Die Saison ist gerade mal ein Wochenende alt und schon laufen wir den Schwarz-gelben wieder hinterher. Sowohl was die Tabelle angeht, als auch was die spielerischen Aspekte betrifft. Gegen eigentlich harmlose Gladbacher setzte es bereits einen deutlichen Schuss vor den Bug. Für alle die dachten die Saison wird ein Selbstläufer sollte nun klar sein, dass auch diese Mannschaft ihr Maximum abrufen muss, um den Dortmundern Paroli zu bieten und in der Champions League (in der wir wohlgemerkt noch nicht mal drin sind) die hochgesteckten Erwartungen zu erfüllen.
Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt und gleicht in erschreckender Weise den Spielen aus der letzten Saison. Bayern ist natürlich überlegen, hat mehr vom Spiel, mehr Ballbesitz und scheint alles im Griff zu haben. Die beste Chance des ersten Durchgangs hat trotzdem Gladbach. Neuer lenkt den Schuss von Reus jedoch über den Kasten. Auf Seiten der Münchener überzeugt im ersten Abschnitt außer Müller keiner der Offensivspieler. Zu langsam und zu behäbig sind die Angriffsbemühungen meist, zu durchschaubar die Kombinationen und zu harmlos die Hereingaben von der Seite. Bezeichnend die Eckenstatistik: 11 Ecken, nur ein Ball aufs Tor (Gomez an den Pfosten). Die Spielweise, die im Pokal gegen Braunschweig noch funktionierte, weil man früh in Führung ging, stellte sich gegen konzentriert verteidigende Gladbacher als wenig wirksam heraus. Robben konnte kaum eines seiner Dribblings erfolgreich zu Ende bringen, Kroos fehlte der Mut und das Glück im Abschluss, Schweinsteiger tauchte fast über die gesamte Spielzeit unter und wenn er am Ball war dauerte es zu lange bevor er den Ball weiterleitete. Kein Vergleich zu Götze, Großkreutz und Kagawa am Freitagabend – und das zu schreiben tut mir als Bayernfan wirklich weh. Vor allem ohne Ball fehlte der Wille auch mal die Wege für Mitspieler freizureißen oder sich in der Lücke zum Doppelpass anzubieten.
Wenigstens defensiv war jedoch zunächst alles in Butter. Rafinha und Lahm kamen immer wieder mit nach vorne und standen hinten sicher. Vor allem Boateng und Gustavo präsentierten sich in der Zentrale ungemein zweikampfstark und fingen die wenigen Offensivaktionen der Gäste aufmerksam ab.
Auch in der zweiten Hälfte dasselbe Bild, Bayern spielbestimmend aber ohne Durchschlagskraft. Robben noch ein Schatten seiner selbst und damit fehlt einfach das Überraschungsmoment im Spiel der Münchener. Auch die Hereinnahme von Ribery änderte daran nichts. Nach gut einer Stunde ging Gladbach dann vermeintlich in Führung, doch Rafati entschied zu Recht auf Foul. Kurze Zeit später passierte es dann aber doch, nach einem eigentlich harmlosen langen Ball aus der Gladbacher Hälfte gab es Abstimmungsprobleme zwischen dem heraus eilenden Neuer, Boateng und Badstuber. Camargo nutze das und köpfte zur Führung für die Gäste ein.
Auch in der verbleibenden Spielzeit gelang es den Münchenern nicht das Ergebnis noch zu drehen. Ter Stegen parierte zweimal stark gegen Gomez und Schweinsteiger. Beim einzigen gefährlichen Eckball stand Gomez Kopfball nur der Pfosten im Weg. Robben versuchte es ebenfalls noch zweimal aus der Distanz, aber die nötige Präzision fehlte auch ihm. Dazu kam noch, dass Rafati und sein Gespann leider zweimal bei Abseits danebenlagen. Gomez wäre frei vor dem Tor gewesen. Das Tor von Müller war ebenfalls regulär, da nur Gomez, aber nicht Müller im Abseits stand. Passte insgesamt aber Alles zum missglückten Tag für die Münchener.
Sonntag, 7. August 2011
Dienstag, 2. August 2011
"Danke Braunschweig!"
...,der etwas andere Blick auf den 3-0 Pokalerfolg der Bayern in Braunschweig.
Nach dem deutlichen Erfolg in der ersten Runde des DFB-Pokals klingt es von überall her: „so souverän“, „hach diese Bayern, wunderbar“, „es müllert schon wieder“, „ganz krooses Spiel der Bayern“. Kann man aber auch anders sehen…
Gegen die unterklassigen Braunschweiger hat sich der FC Bayern wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Nur dank der gütigen Mithilfe des Schiedsrichters und der Braunschweiger konnte die zweite Niederlage (nach dem vernichtenden 0-2 gegen den FC Barcelona im Hinspiel des Champions League Finals 2012) in Folge gerade noch abgewendet werden.
Schon in der Anfangsphase zeigten die Gastgeber den fußlahmen Millionären von der Isar ihre Grenzen auf. Holger Badstuber – ein Unsicherheitsfaktor über die gesamten 90 Minuten – bediente gleich zweimal mustergültig die pfeilschnellen Stürmer der Braunschweiger. Nur deren technischer Beschränktheit war es zu verdanken, dass es nicht bereits früh 0-2 aus Sicht der Münchener stand.
Auch Münchens Neuer-Schlussmann … (get it?) zeigte genau das, was ihn bei den Schalkern so berühmt machte: hanebüchene Ausflüge und präzise Flugbälle genau in des Gegners Fuß. Als die Unsicherheit in der ganzen Bayern-Mannschaft bereits mit den Händen greifbar war und Uli Hoeneß mit zittrigen Fingern auf der Tribüne die Vorwahl von Kalifornien zu wählen versuchte, nahm sich Jan Reichel schließlich ein Herz und schenkte den Bayern einen Elfmeter. Daran konnte auch Thomas Müllers dreist-plumpe Falleinlage nichts mehr ändern. Mario Gomez verwandelte zur Überraschung Aller zum 1-0 für die Bayern.
