomez‘ letzte Station bleiben müsse?
  
Auch ich kann mich nicht freimachen von so manchem Fluch, Lacher oder Wutausbruch über verstolperte Bälle, missglückte Annahmen und unnötige Schienbeinpässe. Aber als Typ mochte ich Mario Gomez immer gerne. Darum, mach‘s gut, Junge! Viel Glück mit den Florentiner Fans und in der Serie A – um die Tore müssen wir uns ja glücklicherweise keine Sorgen machen… 



Andreas Zielke