Die Braunschweiger legten nun aber nochmals eine gehörige Schippe drauf – eine gehörige Schippe Respekt. So konnten sich die Münchener den Ball trotz aller technischer Mängel unbedrängt zuspielen. Boateng und Badstuber kombinierten vor dem eigenen Sechzehner wie zu besten van Gaal Zeiten. Die 30 Bayernfans ließen begeistert eine Laola-Welle nach der anderen durch Block 17B gehen und Jupp Heynckes bekam vor lauter Freude ganz rote Ohren. Als die Braunschweiger aber erkannten, dass den Bayern auch dieses Entgegenkommen nicht reichte um das 2-0 zu erzielen, foulte Boland erneut Thomas Müller im Strafraum. Zu den leisen Happy-Birthday-Gesängen des Braunschweiger Torhüters erzielte Schweinsteiger mit dem fälligen Strafstoß das erlösende 2-0. Uli Hoeneß konnte nun sein Handy endlich wieder einstecken und in München klebte der Platzwart das Namensschild von Jupp Heynckes wieder an das Trainerbüro.
Die Bayern vertrieben sich die restliche Spielzeit damit mit Flanken auf vereinzelte Schickeria-Mitglieder im Publikum zu zielen (Müller), Heiße-Kartoffel-Spielen (Neuer) und Sich-ähnlich-Sehen (Kroos & Schweinsteiger). Eine seiner verunglückten Flanken beförderte Müller kurz vor dem Ende zum 3-0 ins Netz der Braunschweiger, auch hier unter gütiger Mithilfe des Schiedsrichters, der das hohe Bein Müllers in der Nase eines Braunschweigers ignorierte.
Auch die schamlosen Provokationen von Jupp „das heißt so viel wie Ja“ Heynckes, der kurz vor Schluss sowohl Daniel Pannen-Pranjic, als auch Anatolji Tymoschuk und Dan „the Man“ van „Bumbum“ Buyten(!!!) einwechselte, konnten den Kampfgeist der Hausherren nicht mehr wecken.
Diese Bayern wären durchaus schlagbar gewesen.
Donnerstag, 7. Juli 2011
Der variabelste FC Bayern aller Zeiten
Die neue Saison steht vor der Türe, die Kaderplanung scheint so gut wie abgeschlossen, Zeit also einen genauen Blick auf das zu werfen, was die Bayernbosse da so veranstaltet haben bisher.
Mit den Transfers von Manuel Neuer, Rafinha, Nils Petersen und Takashi Usami hat der FC Bayern bereits 2 gute Verstärkungen für die erste Elf, sowie 2 potentiell vielversprechende Backups verpflichtet. Der Transfer von Dale Yennings scheint ebenfalls so gut wie sicher zu sein, allerdings soll sich dieser laut Nerlinger zunächst in der zweiten Mannschaft beweisen, bevor er Bundesligaluft schnuppern darf.
Bleiben bis zum Ligastart noch die Personalien Jerome Boateng und Arturo Vidal zu klären. Während ich bei Boateng nach wie vor optimistisch bin, dass sich die Vereine hinsichtlich der Ablösesumme noch einigen werden, sieht es bei Arturo Vidal für diese Saison düster aus. Rudi Völler und Wolfgang Holzhäuser haben bereits mehr als deutlich gemacht, dass sie ihren besten Spieler der vergangenen Saison nicht zu einem Ligakonkurrenten ziehen lassen wollen. Nur zu verständlich aus meiner Sicht. Dazu kommt, dass das Angebot der Münchener in meinen Augen nicht mehr als ein schlechter Witz sein kann. Was Boateng angeht erwarte ich eine baldige Einigung irgendwo zwischen 13 und 15 Millionen €. Sollte der Transfer tatsächlich nicht zu Stande kommen bräuchte man auf jeden Fall noch einen anderen Neuzugang für die Innenverteidigung, noch eine Saison mit Bumm Bumm Buyten oder Schnarchzapfen Breno halten meine Nerven nicht aus.
Werfen wir nun also einen Blick auf die einzelnen Mannschaftsteile. Was dabei vor allem auffällig: Der FC Bayern ist (wenn alle fit sind) so flexibel wie nie zuvor.
Tor: Die Verpflichtung von Manuel Neuer als künftige Nummer 1 ist ohne Zweifel der Königstransfer dieser Saison. Neuer kommt als gestandener Bundesligatorwart und als Nationaltorhüter nach München und er ist hungrig, hungrig auf Titel und hungrig auf Erfolg. Ob er wie Oliver Kahn eine Ära (oh Gott dieses Wort ist sowas von ausgelutscht) prägen kann, werden die nächsten Jahre zeigen, das Potential dazu bringt er allemal mit. Sollte Neuer verletzungsbedingt ausfallen steht mit Jörg Butt ein zuverlässiger Backup bereit. Urteil: Um die Torhüterposition muss man sich auf Jahre keine Sorge machen.
Abwehr: Die Abwehr stand als das größte Sorgenkind der vergangenen Saison (völlig zu Recht) im Fokus der Kritik. Nur zu verständlich also, dass Fans und Verantwortliche vor allem hier nach Verstärkungen lechzen. Mit Rafinha und (hoffentlich) Boateng wurden 2 Spieler von internationalem Format verpflichtet. Kein Grund allerdings euphorisch zu werden finde ich. Beiden sehe ich nicht ohne Skepsis entgegen, allerdings fehlen im mittleren Preissegment die Alternativen. Die 5 Mio. für Rafinha sind meiner Meinung nach aber immer noch besser angelegt als 30 Mio. für einen wie Coentrao. Vielleicht bekommen wir ihn ja in ein 1, 2 Jahren zum Schnäppchenpreis (Robben lässt grüßen).
Heynckes Traumformation scheint bereits klar. Phillip Lahm geht zurück auf die linke Seite, wo er meiner Meinung nach auch am besten aufgehoben ist – seine Flanken von der rechten Seite waren sowieso eine Krankheit. Auf der rechten Seite ist Rafinha gesetzt. Die Innenverteidigung bilden Holger Badstuber und Jerome Boateng, sollte er denn kommen. Es würde mich jedoch sehr überraschen, wenn die Verantwortlichen nicht bereits eine Alternative im Auge hätten.
Fazit: Die Abwehr ist auch weiterhin der schwächste Mannschaftsteil, daran ändern auch die Verpflichtungen nichts. Allerdings hat man auf die Schwachstellen der letzten Saison reagiert und auf den entsprechenden Positionen aufgerüstet. Ich bin zuversichtlich, dass es zumindest auf nationaler Ebene für zwei Titel ausreicht. Ob man jedoch mit den Verstärkungen direkt in die Riege der Topfavoriten auf den Champions League Sieg aufsteigt ist eher fraglich. Ich hoffe ich werde eines besseren belehrt. Hinzu kommt, dass keiner der ersten 4 auch nur einen annähernd adäquaten Ersatz hat. Van Buyten ist nicht mehr als ein solider Bundesliga Verteidiger und wird mit dem Alter sicher nicht mehr schneller werden und ob Breno jemals den riesigen Vorschusslorbeeren gerecht wird ist ebenfalls mehr als fraglich. Für die beiden Außenpositionen stehen als Backups lediglich Diego Contento und eventuell noch Daniel Pranjic zur Verfügung, die jedoch in den vergangenen beiden Jahren noch zu unkonstant waren.
Mittelfeld: Das Mittelfeld ist ohne Zweifel das absolute Prunkstück der Münchener. Auf den Außen ist man mit Arjen Robben und Frank Ribery großartig aufgestellt, sollten beide fit bleiben. Ich wünsche es ihnen. In der defensiven Zentrale ist nur Vize-Kapitän Schweinsteiger gesetzt. Um den Platz neben ihm konkurrieren mit Anatolji Tymoschuk, Luis Gustavo, Toni Kroos und Daniel Pranjic gleich 4 Spieler. Pranjic reicht von der Qualität her nicht an die anderen 3 heran und wird wohl nur als Ergänzungsspieler dienen. Toni Kroos sieht Heynckes eher als offensiven Mittelfeldspieler. Er kann sowohl in der zentralen als auch über die linke Seite kommen. Bleiben also im System mit 2 Sechsern noch Tymo oder Gustavo als Partner für Schweini. Beide haben ihre Stärken und Schwächen, während Tymoschuk durch exzellentes Stellungsspiel und Zweikampfstärke überzeugt, ist Gustavo athletischer und setzt mehr Akzente in der Offensive. It’s a close one.
Auf der zentralen offensiven Position kämpfen Toni Kroos und Thomas Müller um den Stammplatz. Müller scheint im Moment die Nase vorn zu haben, aber in Kroos setze ich – wie jedes Jahr – große Hoffnungen. Als Backups für die Außenpositionen kommen sowohl Usami (rechts), als auch Olic (links), Kroos (links), Müller (rechts), Pranjic (links) oder David Alaba (links) in Frage.
Fazit: Das Mittelfeld und damit die Ausrichtung des FC Bayern ist in der kommenden Saison so vielseitig wie seit langer Zeit nicht mehr. Es gibt gleich eine ganze Reihe von Spielern, die variabel einsetzbar sind – der Traum für jeden Trainer. Vorstellbar sind im klassischen 4-5-1 ein System mit 2 Sechsern und einem offensiven Mittelfeldspieler oder mit einem Sechser und davor 2 Offensiven. Müller dabei eher als hängende Spitze und Kroos als Ballverteiler dahinter.
Ribery Müller/ Kroos Robben
Tymo/ Gustavo Schweinsteiger
(Defensivere Variante mit 2 Sechsern)
Ribery Müller Kroos Robben
Schweinsteiger
(Offensivere Variante mit 2 Achtern)
Selbst wenn ein Schweinsteiger mal ausfallen sollte, muss man sich meiner Meinung nach wenige Sorgen machen:
Ribery Müller Robben
Gustavo Tymo
(Variante ohne Schweinsteiger)
Bei Bedarf kann man hier auch einen der beiden Sechser durch Kroos ersetzen (eher Gustavo) und so für mehr Offensive Akzente sorgen.
Sturm: Im Sturm führt natürlich kein Weg an Mario Gomez vorbei. Der 28-Tore Mann ist auch in der neuen Saison im System mit einer Spitze gesetzt. Als Backups stehen mit Ivica Olic und Zweitligatorschützenkönig Nils Petersen quasi zwei Neuzugänge bereit. So sehr ich es Olic gönne bleibt jedoch abzuwarten, ob er nochmal an seine Form aus der Saison 09/10 anknüpfen kann. Nils Petersen wird ebenfalls eine Zeit brauchen, um sich im Oberhaus zu akklimatisieren. Als Alternative steht notfalls auch Thomas Müller zur Verfügung, der jedoch keine klassischer Strafraumstürmer ist, sondern eher hinter der Spitze agiert. Vorstellbar ist im System mit 2 Stürmern nur die Kombination Olic und Gomez oder Olic und Petersen, da sich die beiden Strafraumwühler Gomez und Petersen in Kombination wohl nur auf den Füßen stehen würden. Eine Formation mit Spitzen wird aber wohl auch bei Heynckes eher die Ausnahme bleiben, da nur schwer vorstellbar ist, dass er Müller/ Kroos bzw. einen der beiden defensiven Mittelfeldspieler opfern wird.
Fazit: Solange Gomez fit ist, ist die Welt im Sturm des FC Bayern in Ordnung. Sollte Gomez jedoch ausfallen sieht es dahinter eher dünn aus. Ivica Olic ist als alleiniger Stürmer in der Mitte nicht die Ideallösung, weil er eher ein spielender Stürmer ist, was im System mit den beiden dominanten Außen nicht optimal ist. Nils Petersen fehlt bei allem Potential noch die Erfahrung, um in die Fußstapfen von Gomez zu treten.
A-Elf:
Neuer - Lahm, Badstuber, Boateng, Rafinha – Gustavo, Schweinsteiger, Ribery, Müller, Robben – Gomez
B-Elf:
Butt – Contento, van Buyten, Breno, Pranjic – Tymoschuk, Kroos, Alaba, Usami – Petersen, Olic
Wie bei der genauen Betrachtung ins Auge sticht fällt das zweite Glied im Vergleich zur ersten Elf deutlich ab. Der FC Bayern hat leider noch nicht den Status eines FC Barcelona oder Real Madrid, wo sich Weltklassespieler auf der Bank tummeln. Das ist schade, aber wenn man die finanziellen Möglichkeiten betrachtet nur logisch.
Solange alle Leistungsträger fit sind, wird mit den Münchnern auf allen Ebenen zu rechnen sein. Die Schmach des letzten Jahres ist noch nicht vergessen und es gibt Einiges gut zu machen.
Donnerstag, 19. Mai 2011
Willkommen Don Jupp!
Seit letzter Woche laufen beim FC Bayern die Vorbereitungen auf die neue Saison auf Hochtouren. Während die Mannschaft noch einige letzte Freundschaftsspiele zum Ausklang der Saison absolvierte, zog es den neuen Trainer Jupp Heynckes bereits an die Säbenerstraße, um die Planungen für die Spielzeit 2011/2012 voranzutreiben. Grund genug einen genauen Blick auf den Mann zu werfen, der in der kommenden Saison beim FC Bayern das Zepter schwingen soll.
Der neue Trainer ist ein alter Bekannter, bereits von 1987 – 1991 und für die letzten fünf Spieltage der Saison 2008/2009 saß Don Jupp, wie er während seiner in Spanien und Portugal getauft wurde, auf der Bank des Rekordmeisters. Seit ihrer aktiven Spielzeit sind Bayernpräsident Uli Hoeneß und Heynckes in enger Freundschaft verbunden, sodass die Medien wohl auf eine Fehde zwischen Trainer und Vorstand, wie unter van Gaal, verzichten müssen. Jupp Heynckes ist einer der nicht viel Aufsehen um seine Person macht, im Gegensatz zum medienverliebten Lautsprecher van Gaal gilt Heynckes als sachlicher und fairer Gesprächspartner, der nur in Ausnahmen emotional wird und zum Osram wird.
Während seiner aktiven Zeit war Heynckes einer der erfolgreichsten Stürmer aller Zeiten, mit 51 Treffern im Europapokal liegt er auf Platz fünf der ewigen Torschützenliste, in der Bundesliga war er 1974 und 1975 jeweils Torschützenkönig und erzielte insgesamt 168 Tore für Gladbach und Hannover 96. Seine Titelsammlung beinhaltet unter anderem vier Deutsche Meisterschaften (1971, 1975 – 1977), einen DFB-Pokal Sieg (1973), sowie den Weltmeistertitel 1974 und den Europameistertitel 1972 mit der deutschen Nationalmannschaft, auch wenn ihm hier die ganz große Anerkennung verwehrt blieb.
Noch während seiner aktiven Karriere absolvierte Heynckes die Ausbildung zum Fußball-Lehrer und übernahm 1979 als Nachfolger von Udo Lattek das Traineramt bei Borussia Mönchengladbach als damals jüngster Bundesligatrainer aller Zeiten. Bei seiner ersten Trainerstation blieb ihm ein Titel allerdings noch verwehrt. Dafür wechselte er 1987 – amüsanterweise wieder als Nachfolger von Udo Lattek – zum FC Bayern, wo er unter anderem zweimal Deutscher Meister (1989, 1990), sowie zweimal Vizemeister wurde. Nach einem miserablen Saisonstart wurde Heynckes schließlich am 8. Oktober 1991 von Uli Hoeneß entlassen, eine Entscheidung, die Hoeneß auch heute noch als „größten Fehler meiner Karriere“ bezeichnet. Unvergessen bleibt auch der Dauerzwist zwischen Hoeneß, Daum und Heynckes, weil Daum, damals Trainer des FC Köln, Heynckes aufs übelste beschimpft hatte.
Über die Zwischenstationen Athletic Bilbao, Eintracht Frankfurt, CD Teneriffa landete er schließlich bei Real Madrid, wo er mit dem Gewinn der Champions League den bis dato größten Erfolg seiner Trainerkarriere feierte. Trotzdem wurde sein Vertrag am Ende der Saison gekündigt, nach weiteren Stationen bei Benfica Lissabon und erneut Athletic Bilbao führte ihn sein Weg zurück nach Deutschland, genau genommen zum FC Schalke 04, bevor er 2006 zu seiner ersten Trainerstation Borussia Mönchengladbach zurückkehrte. Nach nur 215 Tagen trat Heynckes allerdings zurück, weil es Morddrohungen gegen ihn gegeben haben soll. Als Freund Uli Hoeneß ihn im April 2009 bat vier Spieltage vor Schluss das Traineramt des FC Bayern als Interimstrainer zu übernehmen, um die von Sunnyboy Klinsmann verkorkste Saison und die CL-Teilnahme zu retten, war Heynckes zur Stelle und erfüllte den Job mit Bravour. Im Juni 2009 trat Heynckes schließlich sein Amt als Trainer von Bayern 04 VizeLeverkusen an und stellte in seiner ersten Saison direkt einen neuen Bundesligarekord auf, als er mit der Werkself 24 Spieltage lang unbesiegt blieb, trotzdem reichte es am Ende der Saison nur zu Platz 4.
Heynckes gilt zwar als Freund der Spieler und als Kommunikator, aber auch als jemand, der sich nicht vor der Konfrontation mit seinen Stars scheut. Michael Ballack bekam das bei Leverkusen am eigenen Leib zu spüren. Auch in seiner Zeit bei Eintracht Frankfurt scheute sich Heynckes nicht davor die drei Leistungsträger Yeboah, Gaudino und Okocha nach schlechten Trainingsleistungen öffentlich zu kritisieren und anschließend sogar aus dem Kader zu streichen. Toni Kroos blühte unter Heynckes in Leverkusen auf, spielte seine mit Abstand beste Bundesligasaison und avancierte mit Treffern und Vorlagen trotz der großen Konkurrenz zu einem der Leistungsträger der Bayerelf. Bei den Münchenern ist ihm dieser Durchbruch, trotz der Stammplatzgarantie unter van Gaal, bisher nicht gelungen. Ein Vorteil von Heynckes ist, dass er mit den Strukturen und dem Spielermaterial in München bereits bestens vertraut ist und sich dank des guten Verhältnisses mit dem Vorstand voll auf seine Arbeit konzentrieren kann. In Leverkusen formte er aus einer Elf mit großem Offensivpotential in gerade einmal zwei Jahren ein stabiles Gebilde aus alten erfahrenen Spielern wie Sami Hypiä oder Michael Ballack und jungen Talenten wie Michael Kadlec, Sidney Sam oder Lars Bender zu schaffen. Arturo Vidal wurde unter Heynckes zu einem der besten Sechser der Liga.
Seine Aufgabe in München wird es vor allem sein die anfällige Defensive zu stabilisieren und ein funktionierendes Gesamtkonzept zu schaffen, in dem weder die Offensive noch die Abwehr ähnlich stiefmütterlich behandelt werden wie letzte Saison. Eine Frage ist jedoch ob der bereits 66-jährige Heynckes der richtige Mann für die gewünschte Kontinuität auf der Bayernbank ist, denn trotz seiner fachlichen Kenntnisse und seines guten Rufs scheint es mehr als fragwürdig, dass er derjenige sein kann, der beim FC Bayern eine neue Ära einläuten kann.
Samstag, 30. April 2011
Warum nicht immer so... IHR PAPPNASEN!
Dank einer Streckenweise überragenden Vorstellung gegen den FC Schalke 04 und dem gleichzeitigen Patzer von Hannover 96 gegen Gladbach hat der FC Bayern Platz 3 in der Liga zurückerobert. Unter der Woche beherrschte der FC Bayern mal wieder sämtliche Nachrichten und Gazetten, der Chefchen-Eklat um Bastian Schweinsteiger, sowie die Aussagen von Arjen Robben zu den Führungsqualitäten der Kapitäne Lahm und Schweinsteiger zeigten deutlich, wie es derzeit um das Innenleben der Mannschaft bestellt ist, dazu kamen noch die zahlreichen Gerüchte um Manuel Neuer.
Die mit Spannung erwartete Reaktion der Bayernfans gegenüber Neuer fiel, soweit man das am Fernseher beurteilen konnte, unerwartet leise aus. Nur vereinzelt waren Pfiffe und Sprechgesänge gegen unsere (hoffentlich) zukünftige Nummer 1 zu hören – und das war auch gut so. Ein paar Unbelehrbare gibt es natürlich immer, aber die Tatsache, dass sich das Klima im Vergleich zum Pokalspiel deutlich beruhigt hat, stimmt mich zuversichtlich.
Der FC Bayern ging von Beginn an hochmotiviert zur Sache und demonstrierte den Königsblauen von der ersten Minute an, wer Herr im Hause ist. Mich persönlich macht das immer ein wenig nachdenklich und auch wütend, weil ich mir dann ausmale, was dieses Jahr möglich gewesen wäre, wenn man ein solches Engagement im Pokalhalbfinale oder im CL-Achtelfinale an selber Stelle gezeigt hätte. Oder bei einer der unzähligen unnötig verschenkten Auswärtspartien in der Liga.
Wie dem auch sei, in der Anfangsphase überrollte der FC Bayern die Gäste regelrecht. Angeführt von den überragenden Gomez, Müller und Robben zelebrierte der FCB vor allem in der ersten halben Stunde ein Offensivfeuerwerk, dass den Schalkern schwindelig wurde.
Bereits nach 6 Minuten schlug es das erste Mal ein im Kasten von Manuel Neuer. Nach einem Katastrophenfehler von Annan eroberte Mario Gomez den Ball an der Seitenauslinie und bediente in der Mitte Arjen Robben, der schob den Ball abgefälscht von Metzelder ins lange Eck. Manch einer mag unken, dass Manuel Neuer diesen Ball am Dienstag gehalten hätte, aber dem geneigten Bayernfan soll es Recht sein. Schalke glich jedoch nur eine Minute später aus. Eigentlich war Schalke an diesem 1:1 jedoch kaum beteiligt. Farfan flankte nach einer kurz ausgeführten Ecke, Jörg Butt tauchte unter dem Ball durch, Diego Contento zog den Kopf ein und Badstuber stand eben da, wo ein Unglücksrabe in so einer Situation steht, Ausgleich.
Bayern zeigte sich jedoch wenig beeindruckt und spielte weiter engagiert und zielstrebig nach Vorne. Auffällig dabei war, dass die Münchener es vor allem in der Anfangsphase auch des Öfteren mit langen Flugbällen auf die Außen versuchten. Ein Mittel, das es unter van Gaal kaum bis nie gab. Dadurch gelang es aber die Schalker ein ums andere Mal zu überrumpeln. Auch der läuferische Aufwand, den die Münchener bei gegnerischem Ballbesitz zeigten war beeindruckend und zeigte was diese Mannschaft leisten kann wenn sie will. Kurze Zeit später brachte Christoph Metzelder Arjen Robben kurz vor der Strafraumgrenze zu Fall. Zunächst sah es für viele klar nach Elfmeter aus, aber der gute Schiedsrichter Gagelmann entschied zu Recht auf Freistoß. Arjen Robben hämmerte Selbigen in die Mauer und der gedankenschnelle Müller verwertete den Abpraller zum 2:1 (13.).
Der FCB hielt das Tempo weiter hoch, Ribery verzog noch knapp (16.), Mario Gomez machte es kurze Zeit später besser. Müller köpfte eine Hereingabe von Robben über den heraus eilenden Neuer und Gomez vollendete aus kurzer Distanz zum 3:1 (19.). Manuel Neuer gab bei diesem Tor keine gute Figur ab und prompt stimmten Teile der Bayernfans ihre Gesänge an. „Schießbuden-Neuer“ war der Spruch der Wahl. Ziemlich lächerlich das Ganze. Sah wohl auch Neuer so und demonstrierte bei den nächsten beiden Bayern-Großchancen seine Extraklasse. Auch in der Folge zeigten die Münchener teils überragende Kombinationen. Sogar der nicht für technische Kabinettstückchen bekannte Tymoschuk beteiligte sich mit einem Hackentrick am Münchener Spektakel. Erst nach gut einer halben Stunde nahmen die Münchener das Tempo raus und das Spiel verflachte sofort, da von den Schalkern an diesem Tag rein Garnichts kam.
Auch in der zweiten Hälfte verwalteten die Mannen von Andries Jonker das Ergebnis und ließen die letzte Konsequenz in den Offensivaktionen vermissen. Erst kurz vor Schluss stellte der überragende Müller den Endstand her. Der gerade eingewechselte Klose spielte Ribery perfekt in den Lauf, der steckte durch auf Müller und im dritten Anlauf traf der zum 4:1 (83.). 4 Tore, 3 Punkte, Platz 3 erneut zurückerobert, Alles gut sollte man meinen. Trotzdem gaben sich die Münchener nach dem Spiel eher nachdenklich als euphorisch.
Thomas Müller: „Das einzig Bittere ist, dass wir aus dem Potenzial, was in der Mannschaft steckt, so wenig rausgeholt haben. Wenn man sieht, dass wir um den dritten Platz kämpfen müssen. Da ist das ein wenig enttäuschend, dass wir so wenig aus der Saison gemacht haben.“
Andries Jonker: „Ich denke, dass wir ein Riesenpotenzial haben. Wir sind in der Lage alles zu gewinnen, was es zu gewinnen gibt. Um das abzurufen, müssen wir 90 Minuten da sein. Wir machen alles, um das Ziel Platz drei zu erreichen. Aber es gibt keinen Grund, überheblich zu sein. Wir spielen nächste Woche gegen St. Pauli, dort müssen wir gewinnen.“
Das einhellige Fazit lautet also auch bei Spielern und Verantwortlichen, wenn man eine solche Leistung öfter abgerufen hätte, wäre diese Saison mehr drin gewesen. Kommende Woche gilt es nun im letzten Auswärtsspiel des Jahres (Gottseidank!) beim Tabellenletzten St. Pauli den Grundstein für Platz 3 zu legen, oder wie es Arjen Robben ausdrückt: „Wir sind Professionals, dann mussen wir damit weitergehen.“
Dienstag, 12. April 2011
„Der König ist weg, es lebe der König!“
So in etwa muss sich Uli Hoeneß am Sonntag gefühlt haben, als er mit hochrotem Kopf vor die versammelte Presse trat und das Aus des Holländers verkündigte. Der endgültige K.O. des arroganten und unkommunikativen van Gaal und das Comeback des Übervaters Hoeneß aus dem vorübergehenden Semi-Ruhestand. Und Uli tat mehr als van Gaals Abschied zu verkünden. Er rechnete ohne Gnade ab. Zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit erlebte die Öffentlichkeit einen Hoeneß in Hochform wie er genau das tat, was man im Sport gemeinhin als Nachtreten bezeichnet.
„Mit der Entscheidung Jörg Butt aus dem Tor zu nehmen ging die Scheiße los. […]Der Vorstand hat ihn auf diese Problematik hingewiesen und er hat es trotzdem gemacht. Der gestrige Tag war das Ende einer Kette, deswegen musste der Vorstand gestern reagieren.“
„Das Thema Manuel Neuer hätte sich hier nie so hochgeschaukelt. Wir hätten nie ein Problem in der Südkurve bekommen. Wir haben uns Probleme gemacht, die völlig unnötig waren. […] Und das sollte sich Louis van Gaal mal überlegen, weil ihn der Vorstand und Christian Nerlinger auf diese Problematik aufmerksam gemacht hat.“
„Er hat unseren Rat nicht angenommen und gestern war das Fass übergelaufen.“
„Der Spass hat in diesem Verein seit langer Zeit gefehlt, nicht nur bei uns sondern auch bei den Spielern. Dass die Spieler hinter ihm standen ist ein Märchen.“
Da hat er wirklich Einiges vom Stapel gelassen der gute Uli. Man muss kein großer Rhetoriker sein, um die Verbitterung zwischen diesen Zeilen zu erkennen. Die Enttäuschung und die Wut über van Gaal, der Ärger mit den eigenen Fans und die unbefriedigende Situation in der Liga fanden in dieser Rede ihr Ventil.
Wenn man jedoch auf die Kernaspekte blickt muss man sagen, dass nicht alle Aussagen so für bare Münze genommen werden können. Zunächst einmal stellt Hoeneß Thomas Kraft vor versammelter Medienlandschaft an den Pranger. Dies wird dem jungen Mann nicht gerecht und die Tatsache, dass sein Patzer vor dem 1:1 nun quasi eine Lawine ins Rollen gebracht hat, lässt mich unweigerlich an die Situation mit Michael Rensing zurückdenken. Thomas Kraft hat in den meisten Spielen gute und in einigen sogar überragende Leistungen gezeigt. Seine Reaktion auf die Aussagen von Hoeneß verwundert mich deshalb nicht. Es ist nicht fair diesen Konflikt auf dem Rücken eines jungen Torhüters auszutragen.
Was jedoch stimmt ist Hoeneß Bemerkung bezüglich der Neuer-Problematik. Die Schickeria – Initiator der „Koan Neuer“ - Proteste hätte wohl nie so viele Befürworter gefunden, wenn Jörg Butt auch in der Rückrunde im Tor gestanden hätte. Was Hoeneß jedoch verschweigt ist, dass ebenso die Situation mit den Stehplatzkarten und die Investitionen bei 1860 München Stein des Anstoßes für viele Proteste waren. Diese Probleme sind durch Hoeneß` Aussagen mal eben ganz souverän unter den Tisch gekehrt. Kritische Nachfragen gab es seitens der Journalisten dazu scheinbar keine, aber wer will sich schon mit einem Hoeneß in dieser Stimmung anlegen.
Was mich an der ganzen Sache wirklich stört ist die Tatsache, dass die gestandenen Spieler nicht auch einen Teil des Zornes abbekommen haben. Zu eindeutig war die Tatsache, dass die Mannschaft in den vergangenen Spielen gegen den Trainer gespielt hat. Der Höhepunkt war der Platzverweis von Arjen Robben nach dem Schlusspfiff. Eine so charakterlose und disziplinlose Vorstellung darf man sich im Trikot des FC Bayern einfach nicht erlauben. Dabei spielte es keine Rolle, ob man den Trainer mag oder nicht, ob das Wetter nicht so toll ist oder ob man gerade aus der Champions League ausgeschieden ist. Wer eine solche Leistung wie im Hinspiel gegen Inter Mailand zeigen kann, der kann so schlecht nicht sein, dass er die Qualifikation für die Champions League gegen Nürnberg aus der Hand gibt. Die Rufe nach Mark van Bommel oder Lucio finde ich zunehmend lächerlich. Das einzige Problem dieser Mannschaft ist, dass keiner der gestandenen Spieler Eier in der Hose hat. Kein Lahm, kein Schweinsteiger und erst recht kein Robben. Von einer Mannschaft erwarte ich, dass sie gemeinsam Alles für den Erfolg tut, auch gegen Widerstände. Die Tatsache, dass die Spieler keinen Spass mehr am Spiel haben ist für mich keine Entschuldigung für die Leistungen der vergangenen Spiele.
Letztlich war es eine richtige und längst überfällige Entscheidung van Gaal zu entlassen, speziell wenn man hört, was da noch so vorgefallen sein soll in den vergangenen Monaten. Sollte es wirklich der Wahrheit entsprechen, dass bereits die Vertragsverlängerung im September eine Art Friedensangebot an van Gaal war, dann kann ich mir nur an den Kopf fassen. Ich hoffe, dass mit dem Abgang nun sämtliche mentale Blockaden gelöst sind und man sich endlich wieder daran erinnert, wie man erfolgreich Fußball spielt. Sag es uns Oli!
Samstag, 26. März 2011
Baustellenbesichtigung: Der Bayernkader 2011/2012
Miroslav Klose steht in Kaiserslautern zum ersten Mal seit dem 6. Spieltag wieder in der Startformation. Der geneigte Fußballfan weiß, das kann nur eins heißen: Die Bundesliga pausiert und Jogis Jungs dürfen ran. Miros darf also dieses Wochenende gegen Kasachstan Selbstvertrauen tanken für die Schlussphase des nächsten Bayernspiels und ich habe Zeit mir Gedanken zu machen, wie der Kader unter Jupp Heynckes aussehen wird.
Gesetzt den Fall der FC Bayern erreicht die CL dürfen wir uns wohl auf eine Einkaufstour gefasst machen, wie es sie zuletzt 2007/2008 gab. Damals holte man die Weltstars Ribéry, Klose und Toni und gewann souverän das nationale Double. Einen ähnlichen Saisonverlauf erwarten nicht nur Fans und Medien, sondern vor allem die Chefetage um Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge.
Welche Formation?
Jupp Heynckes wird vermutlich nicht von Louis van Gaals 4-2-3-1-System abrücken, auch wenn absehbar ist, dass in der neuen Saison wieder mehr Wert auf die Defensive gelegt werden wird. Ich hoffe, dass der Verein auch in Zukunft dieser Formation treu bleibt und Spieler entsprechend eingekauft werden. Die Dominanz der Flügelzange Robben und Ribéry legt das System mit einem Stürmer nah. Zudem verlangt die offensive Grundausrichtung der beiden Außen eine Doppelsechs als Absicherung. Solange Rib & Rob in München spielen – und ich hoffe das tun die beiden noch lange – führt am 4-2-3-1 kein Weg vorbei.
Wer kommt?
Tor: Ja, ich mag Thomas Kraft. Ja, ich bin mit seinen Leistungen in der Rückrunde sehr zufrieden. Ja, ich bin finde auch, dass er tolle Anlagen hat. Ja, ich bin dafür, dass der eigene Nachwuchs eine Chance bekommt. ABER. Manuel Neuer ist der derzeit mit Abstand beste deutsche Torwart und eine Investition, die sich mit Sicherheit lohnen wird. Ich hoffe wirklich, dass er nächstes Jahr nach München kommt. Sollte Thomas Kraft zwischen den Pfosten stehen ist mir trotzdem nicht bange.
Die Abwehr ist ohne Zweifel die größte Baustelle des Rekordmeisters. Mindestens einen Innenverteidiger und einen rechten Verteidiger muss man verpflichten, um die Versäumnisse der Vergangenheit zu beheben. Mein persönlicher Favorit für die Innenverteidigung ist, neben Mats Hummels (den wir leider Gottes nicht bekommen werden), Giorgio Chiellini von Juventus Turin. Sollte Philipp Lahm wieder auf die linke Seite wechseln, was ich sehr begrüßen würde, sehe ich vor allem Gregory van der Wiel und Fabio Coentrao als A-Lösungen für die rechte Abwehrseite. Alle anderen Namen, von Pogatetz über Dante und Mertesacker bis hin zu irgendwelchen ominösen Südamerikanern (lernen wir es eigentlich nie?), halte ich für absoluten Unsinn. Der FC Bayern hat den Anspruch die Champions League zu gewinnen, also muss auch entsprechend investiert werden.
Im Mittelfeld muss ein neuer Backup für Robben oder Ribéry gefunden werden. Zudem hoffe ich, dass Heynckes Arturo Vidal aus Leverkusen mitbringt. Der Chilene spielt eine überragende Saison und kann fast jede Position im Mittelfeld spielen. Ivo Ilicévic hat diese Saison ebenfalls einen guten Eindruck hinterlassen und man könnte ihn für wenig Geld bekommen. Das Wichtigste ist qualitativ ordentliche Spieler zu finden, die aber nicht murren, wenn sie den Großteil der Saison auf der Bank sitzen. Thomas Müller und Arturo Vidal können die Position auf den Außen ebenfalls besetzen, sodass man in diesem Fall nur noch maximal einen weiteren Backup für Robbery benötigt.
Im Sturm hat der FC Bayern derzeit am wenigsten Sorgen. Mario Goméz hat diese Saison endlich seine Form aus Stuttgarter Tagen gefunden und überzeugt seit seiner Beförderung zum Stürmer Nummer 1. Dahinter wartet mit Ivica Olic ein weiterer Angreifer mit europäischem Niveau. Auch Thomas Müller kann die Position in der Spitze besetzen. Sollte man hier von Verletzungen verschont bleiben, wäre jeder investierte Euro verschwendetes Geld.
Wer geht?
Breno hat bereits nach dem Ausscheiden in der Champions League via Twitter verkündet, dass er gerne wieder in seine Heimat wechseln möchte. Nach den Böcken der letzten Spiele kann ich mir nicht vorstellen, dass ihm der Verein Steine in den Weg legen wird. Daniel van Buyten wird seinen Vertrag bis 2012 vermutlich erfüllen und anschließend ebenfalls den Verein verlassen. Nächste Saison sehe ich ihn aber vor allem als Backup in der Innenverteidigung.
Im Mittelfeld wird es aller Voraussicht nach eine Reihe von Abgängen geben. Hamit Altintop wird seine Zelte in München vermutlich abbrechen und zurück in seine Heimat oder zu einem anderen Bundesligisten wechseln. Zu unbeständig und zu lethargisch waren seine Einsätze, sodass ich ihm keine Träne nachweine. Andreas Ottl sollte auch endlich einsehen, dass er bei einer anderen Mannschaft vielleicht besser aufgehoben wäre. Die Konkurrenz im defensiven Mittelfeld ist riesig und selbst als Ergänzungsspieler wünsche ich mir einen Spieler mit mehr Qualität. Nürnberg ist ja auch nicht schlecht Andy. Bei Anatolij Tymoshchuk bin ich wirklich gespannt, gehe aber auch hier derzeit von einem Abschied im Sommer aus.
Im Sturm dürfen wir uns wohl von Miroslav Klose verabschieden. An Mario Gomez führt auch im nächsten Jahr kein Weg vorbei. Ivica Olic ist wieder fit und auch Thomas Müller kann notfalls im Sturmzentrum spielen. Da bleibt kein Platz mehr für den alten Mann, der ja bereits angedeutet hat seine EM Teilnahme 2014 nicht gefährden zu wollen. Machs gut Miro!
Geht das gut?
Trotz der riesigen Investitionen und dem großen Ziel CL Finale in München könnte die Stimmung bei den Bayern im kommenden Jahr nicht besser sein. Don Jupp und Patron Uli sind alte Freunde. Auf medienwirksam ausgetragene Kleinkriege wird der Boulevard kommende Saison verzichten müssen, ist aber für Verein und Fans nicht weiter schlimm.
Der Großteil der Mannschaft kennt und schätzt den neuen Trainer bereits, trotzdem ist Frieden nicht garantiert. Heynckes gilt als jemand der sich nicht vor Konfrontationen mit seinen Stars scheut. Der Konflikt mit Michael Ballack in Leverkusen ist aktuell Beleg dafür.
Vor allem die beiden Artisten Ribéry und Robben werden sich sicher das eine oder andere Mal mit dem Neuen reiben, da Heynckes von ihnen mehr Defensivarbeit einfordern wird. Für die Jungen ändert sich hingegen nicht viel, war doch auch van Gaal schon ein Verfechter des Jugendstils. Vor allem von Toni Kroos erwarte ich nächstes Jahr eine deutliche Leistungssteigerung, hatte er doch unter Heynckes bei Bayer Leverkusen seine beste Zeit.
Die Vorzeichen für die neue Saison stehen gut. Bleibt zu erwarten, ob die Mannschaft die jetzt schon hohen Erwartungen erfüllen kann.
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